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Wirtschaft Quartalszahlen: Continental schreibt Milliardenverlust

| Autor/ Redakteur: dpa / Maximiliane Reichhardt

Continental verbuchte im dritten Quartal einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro. Mit seinem kürzlich gestarteten Umbauprogramm „Transformation 2019-2029“ will der Automobilzulieferer seine Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

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Continental will seine Wettbewerbsfähigkeit jetzt dauerhaft erhöhen.
Continental will seine Wettbewerbsfähigkeit jetzt dauerhaft erhöhen.
(Bild: Continental)

Milliardenverlust in den Büchern, sinkender Gewinn im laufenden Geschäft: Der zweitgrößte Automobilzulieferer Continental steht vor seinem grundlegenden Konzernumbau erheblich unter Druck. Weil die Hannoveraner eine hohe Abschreibung verkraften müssen und zugleich die Autokonjunktur in vielen Ländern lahmt, beendeten sie das dritte Quartal tief in den roten Zahlen. Dabei dürfte auch die beschlossene Neuausrichtung hin zu mehr Elektronik und der damit einhergehende Stellenabbau in den kommenden Jahren noch teuer werden. Unterm Strich stand bei Conti von Juli bis September ein Minus von fast zwei Milliarden Euro.

Schwierige Zukunft für Continental

Wie das Unternehmen am Dienstag (12. November) in Hannover mitteilte, lag dies zum Großteil am „Einmaleffekt“ verringerter Firmenwerte aus früheren Übernahmen sowie Kosten für das Umbauprogramm. Diese Faktoren waren bereits vor einigen Wochen bekanntgeworden. Aber auch im laufenden Geschäft sank das bereinigte operative Ergebnis zuletzt deutlich um ein Fünftel auf noch knapp 615 Millionen Euro. Die Aktie fiel am Dienstag (12. November) um rund 1,3 Prozent im Minus bei 129,54 Euro. Bereits vor drei Wochen hatte der Konzern mit dem Bekanntwerden der milliardenschweren Abschreibungen die Eckdaten zum dritten Quartal vorgelegt. In jüngster Zeit hatte die Aktie sich nach einer längeren Talfahrt wieder gefangen, Mitte August hatte sie ihr Jahrestief bei 103,62 Euro markiert. Das Rekordhoch von 257,40 Euro aus dem Januar 2018 ist ohnehin in weite Ferne gerückt. In diesem Jahr liegt das Conti-Papier zwar mit gut sieben Prozent im Plus, hinkt damit aber dem Anstieg des europäischen Autohersteller- und Zuliefererindex von knapp einem Viertel hinterher.

Wir rechnen nicht damit, dass sich die weltweite Produktion in den kommenden fünf Jahren wesentlich beleben wird.

Finanzvorstand Wolfgang Schäfer

Goldman-Sachs-Expertin Gungun Verma hält das Jahresziel des Konzerns für den Finanzmittelzufluss nun angesichts der Umstände für „ambitioniert“. Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer zeigte sich im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur Deutsche Presse-Agentur-AFX aber zuversichtlich, dass der Konzern im für gewöhnlich starken vierten Quartal noch die Ziellinie erreicht. Conti-Chef Elmar Degenhart sprach angesichts der schwierigen Lage der Autoindustrie von einer vergleichsweise soliden Entwicklung – „trotz des weiterhin rückläufigen Marktumfeldes“. Die Anzeichen deuten allerdings auf eine schwierige Zukunft hin: „In den kommenden fünf Jahren rechnen wir ähnlich wie andere Marktteilnehmer nicht damit, dass sich die weltweite Produktion wesentlich beleben wird“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Im dritten Jahresviertel 2019 nahm sie bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um drei Prozent ab, auf das Gesamtjahr gesehen dürften es minus sechs Prozent sein.

Schäfer: „In Europa sehen wir keinen großen Impuls für stärkeres Wachstum„

„In Europa sehen wir keinen großen Impuls für stärkeres Wachstum“, sagte Schäfer. Vom riesigen chinesischen Markt könne man wohl auch nur Rückenwind erwarten, falls sich die Handelsstreitigkeiten mit den USA deutlich entspannen. Der Reifenhersteller aus Niedersachsen konnte seinen Umsatz zuletzt zwar insgesamt leicht um drei Prozent auf 11,1 Milliarden Euro steigern – aber nur, wenn man den Effekt von Zukäufen und Wechselkursveränderungen mit einrechnet. Aus eigener Kraft gingen Contis Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent zurück. „Die aktuelle Situation verlangt von uns, unsere Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu erhöhen“, betonte Degenhart. Das kürzlich gestartete Programm „Transformation 2019-2029“ baut den Konzern um – weg von Hydraulik und Verbrenner-Technik, hin zu mehr Elektronik, Software und Komponenten für die Elektromobilität. Die Mitarbeiter sollen qualifiziert werden, es dürfte aber auch Stellenstreichungen geben

Degenhart: Kündigungen sind nicht auszuschließen

Bis 2023 könnte die Neuausrichtung im Unternehmen 15.000 Arbeitsplätze betreffen, 5.000 davon in Deutschland. Degenhart hatte gesagt, dass Kündigungen nicht auszuschließen seien – jedoch nur als „allerletztes Mittel“. Zugleich entstehen neue Jobs. Ende September beschäftigte Continental in aller Welt mehr als 242.000 Menschen. Zu den laufenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmern sagte Schäfer: „Die Gespräche finden standortbezogen statt, um für Mitarbeiter möglichst gute Lösungen zu finden.“ Man nehme an, solche Lösungen an vielen Standorten schon bald vorstellen zu können: „Aber der eine oder andere Standort kann sich auch ins nächste Jahr ziehen.“

Dadurch, dass Conti frühzeitig etwa bei Sensorik und E-Antrieben ein breites Geschäft aufbaute, kann der Konzern den Wandel bisher relativ gut abfedern. „Betrachtet man unsere rein operative Leistung, haben wir uns im dritten Quartal vernünftig entwickelt“, meinte Schäfer. So hat Vitesco – die künftig abgespaltene Antriebssparte – im Oktober einen Großauftrag des Opel-Dachkonzerns PSA sowie von Hyundai für E-Antriebe erhalten. Hier gebe es „unverändert starkes Umsatzwachstum“, im dritten Quartal hätten die Erlöse 64 Millionen Euro betragen, sagte Schäfer. „Wir sehen jetzt, dass die Kunden diese Produkte abrufen, worauf wir ja etwas länger gewartet haben.“

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