Leichtbau-Gipfel 2021 Prinzip Vogelknochen und neue Verfahren: Das war der Start-up Campus

Redakteur: Nick Luhmann

Welche neue Technik Leichtbau-Gründer in die Industrie bringen wollen. Und welche Mittel durch das „Technologietransfer-Programm Leichtbau“ zur Verfügung stehen.

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Zugeschaltet: Leichtbau-Unternehmensgründer stellen ihre Technik vor.
Zugeschaltet: Leichtbau-Unternehmensgründer stellen ihre Technik vor.
(Bild: Svenja Gelowicz)

Als Vorbild dient dem Dortmunder Start-up Matrix Module ein Vogelknochen. Jörg Suthues, Geschäftsführer bei dem jungen Unternehmen, sagte am Mittwoch beim „Automobil Industrie Leichtbau-Gipfel“, das Versteifungsprinzip aus der Tierwelt habe das Unternehmen auf Blechstrukturen übertragen. Das zweiteilige Leichtbau-Blech-Sandwich sei belüftbar dank eines offenen Kerns, die Fügestellen beidseitig zugänglich, die Kernstruktur variabel. Es eigne sich für die Integration von Funktionen wie Leistungsführung oder Dämmung.

Das Bochumer Unternehmen Imprintec, das 2014 gegründet wurde, will wiederum die Härteprüfung in die Zukunft überführen. Standardverfahren, um mechanische Kennwerte zu bestimmen, seien aufwendig. Erst müssten Prüfer ein Stück Material heraustrennen, eine Probe formen, die wiederum zerrissen würde. Imprintec hat ein „minimalinvasives Verfahren“ entwickelt, das günstiger, flexibler, schneller und 3-D-Druck geeignet sei. Dieses Verfahren drücke in ein Bauteil („Eindruckverfahren“) und messe diesen Krater dann. Mit einer Simulation gleiche das Start-up dann ab, wie sich das Material theoretisch verhält – und vergleiche diese Werte dann wiederum mit dem realen Prüfeindruck.

Frank Manis vom Fraunhofer IGCV wünscht sich „mehr Offenheit für neue Materialien“ von der Industrie. Zu häufig komme direkt das Argument, sie seien zu teuer. Die Fraunhofer-Institute strebten über Programme wie beispielsweise „Exist“ Ausgründungen an. „Wir machen keine Grundlagenforschung, sondern wollen Ideen in die Industrie bringen“, so Manis.

Technologietransfer-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums

Unternehmen können auch über staatliche Programme Mittel für Leichtbau eintreiben. Werner Loscheider, Leiter des Referats „Bauwirtschaft, Ressourceneffizienz und Leichtbau beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) betonte, dass der Fokus beim Leichtbau nicht nur auf dem Betrieb von Fahrzeugen liegen dürfe. Auch die oft energieintensive Herstellung von Leichtbau-Materialien wie Carbonfasern müsse im Blick stehen. Dennoch: „100 Kilogramm weniger Gewicht reduzieren den Kraftstoffverbrauch eines Autos um etwa 0,5 Liter pro 100 Kilometer.“

Sein Ministerium hat daher unlängst das sogenannte Technologietransfer-Programm Leichtbau aufgelegt. Unternehmen können Fördermittel für beispielsweise Forschung und Entwicklung beantragen.In der Automobilindustrie hätten 30 Verbund- und ein Einzelvorhaben ein Fördervolumen von knapp 48 Millionen Euro erhalten. „Wir haben schnell viel PS auf die Straße gebracht“, sagte Loscheider.

Das Programm sei stark nachgefragt, es gebe mehr Anträge als der Fördertopf bedienen könne. „Wir könnten noch einen Schluck aus der Pulle vertragen“, sagte Loscheider mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen und die Verteilung der finanziellen Mittel.

Loscheider nannte als Beispiel drei Verbundprojekte, die sein Haus unterstützt:

  • „Coolbat“ – Klimafreundliche Gehäuse für Batteriesysteme
  • „Namikosmart“ – Mittelkonsole in Ultra-Leichtbauweise
  • „Brakethrough“ – Bremsbeläge mit minimaler Partikelemission

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