Suchen

MTU Poker geht weiter

| Redakteur:

Im Milliardenpoker um den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen ist ein erstes Schlichtungsgespräch zwischen den Familiengesellschaftern und DaimlerChrysler gescheitert.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

Im Milliardenpoker um den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen ist einem Pressebericht zufolge ein erstes Schlichtungsgespräch zwischen den Familiengesellschaftern und Großaktionär DaimlerChrysler gescheitert. Ein Treffen sei in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ohne Ergebnis abgebrochen, berichtete die "Financial Times Deutschland" in ihrer Montagausgabe unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise.

Die Familiengesellschafter seien nun fest entschlossen gegen den Stuttgarter Autokonzern zu klagen, sollte der sein Vorhaben durchziehen, das Vetorecht der Familien für einen Verkauf mit einem gesellschaftsrechtlichen Trick zu umgehen. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher wollte den Bericht am Sonntag auf Anfrage nicht kommentieren.

Vetorecht

Der Konflikt zwischen DaimlerChrysler und den Familiengesellschaftern von MTU Friedrichshafen verhindert seit Monaten den anvisierten Verkauf des Dieselmotorenherstellers. Das Verfahren ist kompliziert, weil alle Beteiligten, also DaimlerChrysler und zwölf Gesellschafter aus den Familien Schmid-Maybach und von Brandenstein-Zeppelin, ein Vetorecht haben. DaimlerChrysler hält 88 Prozent an MTU Friedrichshafen, der Rest ist im Besitz von Nachkommen der Firmengründer.

Weil sich die Eigner nicht einigen können, scheiterte Anfang Juli der eigentlich schon fest eingeplante Verkauf an den Münchner Mischkonzern MTU. Stattdessen haben die Familien einen Vertrag über Exklusivverhandlungen mit dem amerikanischen Finanzinvestor Carlyle abgeschlossen. DaimlerChrysler hatte daraufhin den Verkaufsprozess gestoppt, weil der Konzern mit mehreren Bietern verhandeln will.

DC plant Ausgliederung in eine neue Gesellschaft

Um das Mitspracherecht der Familien beim Verkauf auszuhebeln, hatte der Konzern nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa-AFX die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung am 1. September verlangt, auf der alle Firmenwerte von MTU Friedrichshafen in eine neue Gesellschaft ausgegliedert werden sollen. Für die neue Firma würde das Vetorecht der Familien nicht mehr gelten. Auch der Exklusivvertrag mit Carlyle würde seien Geltung verlieren. DaimlerChrysler könnte die neue Gesellschaft dann als Ganzes an einen Investor verkaufen.

Um ein Mitspracherecht beim Verkauf zu behalten, wollen die Gründerfamilien laut "FTD" noch eine Einigung mit DaimlerChrysler erzielen. Um einen Streit vor Gericht zu verhindern, muss dies bis zur Eignerversammlung Anfang September gelingen. Die Einladung ist mit eindeutigen Tagesordnungspunkten versehen, die zeigen, dass dort nicht mehr verhandelt, sondern abgewickelt wird, sagte ein Insider der Zeitung.