Suchen

Conti Rekorde und Frust

| Redakteur:

Während die Überschüsse bei dem Zulieferer steigen, wächst gleichzeitig der Unmut bei den Beschäftigten über das strikte Kostenmanagement.

Firmen zum Thema

( Archiv: Vogel Business Media )

Conti eilt von Rekord zu Rekord. Die Überschüsse sprudeln nur so in die Kasse des Autozulieferers: Bereits nach neun Monaten hat Continental so viel Geld verdient wie im gesamten, bisherigen Bestjahr 2004. Konzernchef Manfred Wennemer betreibt ein striktes Kostenmanagement und trimmt das Traditionsunternehmen auf Rendite. Vor allem auch bei der Verlagerung von Produktion in Billiglohnländer zählt Conti zu den Vorreitern nicht nur in der Autoindustrie. An der Börse kommt das gut an - für viele Gewerkschafter, Betriebsräte und Beschäftigte aber ist Wennemer ein rotes Tuch.

Immer neue Forderungen nach Zugeständnissen der Belegschaft - etwa längere Wochenarbeitszeiten ohne vollen Lohnausgleich oder der Verzicht auf Tariferhöhungen - sorgten für ständigen Druck, Verunsicherung und Frust, kritisieren Arbeitnehmervertreter. "Conti will seine Ergebnisse weiter verbessern, aber zu Lasten der Beschäftigten", schimpfte der hannoversche Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE, Ernst-Dieter Weniger, am Mittwoch.

Conti sei im Vergleich zu anderen Unternehmen beim Kostensparen besonders strikt und konsequent. Alleine die Kosten seien entscheidend, lautet die Maxime Wennemers. Die Lohnkosten in Deutschland seien ganz einfach zu hoch. Bereits seit Jahren fährt Wennemer seinen Kurs - inklusive Schließung von Produktionsstandorten.

Aktuell ins Visier geraten ist die Pkw-Reifenproduktion am Stammsitz Hannover. Die Zukunft des Standorts Stöcken ist angesichts von Überkapazitäten bei Reifen in Europa höchst ungewiss, aus Kostengründen denkt die Conti-Führung über eine Schließung nach. Damit würden rund 400 Arbeitsplätzen wegfallen.

Stöcken habe unter den Pkw-Reifenstandorten von Conti in Europa die höchsten Kosten, sagt Finanzchef Alan Hippe. "Wir nehmen jedes Schicksal ernst, wir sind aber auch für ein globales Geschäft verantwortlich." Der Konzern, der weltweit rund 82.000 Menschen beschäftigt, befinde sich in einem harten, weltweiten Preiswettbewerb, dazu schwächten sich die Märkte derzeit ab.

Und: Zu bedenken sei, dass Stöcken kein wichtiges Werk mehr sei, sagt Hippe. Dort würden jährlich 1,5 Millionen Reifen produziert, bei einer weltweiten Konzernfertigung von mehr als 100 Millionen. Der Betriebsrat des Pkw-Reifenwerks in Stöcken hält dagegen. Bei der Kostenstruktur könne Stöcken durchaus mit anderen Standorten mithalten, sagt der Betriebsratschef in Hannover-Stöcken, Wilfried Hilverkus.

Erst vor einem halben Jahr hatten Belegschaft und Management Kostensenkungen vereinbart. So hatten die Beschäftigten einer 40-Stunden-Woche sowie demVerzicht auf die diesjährige Tariferhöhung zugestimmt. "Die Motivation ist nicht sonderlich gut", beschreibt Hilverkus die aktuelle Stimmung.