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Motorsport Engineering Porsches WEC-Abschied in Bahrain

| Autor / Redakteur: ampnet / Lisa Marie Waschbusch

Der neunte und letzte Lauf der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Bahrain sollte der finale Einsatz des Porsche 919 Hybrid sein. Nach vier Jahren verabschiedete sich der Konzern nun aus der Sportwagenklasse LMP1 – und blickt nach vorne in Richtung Formel E.

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Nach vier Jahren endete für Porsche beim letzten Rennen in Bahrain ein Stück Unternehmensgeschichte: Der Konzern steigt aus der Sportwagenklasse LMP1 aus.
Nach vier Jahren endete für Porsche beim letzten Rennen in Bahrain ein Stück Unternehmensgeschichte: Der Konzern steigt aus der Sportwagenklasse LMP1 aus.
(Bild: Porsche)

Es war am Sonnabend exakt um 20 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit, als für Porsche ein bedeutendes Stück Unternehmensgeschichte in Bahrain endete: Zum letzten Mal nahm ein Porsche 919 Hybrid, der bereits vor dem Start zu den „Six Hours of Bahrain“ als Sieger der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2017 feststand, an einem Rennen teil. Danach wird er einen Platz im werkseigenen Museum in Stuttgart-Zuffenhausen einnehmen – nach insgesamt 33 Einsätzen, 17 Siegen – darunter dreimal in Le Mans – und sechs Weltmeistertiteln (drei für Hersteller, drei für Fahrer) zwischen April 2014 und November 2018.

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Finaler Einsatz für Porsche 919 Hybrid

Der neunte und letzte Lauf zur Langstrecken-Weltmeisterschaft 2017 würde gleichzeitig der finale Renneinsatz für den Porsche 919 Hybrid sein. Zuvor hatte das Auto in seiner vierjährigen Karriere so ziemlich alles gewonnen, was es in seiner Serie zu gewinnen gab. Der Prototyp aus der Sportwagenklasse LMP1 (LMP = Le Mans Prototyp) war entwickelt worden, weil Porsche 2014 nach 16 Jahren Le-Mans-Enthaltsamkeit 2014 wieder am legendären 24-Stunden-Rennen im Nordwesten Frankreichs teilnehmen wollte. Die an diesem Wettbewerb und an der World Endurance Championship teilnehmenden Prototypen sind die schnellsten Rennwagen mit geschlossenen Radkästen, die heute bei Rundkursrennen eingesetzt werden. Sie sind eine Klasse über den serienbasierten GT-Wagen angesiedelt und in puncto Kosten und Technologie mit den Fahrzeugen der Formel 1 vergleichbar.

In der Motorsportszene gelten die Langstreckenrennen der WEC als ein besonders hartes und zugleich ideales Testlabor für innovative Antriebstechnologien. Deshalb beteiligte sich auch der Automobilzulieferer Schaeffler, unter anderem Spezialist für die Entwicklung von Hybridsystemen, am Porsche-Projekt. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit: Im 919 Hybrid arbeitet ein aufgeladener V4-Ottomotor mit zwei Litern Hubraum und knapp 368 kW / 500 PS, der mit seiner Kraft die Hinterräder antreibt und in einer Kombination von zwei verschiedenen Systemen – Abgasenergie und Bremsenergie von der Vorderachse – Energie zurückgewinnt. Damit wird eine Batterie geladen, die ihrerseits Energie für einen Elektromotor mit über 294 kW / 400 PS liefert, der mit der Vorderachse verbunden ist und beim Beschleunigen für Allradantrieb sorgt. Entwicklungsleiter Fritz Enzinger erinnert sich: „Wir haben damals aus dem Stand einen hochkomplexen Hybrid-Rennwagen auf Formel 1-Niveau entwickelt.“

WM-Titel stand bereits fest

Die Ausgangssituation für das letzte Rennen in Bahrain sah so aus: Ebenso wie Konkurrent Toyota hatte Porsche in der LMP1-Klasse in der laufenden Saison vier Siege nach Hause gefahren. Aufgrund des Reglements standen für Porsche bereits die WM-Titel in der Hersteller- ebenso wie in der Fahrer-Wertung mit Earl Bamber, Brendon Hartley (beide aus Neuseeland) und Timo Bernhard (Deutschland) fest. Jetzt ging es nur mehr um die Ehre des Siegers am Schluss.

Es entwickelte sich ein bis zur letzten Minute in allen vier Kategorien ungeheuer spannendes Rennen mit einigen glücklich verlaufenen Kollisionen, der einen oder anderen Strafminute auch für einen Porsche und zahlreichen Überholmanövern. Am Ende hatte in der höchsten Kategorie Toyota die Nase vorn vor den beiden Porsche, wobei die alten und neuen Weltmeister auf dem zweiten Platz landeten. Bei den LMP2-Boliden wurde Bruno Senna, Neffe des tödlich verunglückten dreimaligen Formel-1-Weltmeisters Ayrton Senna aus Brasilien, zusammen mit zwei weiteren Fahrern Weltmeister, und in der Kategorie GTE Am tauchte ein weiterer prominenter Name auf: Hier wurde Aston Martin Weltmeister in einem Auto, in dem neben zwei anderen auch Mathias Lauda, Sohn des einstigen Formel 1-Weltmeisters, am Steuer saß

Geplanter Einstieg in Formel E

Wie geht es nun bei Porsche weiter? Im Renngeschehen steht das Unternehmen wieder einmal vor einem Neubeginn, weil es sich bei der Formel E, dem höchsten Wettbewerb für Elektrofahrzeuge beteiligen will. Hier ist Kooperationspartner Schaeffler zusammen mit Audi schon seit einiger Zeit aktiv, ob das Engagement mit Porsche fortgesetzt wird, soll in den kommenden Wochen entschieden werden. Für Porsche-Boss Oliver Blume sind die Weichen für die kommenden Jahre seines Unternehmens, was Produktion und Entwicklung von Serienfahrzeugen angeht, längst gestellt. „Wir werden dreigleisig fahren - mit Verbrennungsmotor, mit Hybrid und rein elektrisch“, so schilderte er die Porsche-Zukunft bei einem kurzen Gespräch am Rand des Bahrain International Circut. Bereits jetzt würden sich etwa 40 Prozent aller Porsche-Panamera-Kunden für einen Hybrid entscheiden.

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So wie einst der 1998 gestorbene Ferry Porsche, Sohn des Patriarchen Ferdinand Porsche, ist auch Blume der Meinung, dass Motorsport in erster Linie Härtetest und Entwicklungsbeschleuniger für zukünftige Straßensportwagen ist und erst danach ein wirksames PR- und Werbeinstrument: „Die Beteiligung am Motorsport macht uns gegenüber dem Wettbewerb innovativer.“ Mit Otto- und Hybridmotoren haben die Ingenieure aus Stuttgart den Beweis dafür längst erbracht. Ihre Erfolge sind Teil der Motorsportgeschichte. Jetzt wird ihr Engagement in der Formel E zeigen, ob ihnen das mit dem reinen Elektromotor auch gelingt.

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