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Leichtbau-Gipfel 2016

Podiumsdiskussion: „Lastenhefte hinterfragen“

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Tiefgehende Materialkenntnisse

Heinrich Timm ging darauf ein, welche Voraussetzung gegeben sein müssen, um neue Materialien einzusetzen: „Die Entwickler müssen die Materialspezifika wirklich kennen“, so das Mitglied des Vorstands des CCeV. Er wurde in seine Ausführungen unterstützt von Dr. Christian Hack, Leiterin der Vorentwicklung bei Brose: „Es muss der richtige Werkstoff und die richtige Verarbeitung sein. Da gibt es keine guten oder schlechte Werkstoffe.“ Jeder müsse für seine Rahmenbedingungen das richtige finden: „Entweder muss man wie bei VW an die großen Volumina denken oder wie bei BMW an die richtigen Fertigungsstandorte.“ Es gelte aber laut Hack vor allem interdisziplinär zusammenzuarbeiten. Dr. Jürgen Wesemann von Ford ergänzte noch, dass es für den von ihm vertretenen OEM auch um die globale Verfügbarkeit der Materialien gehe.

Auch kam die Frage auf, inwieweit die modularen Fahrzeugarchitekturen der OEMs effiziente Leichtbaulösungen verhindern. Dr. Hack wies aber hier vor allem auf den Punkt der „Risikominimierung“ hin, den vor allem die OEMs bei Themen wie der globalen Produktion beachten müssten. Doch darunter darf die Innovationsleistung nicht leiden und so sprach sich die Brose-Ingenieurin dafür aus, dass die Hersteller noch früher die Zulieferer einbeziehen. Das solle komplett entlang der Wertschöpfungskette geschehen. „So könnte man den richtigen Moment erwischen, wenn man mit einem ersten Fahrzeug, das mit einem überschaubaren Volumen auf einer großen Plattform startet, den ersten Schritt macht. Dann kann man das Ganze in der Breite ausrollen und daraus eine Standardtechnologie machen“, sagte Dr. Hack.

Hinweise von Lieferanten erwünscht

Von Seiten des OEMs, in Person von BMW-Mann Schek, kam zudem der Hinweis, dass „gelernte Lastenhefte hinterfragt werden müssen.“ Das Anforderungsmanagement im Leichtbau sei demnach ein Top-Thema, bei dem man feststelle, dass im Leichtbau Lastenhefte seit zwanzig Jahren existieren würden, die gut funktionieren, aber aus Zeitgründen nicht hinterfragt werden. „Vielleicht hat man dann doch mal ein Material am Start, das man sonst nie genutzt hätte“, sagte Schek. Hier forderte er auch Lieferanten auf, die OEMs auf Änderungsmöglichkeiten hinzuweisen.

Auch Dr. Wesemann von Ford bestätigte, dass man Lastenhefte überdenken müsse, um neue Leichtbaukonzepte zu integrieren. „Ansonsten würde man auch auf der Innovationsbremse stehen.“

In Vorleistung gehen

Welche Schwerpunkte die Lieferanten in der Zusammenarbeit mit den Herstellern setzen können, zeigte nochmals Frau Dr. Hack von Brose. Sie betonte, dass man mit Ideen schon zu einem Zeitpunkt zum OEM kommen muss, wo man als Lieferant selber zwar schon im Thema steht, aber trotzdem noch die Möglichkeit hat „zusammen an der Idee zu wachsen“.

Hier ergänzte Martin Hillebrecht von EDAG, dass man sich schon in den Innovationsprozess einbringen müsse und „nicht erst vom OEM gepushed werden sollte.“ Das erfordere die Fähigkeit und Bereitschaft sich proaktiv mit den funktionellen Anforderungen auseinanderzusetzen und auch mal in Vorleistung zu gehen. So ergebe sich dann laut Hillebrecht auch ein Entwicklungsvorsprung.

Bei der Frage nach dem Fahrzeugbereich, der am meisten Leichtbaupotenzial biete, blieb Heinrich Timm bei seiner Einschätzung, dass die Karosserie hier weiterhin entscheidend ist. Dr. Thomas Heber ergänzte, dass „das Gesamtpaket“ stimmen muss: „Jede Masse die bewegt ist, ist eine Masse die man sich anschauen kann“, so der Fachmann von der TU Dresden.

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE