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Wirtschaft PSA Group kauft Opel

| Autor / Redakteur: dpa / Thomas Günnel

PSA Peugeot Citroën kauft den deutschen Automobilhersteller Opel. Der französische Fahrzeughersteller hat sich mit General Motors auf die Übernahme verständigt.

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Die französische PSA Group kauft den deutschen Automobilhersteller Opel.
Die französische PSA Group kauft den deutschen Automobilhersteller Opel.
(Bild: Opel)

Der französische Autokonzern PSA hat sich mit General Motors (GM) auf die Übernahme des Herstellers Opel verständigt. Der Kaufpreis allein für die Marken Opel und Vauxhall der GM-Europasparte liegt bei 1,3 Milliarden Euro, wie die Unternehmen am Montag (6. März) in Paris mitteilten. Die Übernahme soll bis zum Ende dieses Jahres unter Dach und Fach sein. Kurzfristig gibt es noch Jobgarantien für Opel – aber die spätere Zukunft ist ungewiss. PSA will nach dem vereinbarten Kauf von Opel einen tiefgreifenden Sanierungskurs bei dem verlustreichen deutschen Hersteller durchziehen. Ein Drei-Jahres-Plan solle Opel bis 2020 wieder profitabel machen, sagte PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon am Montag in Paris. „Das gibt uns die Gelegenheit, ein echter europäischer Auto-Champion zu werden“, meinte PSA-Chef Carlos Tavares zu dem offiziell vorgestellten Übernahmeplan. Auf dem europäischen Markt wird der französische Konzern mit seinen bisherigen Marken Peugeot, Citroën und DS durch den Opel-Kauf zur Nummer zwei hinter der VW-Gruppe. Das Geschäft unterliege noch Bedingungen und Behördengenehmigungen und soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.

Jobabbau befürchtet

Tavares machte deutlich, dass er Opel nach Jahren roter Zahlen auf Effizienz trimmen will. Bis zum Jahr 2020 soll die bisherige General-Motors-Tochter wieder profitabel sein. Einen Drei-Jahres-Plan soll es dafür geben, bei dem das Opel-Management in der Pflicht ist. Tavares verdeutlicht, dass gemachte Vereinbarungen mit den Gewerkschaften eingehalten würden. Aber was kommt danach? Dazu fehlen noch klare Antworten. Die Zukunft solle gemeinsam gestaltet werden, erklärt Tavares – die Verantwortlichkeit von allen Beteiligten sei dabei gefragt. Der Autoboss aus Paris, der lange bei Renault arbeitete, lobt mehrfach Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Das Signal nach Rüsselsheim: Neumann soll bei Opel an Bord bleiben.

Der PSA-Chef bekräftigte seine Vorstellung, dass der Sanierungsplan von Opel selbst kommen müsse. Er sei zuversichtlich, dass die Kehrtwende mit Unterstützung von PSA beschleunigt wird. „Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist.“ Die rund 19.000 deutschen Opel-Beschäftigten sind noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. In Paris versucht der gebürtige Portugiese Tavares, Bedenken zu zerstreuen. Seit er vor drei Jahren bei dem französischen Automobilhersteller das Ruder übernommen habe, sei kein Werk auf der Strecke geblieben: „Eine Fabrik zu schließen, ist eher eine allzu simple Lösung“, sagt der 58-Jährige, der den Konzern mit den Marken Peugeot, Citroën und DS mit harter Hand wieder in die Gewinnspur führte. Die Pläne seien auch nicht auf Stellenstreichungen gebaut: „Wir geben den Menschen eine Chance.“

Übergangslösung für GM-Patente

Der Manager sieht ein hohes Einsparpotenzial, er will bis 2026 Synergieeffekte von 1,7 Milliarden Euro jährlich erzielen. So sollen die Fahrzeuge künftig auf gemeinsamen Plattformen entstehen. Als Beispiele nannte er auch Mengeneffekte im Einkauf und eine effizientere Produktion. Tavares hatte zuvor betont, Opel als deutsche Marke erhalten zu wollen. Beim kniffligen Problem der in Opel-Fahrzeugen genutzten GM-Patente gibt es eine Übergangslösung. „Opel/Vauxhall wird auch weiterhin von den Urheberrechtslizenzen von GM profitieren, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden“, hieß es.

