Neue Modelle Projekt Fahrspaß: Jaguar F-Type Project 7 getestet

Autor / Redakteur: SPX / Wolfgang Sievernich

Der Jaguar F-Type Project 7 kostet 155.000 Euro und wird in einer Auflage von nur 250 Stück gebaut – ist aber bereits ausverkauft. Was sich hinter dem Kürzel verbirgt und warum er der schnellste Jaguar aller Zeiten ist, haben wir getestet.

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Liebhaberstück: Für 155.000 Euro würde der Kunde ein auf 250 Exemplare limitiertes Sondermodell des F-Type erhalten - wenn er nicht schon ausverkauift wäre.
Liebhaberstück: Für 155.000 Euro würde der Kunde ein auf 250 Exemplare limitiertes Sondermodell des F-Type erhalten - wenn er nicht schon ausverkauift wäre.
(Foto: Jaguar)

Sportwagen hin oder her: Sieht man von den beengten Platzverhältnissen einmal ab, lässt es sich mit dem Jaguar F-Type ganz kommod reisen. Für manche scheinbar zu gemütlich, sonst würden die Briten mit dem Project 7 nicht noch eine radikale Fahrmaschine nachlegen. Dass es sich bei aufgemotzten Version des F-Type um ein Liebhaberstück handeln muss, deuten schon Preis und Stückzahl an: 155.000 Euro mussten für eine der 575-PS-Raubkatzen bezahlt werden, maximal 250 werden gebaut. Alle Project 7 waren bereits ausverkauft, ehe Jaguar überhaupt richtig mit der Entwicklung begonnen hat.

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Ziffer 7: Erinnerungen an glorreiche Zeiten

Die Ziffer 7 im Namen soll es andeuten, dieser F-Type hat einen hehren Anspruch. Erinnert die Zahl doch an Jaguars sieben Siege in Le Mans. So ist es auch kein Zufall, dass der Project 7 optische Anleihen am legendären Le-Mans-Rennwagen D-Type nimmt, der in den 50er Jahren allein drei Mal siegte: Die Windschutzscheibe wurde um fast zwölf Zentimeter gekürzt, die Seitenscheiben beschnitten und hinter dem Fahrersitz geht die Kopfstütze über in eine haifischflossenartige Hutze, die bis an den ausladenden Heckspoiler reicht; dazu kommen vorne ein neuer Stoßfänger mit Frontsplitter und innen natürlich Schalensitze, in denen sich Fahrer und Beifahrer auf Wunsch mit Fünf-Punkt-Gurten verzurren können.

Stoffmütze statt Dach

Ein elektrisches Verdeck sucht man vergebens: Wer gleichermaßen Fingerfertigkeit und Geduld mitbringt, kann immerhin ein kleines Stoffmützchen, Jaguar nennt es Bimini-Verdeck, montieren, das aber nur bis gut 190 Stundenkilometer zugelassen ist. Und die knackt der Project 7 locker: Tempo 300 gibt Jaguar als elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit an; von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde sprintet er in 3,9 Sekunden. Doch die Vmax spielt eigentlich nur eine Nebenrolle. Weitaus wichtiger war den Ingenieuren die Fahrdynamik, die sie dank umfangreicher Umbauarbeiten am Vorderwagen deutlich geschärft haben.

Rennstreckentauglich

So wurde dem F-Type das bisschen Behäbigkeit, das Coupé und Cabrio hin und wieder an den Tag legen endgültig ausgetrieben - ohne dabei ein reines Rennstreckenfahrzeug zu entwickeln, wie Projektleiter Duncan Smith mehrfach betont. Die Federn vorne wurden um achtzig Prozent gestrafft, die Lenksäule erheblich steifer ausgelegt und der negative Sturz der Vorderräder auf 1,5 Grad verdreifacht. Gleichzeitig haben die Techniker die Spreizung der adaptiven Dämpfer angepasst; sie gleichen auf Tastendruck die Verhärtungsmaßnahmen wieder aus und sorgen trotz aller Sportlichkeit für erstaunlich viel Komfort.

Schnellster Jaguar aller Zeiten

Wer Komfort sucht, wird allerdings nicht zum Project 7 greifen, darum schnell wieder den Sportmodus aktiviert und raus auf die kurvigen Landstraßen. Schon nach wenigen Metern wird uns klar: Wir sind auf der falschen Seite des Zauns. Denn während wir mit anständigem Landstraßentempo die sanften Hügel der Vulkaneifel erklimmen, liegt nur wenige Kilometer von uns das Mekka der Motorsportfans, der Nürburgring. Wie gerne würden wir den Jaguar über die Nordschleife jagen - wenngleich unsereins das wohl nicht mal ansatzweise in den 7 Minuten und 35 Sekunden schaffen würde, die der Project 7 ermöglicht. Damit ist er übrigens der schnellste bislang gebaute Jaguar.

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Doch auch außerhalb der Rennstrecke kann der F-Type-Speedster beweisen, was in ihm steckt. Mit jeder Biegung wagen wir uns näher an den Grenzbereich heran, und der scheint jedes Mal ein Stückchen weiter zurück zu weichen. Während sich der um 45 Kilogramm gegenüber dem F-Type R Cabrio erleichterte Sportler leichtfüßig und mit Verve in die Kurve wirft, krallen sich die Räder im Asphalt fest und lassen den Briten keinen Millimeter von der Ideallinie abweichen. Sind doch einmal kleine Korrekturen nötig, meistert sie die optimierte Lenkung bravourös; mit deutlich mehr Rückmeldung als bisher.

Motor mit 575 PS

Die gibt es übrigens auch vom Motor: Der auf 421 kW/575 PS gesteigerte Fünfliter-V8-Kompressor hat auch klanglich noch einmal zugelegt. Kernig schnurrend reagiert das direkt am Gas hängende Triebwerk auf Zehenspitzenbewegungen des rechten Fußes und vermag dank seiner nun 700 Newtonmeter Drehmoment (plus 20 Newtonmeter) und dem modifizierten Fahrwerk nun auch Kurven mit einem kecken Heckschwung zu verlassen. Auf der anschließenden Geraden entlocken hohe Drehzahlen dem Motor ein knatterndes Fauchen, das beim Verzögern in ein freches Frotzeln übergeht. Wem das zu viel ist, der kann auch im Dynamikmodus die vierflutige Abgasanlage etwas leiser drehen.

Auch wenn der F-Type regelmäßig die Physik auszutricksen scheint, hat auch er seine Grenzen. Dann hilft oft nur noch der beherzte Bremsschlag, und die Karbon-Keramik-Stopper mit 398-Millimeter-Scheiben vorne laufen zu Hochtouren auf; wenn es sein muss, bringen sie den 1.620 Kilogramm schweren Project 7 in Windeseile zum Stillstand. Das schafft übrigens auch der Tank: Wie schon bei den normalen F-Types fasst er nur 70 Liter. Die reichen bei einem versprochenen Normverbrauch von 10,9 Liter zwar für gut 640 Kilometer. In der Praxis wird man dem Tankwart aber deutlich öfter einen Besuch abstatten.

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