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Kommentar Premium, aber anders

| Redakteur: Wilhelm Mißler

Die Bayern sind bekannt dafür, dass sie gerne ihren eigenen Weg gehen. Die Bayerischen Motoren Werke tragen ihren Namen nicht zu Unrecht. Ganz eigene Wege zu gehen, hat sich für den Münchener Autobauer bislang mehr als ausgezahlt.

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Mit einem Modellprogramm, wie es kaum ein anderer OEM klarer strukturiert hat, ist BMW an die internationale Spitze der Premiumanbieter vorgefahren.

Bei den Zulieferern genoss der Autobauer zuletzt als einziger OEM den Ruf, Innovationen angemessen zu honorieren. BMW hatte deshalb häufig als Erster Zugang zu Innovationen. Nicht zuletzt deshalb haben es die Bayern geschafft, in der CO2-Bilanz besser dazustehen als mancher Volumenhersteller.

Doch durch die jetzt eingetretene Entwicklung lässt sich das „Mir-san-mir“ in Reinkultur nicht mehr durchhalten. Statt dessen erklärt BMW-Chef Dr. Norbert Reithofer auf der Bilanzpressekonferenz Kooperationen ganz offiziell zum wichtigen Bestandteil der weiteren Unternehmensstrategie.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Erzrivalen aus Stuttgart ist kein Tabu mehr. Bei einer „zweistelligen Anzahl von Komponenten“ – nach unseren Recherchen geht es dabei um genau 25 – wird nach Aussagen von Einkaufschef Dr. Herbert Diess das Sourcing mit Stuttgart synchronisiert.

Außerdem zieht der ehemalige Bosch-Manager in den Einkaufsverhandlungen kräftig die Daumenschrauben an. Nach eigener Einlassung wird die Zielmarke von vier Milliarden Euro an Einsparungen in diesem Bereich bis 2012 sogar noch deutlich übertroffen.

Anders als früher ist Sparen jetzt auch in der Forschung und Entwicklung das Gebot der Stunde. Extravaganzen wie der mit Wasserstoff betriebene Verbrennungsmotor werden auf Eis gelegt. Wie zu hören ist, wird das Thema Wasserstoff auf die Grundlagenforschung reduziert, die Brennstoffzelle spielt in den Münchener Überlegungen allenfalls noch für den Betrieb von Nebenaggregaten eine Rolle. Mehr denn je wird neue Technik unter strengen Kosten-Nutzen-Abwägungen implementiert. So ist der Riemen getriebene Starter-Generator in der nächsten 5er-Generation auf der Zielgeraden gegen die weniger komfortable Starter-basierte Start-Stopp-Technik aus dem Rennen gefallen.

Wo die Herausforderung dieses Automobilherstellers liegt, teilt uns BMW-Chef Reithofer in einer scheinbar einfachen Frage mit: „Wie definiert sich Premium in der Zukunft?“

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