Opel hat derzeit gut 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern. Die GM-Europasparte schreibt seit langem rote Zahlen, im vergangenen Jahr stand sie operativ mit 257 Millionen Dollar (241 Mio. Euro) in den Miesen. PSA dagegen fuhr einen Betriebsgewinn von 2,6 Milliarden Euro ein. Die Franzosen waren zuvor selbst mit einer harten Sanierung und Jobabbau in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Weltweit wäre PSA zusammen mit Opel und Vauxhall 2016 auf rund 4,1 Millionen verkaufte Autos und leichte Nutzfahrzeuge gekommen. Gemeinsam kamen die Unternehmen auf über 70 Milliarden Euro Umsatz.

Erste gemeinsame Modelle

Wohin die Reise im neuen Konzern gehen wird, ist schon an aktuellen Modellen zu sehen, die aus einer im Jahr 2012 gestarteten Kooperation zwischen GM und PSA entstanden. In weiten Teilen baugleich rollen gerade der Opel Crossland X, der Citroën C3 Picasso und der Peugeot 2008 auf die Straßen– allesamt im Opel-Werk Saragossa gefertigt. „Alles, was man sehen und berühren kann, stammt von Opel“, sagt Crossland-Chefingenieur Olaf Kaden. Das Übrige kommt weitgehend aus dem PSA-Baukasten und einer Plattform der Franzosen. Gemeinsame Plattformen soll es künftig mehr geben, lautet eine der Ansagen. Zwei andere Gemeinschaftsautos entstehen bereits in den PSA-Werken am Stammsitz Sochaux und im nordspanischen Vigo.

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Zweitgrößter Automobilhersteller Europas

PSA kauft laut der Vereinbarung das gesamte europäische Autogeschäft von GM mit Opel und der Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien. Zudem übernehmen die Franzosen in einem Joint Venture mit der Großbank BNP Paribas die zugehörige Finanzierungsbank GM Financial. Dafür fließen nochmals 900 Millionen Euro. Insgesamt ist der Deal für GM 2,2 Milliarden Euro wert, wovon PSA 1,8 Milliarden Euro zahlt. GM behält einen großen Teil der bestehenden Pensionsverpflichtungen in seiner Bilanz und zahlt noch dazu drei Milliarden Euro an PSA, um die restlichen Verpflichtungen komplett zu finanzieren. Ein Teil des Kaufpreises wird mit Optionsscheinen auf PSA-Aktien im Wert von 0,65 Milliarden Euro bezahlt.

Durch die Übernahme entsteht der – gemessen am Absatz 2016 – zweitgrößte Automobilhersteller Europas nach der Volkswagen-Gruppe. PSA kommt mit Opel/Vauxhall in den 28 EU-Staaten auf mehr als 2.425.000 verkaufte Autos. Das entspricht einem Marktanteil von 16,6 Prozent. Das errechneten Branchenexperten am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Für Marktführer Volkswagen hatte der europäische Autoverband Acea 2016 einen Anteil von 23,9 Prozent ermittelt. Weltweit ist PSA kein vergleichbares Schwergewicht, verbessert seine Position im globalen Ranking der Autohersteller nun aber leicht. Zusammengenommen wären beide Anbieter im vergangenen Jahr auf einen Gesamtabsatz von knapp 4.126.000 Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gekommen. Der Weltmarkt-Anteil von 5,3 Prozent bedeutet aus Sicht von PSA – allein bisher auf Platz 10 – ein Aufrücken auf Platz 9 (mit Opel) in der Liste der absatzstärksten Automobilhersteller.

Für den Opel-Mutterkonzern General Motors ändert sich so nichts, er bleibt hinter VW und Toyota auch ohne die fast 980.000 verkauften Opel- und Vauxhall-Modelle auf Rang 3. Rechnet man die Zahlen von Renault, Nissan und Mitsubishi zusammen – sie haben eine enge Allianz und erreichen so Platz 3 –, rutscht GM ohne Opel einen Rang abwärts. Die unterschiedliche Stellung des PSA-Konzerns in Europa und in aller Welt ist etwa im Vergleich zu Volkswagen leicht zu erklären. Während PSA mit den Marken Peugeot, Citroën, DS und Opel/Vauxhall vor allem als Massenhersteller kleiner und mittelgroßer Autos in Europa stark ist, sind beim VW-Konzern auch Übersee-Märkte wie China und die USA für die Luxusmodelle von Audi oder Porsche wichtig.

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