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Automobilzulieferer Razzien wegen Preisabsprachen

| Autor / Redakteur: dpa / Bernd Otterbach

Wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen hat es Razzien bei Automobilzulieferern in Europa und den USA gegeben. Auch Unternehmen in Deutschland waren betroffen, darunter die Leoni-Gruppe in Nürnberg. Wie die EU-Kommission am Donnerstag mitteilte, durchsuchten Fahnder in einigen EU-Ländern die Büros von mehreren Bordelektronik-Herstellern.

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In den USA bestätigte das US-Justizministerium der „Financial Times“ zufolge Ermittlungen in der Zulieferindustrie wegen vermuteter Preisabsprachen. Aus der Branche war zu hören, dass diese wohl in erster Linie zulasten von Toyota und Honda gegangen seien.

Preisabsprachen bei Kabelbäumen

Die EU-Kommission hat den Verdacht, dass die Firmen die Preise für Kabelbäume - das Herzstück eines jeden Autos, das den Bordcomputer mit seinen Komponenten verbindet - abgesprochen haben. Die Behörde nannte keine Namen. Leoni-Unternehmenssprecher Sven Schmidt sagte am Donnerstag: „In diesem Zusammenhang finden auch bei uns in der Leoni-Gruppe Ermittlungen statt.“ Bosch erklärte in Stuttgart, das Unternehmen sei nicht betroffen.

Nach Brancheninformation sollen Räume der Systems Technologies Europe in Regensburg durchsucht worden sein - ein Joint-Venture zwischen Conti und dem japanischen Zulieferer Yasaki. Den Anteil hatte der Conti-Konzern beim Kauf von Siemens VDO übernommen. Das Unternehmen war nicht zu erreichen.

Denso in den USA betroffen

Toyota bestätigte am Mittwochabend, dass die Behörden gegen Geschäftspartner des Herstellers in den USA vorgegangen seien. Der Konzern habe aber nur „beschränkte Informationen“ über den Vorfall, weil das Unternehmen selbst nicht kontaktiert worden sei. Nach Berichten von US-Medien hat die Durchsuchung nichts mit der Rückruf-Welle bei Toyota zu tun. Eine Sprecherin des Zulieferers Denso bestätigte Ermittlungen wegen des Verdachts von Kartellvergehen.

Leoni berichtete, es habe Durchsuchungen an zwei Standorten des Bereichs Bordnetzsysteme gegeben. Zu Details wollte sich der Sprecher nicht äußern. „Wir kooperieren voll umfänglich mit den Kommissionsvertretern. Auch uns ist daran gelegen, den Sachverhalt aufzuklären“, erläuterte Schmidt. Wann die Durchsuchungen genau stattgefunden haben und an welchen Standorten des weltweit tätigen Unternehmens war nicht zu erfahren.

Kein Belg für Schuld

Im Bereich Bordnetzsysteme beschäftigt Leoni nach eigenen Angaben etwa 43.000 Menschen. Insgesamt sind in 36 Ländern für den Anbieter von Drähten, optischen Fasern und Kabelsystemen rund 48.000 Menschen tätig. In Europa belegt Leoni unter den Herstellern nach eigenen Angaben im Bereich Bordnetzsysteme den ersten, weltweit den vierten Rang.

Die EU-Kommission wacht über den Wettbewerb in Europa und hat das Recht, gegen Kartelle hohe Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens zu verhängen. Preisabsprachen zum Schaden von Konkurrenten oder Verbrauchern sind in der EU verboten. Allerdings betonte die Kommission, dass bisher nur ein Anfangsverdacht vorliege und Durchsuchungen noch kein Beleg für die Schuld der Automobilzulieferer seien.

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