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Kältemittel R1234yf: KBA-Test wirft Fragen auf

| Redakteur: Steffen Dominsky

Statt Klarheit im Kältemittelstreit zu schaffen, zieht das Kraftfahrt-Bundesamt unterschiedliche Schlüsse. Sowohl der Autobauer Daimler als auch der Kältemittelhersteller Honeywell fühlen sich nun in ihren Ansichten bestätigt.

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Die Tests des KBA zum Kältemittel R1234yf werfen viele Fragen auf – beide Hauptvertreter des Streits fühlen sich bestätigt.
Die Tests des KBA zum Kältemittel R1234yf werfen viele Fragen auf – beide Hauptvertreter des Streits fühlen sich bestätigt.
(Foto: Daimler)

Eigentlich sollten sie Antworten geben. Stattdessen werfen die Crashversuche des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zur möglichen Gefährlichkeit von R1234yf neue Fragen auf. In einem Vorabbericht seiner sogenannten Risikobewertung kommt die Behörde zu unterschiedlichen Schlüssen. Somit fühlen sich beide Hauptvertreter des seit Monaten schwelenden Konflikts in ihren Positionen bestätigt.

„Nach Vorliegen der aktuellen Testergebnisse lässt sich ein Sicherheitsrisiko durch den Einsatz von R1234yf nicht ausschließen“, erklärt der Automobilhersteller Daimler, der sich nach wie vor weigert, das neue Kältemittel einzusetzen. Der Kältemittelproduzent Honeywell dagegen interpretiert: „Die Tests des KBA zeigen erneut, dass die Nutzung von R1234yf kein zusätzliches Risiko bedeutet, weshalb die Behörde keine Maßnahmen im Sinne des Produktsicherheitsgesetzes ergreifen wird.“

Der Hintergrund: Das KBA hatte verschiedene Szenarien durchgespielt. Im Rahmen eines ersten Tests – er sollte ein mögliches R1234yf-Risiko allein nach den Vorgaben des Produktsicherheitsgesetzes bewerten – kamen die Verantwortlichen zu dem Ergebnis, dass von dem neuen Kältemittel keine ernste Gefahr ausgehe.

So lange getestet, bis es brennt?

Zusätzlich haben die Verantwortlichen weitere Versuchsabläufe auf Basis theoretischer Unfallszenarien erstellt – unter verschäften Bedingungen: Ihnen lag unter anderem eine höhere Crashgeschwindigkeit zugrunde. Außerdem wurden Aspekte wie die Alterung der Klimaleitungen berücksichtigt. Hierbei bildete sich dem Bericht zufolge in zwei Fällen Fluorwasserstoff, einmal kam es zu einem Brand.

Die Behörde hatte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz, Opel, Hyundai und Subaru unter die Lupe genommen. Welches Fahrzeugmodell bei dem verschäften Test in Brand geriet, wollte das KBA auf Nachfrage des Automobil-Industrie-Schwestermagazins »kfz-bbetrieb« nicht mitteilen. Auch die Autohersteller hüllen sich in Schweigen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Mercedes B-Klasse das Modell war, bei dem es zum Feuer kam. Andernfalls stände das KBA-Ergebnis in krassem Gegensatz zu Daimlers eigenen „Real-Life“-Tests, bei denen der Autobauer eine reproduzierbare Entflammung mehrfach festgestellt haben will.

Auf jeden Fall lässt sich aus den Testszenarien schließen, dass es konstruktive Aspekte sind, die dazu führen, ob R1234yf in Fahrzeugen eine Gefährdung verursachen kann oder nicht. Die Position, der Schutz und die Auslegung von Klimaanlagenleitungen beziehungsweise das gesamte Motorraum-Layout können hierbei ausschlaggebend sein.

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