Suchen

Sachsenring Prozess überraschend beendet

| Redakteur: Bernd Otterbach

Plötzlich ging alles ganz schnell: Im langwierigen Prozess gegen zwei Ex-Vorstände der früheren Sachsenring Automobiltechnik AG haben sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung überraschend auf einen Deal geeinigt.

Firmen zum Thema

Daraufhin verurteilte das Landgericht Chemnitz am Montag Ulf und Ernst Wilhelm Rittinghaus wegen Untreue und Bilanzfälschung zu vier beziehungsweise drei Jahren Haft. Das sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag und bestätigte entsprechende Medienberichte. Kurz zuvor hatten die Brüder ein Geständnis abgelegt, nachdem sie die Vorwürfe immer bestritten hatten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Manipulationen schon in den 90ern

Die Verurteilten hatten erst im Mai 2002 einen Insolvenzantrag für ihr Unternehmen gestellt. Nach Ansicht des Gerichts war Sachsenring aber bereits seit März 2000 nicht mehr zahlungsfähig. Ein ehemaliger Sachsenring-Buchhalter hatte in dem Prozess ausgesagt, die Bilanzen des Unternehmens seien schon in den 1990er Jahren immer wieder manipuliert worden. Die Rittinghaus-Brüder hatten den ehemaligen Trabant-Hersteller Sachsenring 1993 als Automobilzulieferer neu gegründet.

Ins Gefängnis müssen Ulf und Ernst Wilhelm Rittinghaus aber aller Voraussicht nach nicht. Wegen der langen Verfahrensdauer von rund sechs Jahren gilt die Hälfte der Haftstrafen bereits als verbüßt, der Rest kann auf Antrag zur Bewährung ausgesetzt werden. In diesem Fall wollen die Brüder eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro beziehungsweise 15.000 Euro an den Insolvenzverwalter der Sachsenring AG zahlen.

Darlehen wieder eingetrieben

Ihnen war Untreue in 86 Fällen vorgeworfen worden. Diese bezogen sich zumeist auf ein Darlehen von rund 7,5 Millionen Euro, das die beiden Manager dem angeschlagenen Unternehmen im Dezember 1999 gewährt hatten. Später trieben sie in etlichen Schritten einen Großteil der Summe wieder ein, obwohl Sachsenring eigentlich schon zahlungsunfähig war. Zudem fälschten sie den Jahresabschluss mit Scheinrechnungen.

Der Prozess war im November vergangenen Jahres neu angesetzt worden. Zuvor war im Oktober das Verfahren gegen das dritte mitangeklagte ehemalige Vorstandsmitglied, Jürgen Rabe, aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt und gegen Zahlung von 1.000 Euro eingestellt worden. Diese Zahlung bedeute jedoch kein Schuldeingeständnis, hatte die Verteidigung angemerkt. Die Finanzen des Unternehmens hätten nicht zu Rabes Aufgaben gehört.

dpa

(ID:292108)