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Zulieferer-Studie Preisdruck nimmt zu

| Autor / Redakteur: dpa/AI / Bernd Otterbach

Der Preisdruck auf die Automobilzulieferer wird einer Studie zufolge auch in den nächsten Jahren anhalten. Die Unternehmen selbst stellen sich in den nächsten fünf Jahren auf durchschnittliche Preisnachlässe von 2,5 Prozent jährlich für bereits laufende Serien ein.

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Dies hat die Managementberatung Oliver Wyman in einer am Montag veröffentlichten Befragung unter Geschäftsführern und Vorständen führender Automobilzulieferer ermittelt hat. Dabei näherten sich die Premiumhersteller mit ihren Forderungen nach niedrigeren Preisen immer mehr denen der Volumenhersteller an. Zwar hätten spezialisierte Komponentenhersteller innerhalb einer Nische weiterhin die Möglichkeit, in ihrem Segment profitabel zu wachsen. Doch könnten Zulieferer insgesamt nur in Ausnahmefällen Preiserhöhungen bei OEMs erzielen. So gleichen der Studie zufolge funktionale Innovationen und wachsende Ausstattungsraten den Wertverlust bei einem durchschnittlichen Fahrzeug nur bei rund 20 bis 30 Prozent der Fahrzeugmodule aus, während 70 bis 80 Prozent dem Kostendruck schonungslos ausgesetzt sind.

„In Anbetracht des unerbittlichen Kostendrucks in der Automobilindustrie werden die Kosten zum Wettbewerbsfaktor Nummer eins für die Zulieferer. Gelingt es den Zulieferern nicht, ihre Kosten entsprechend zu senken, führt dies unweigerlich zu kleineren Margen und schließlich zu abnehmender Profitabilität“, sagte Lars Stolz, Zulieferexperte und Partner bei Oliver Wyman.

Globale Ausrichtung nötig

Höherwertige Produkte würden den Zulieferern, die den Angaben zufolge mehr als die Hälfte der Wertschöpfung eines Fahrzeugs erbringen, demnach nur in geringem Maße aus der Profitabilitätsfalle helfen. Vielversprechender ist dagegen laut der Studie die weltweite Expansion. Das Volumenwachstum werde jedoch regional sehr unterschiedlich ausfallen. Zeichne sich für die gesättigten Märkte wie beispielsweise Westeuropa, Japan oder die USA allenfalls eine Erholung auf das Vorkrisenniveau ab, so verzeichneten die Wachstumsmärkte Indien und insbesondere China seit dem Jahr 2007 eine durchschnittliche Wachstumsrate von nahezu zehn Prozent. „Nur wer sich international kosteneffizient ausrichtet und in den wichtigen Wachstumsmärkten mit den entsprechenden Produktionskapazitäten präsent ist, kann im hart umkämpften Zuliefermarkt nachhaltig erfolgreich sein“, sagte Jonas Wagner, Zulieferexperte bei Oliver Wyman.

Weltweiter Zuliefermarkt wächst um vier Prozent

Prinzipiell sagen die Experten den Autozulieferern ein günstiges Marktumfeld voraus: Die jährliche Wachstumsrate des weltweiten Zuliefermarktes beziffern sie in den nächsten fünf Jahren auf vier Prozent. Zudem könnten die Unternehmen selbst gegensteuern, indem sie die Kosten beispielsweise in Einkauf und Produktion weiter senken, Überkapazitäten abbauen und schlankere Organisationsstrukturen schaffen. Zudem empfehlen die Experten den Zulieferern, sich auf ihre Stärken zu besinnen und wenig profitable Geschäftsbereiche abzustoßen.

Während der Branchenkrise war im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von Zulieferern ins Straucheln geraten und wurde von den Herstellern gestützt. Über die Höhe der Hilfszahlungen wollten sich die OEMs, auch um ihre Zulieferer zu schützen, nicht äußern. Zusätzlich kamen die Hersteller den Zulieferern mit verkürzten Zahlungszielen entgegen. Obgleich die Autokonzerne mit ihren Preisforderungen permanenten Druck auf die Zulieferbranche ausüben, sind sie umgekehrt von ihr abhängig.

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