Suchen

Wirtschaft Renault feuert seinen Generaldirektor Bolloré

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Paukenschlag bei Renault: Der Konzern-Vize Bolloré muss sofort seinen Stuhl räumen. Schon unter dem damaligen Topmanager Carlos Ghosn hatte er viel Macht. Handelt es sich um einen Putsch?

Firmen zum Thema

Renault-Generaldirektor Thierry Bolloré muss gehen.
Renault-Generaldirektor Thierry Bolloré muss gehen.
(Bild: Renault)

Der französische Autohersteller Renault sucht den Weg aus der Krise und hat seinen Generaldirektor Thierry Bolloré (56) mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Interims-Nachfolgerin werde die Finanzchefin des Herstellers, Clotilde Delbos, teilte Renault am Freitag (11. Oktober) in Boulogne-Billancourt nach einer Verwaltungsratssitzung mit. Bolloré war bei Renault für das operative Geschäft verantwortlich. Der Topmanager war schon unter dem damaligen Konzernchef Carlos Ghosn die Nummer zwei bei dem Hersteller gewesen und galt als Kronprinz. Ghosn war im Januar zurückgetreten. Präsident des Konzerns bleibt weiter Jean-Dominique Senard, wie die Gruppe mitteilte. In der Übergangsphase wolle man einen neuen Generaldirektor suchen.

„Es gibt Augenblicke, in denen es nützlich ist für ein Unternehmen, frischen Wind zu bekommen“, sagte Senard bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Es gehe vor allem darum, das Bündnis mit den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi zu beleben, das von Ghosn geschaffen und mit harter Hand geführt worden war.

Bolloré hatte nach eigenen Angaben aus der Presse erfahren, dass Renault-Präsident Jean-Dominique Senard seinen Rückzug wünsche. In einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ sagte er, es handle sich um einen „beunruhigenden Putsch“. Renault hatte zuvor kurzfristig ein Treffen des Verwaltungsrats für Freitagvormittag (11. Oktober) angesetzt.

Bolloré: „Brutalität ist erschütternd“

Bolloré sagte weiter, dass zwischen ihn und Senard eigentlich kein Blatt Papier passen würde und er immer loyal gewesen sei. „Die Brutalität und die völlig unerwartete Natur des Geschehens sind erschütternd“, sagte er. Das Management von Renault habe bewiesen, dass das Unternehmen einen heftigen Sturm überstehen könne. Er sehe im operativen Bereich keine Fehler.

Das nächste Treffen des Top-Managements von Renault war eigentlich erst für den 18. Oktober geplant. Am Mittwoch (9. Oktober) hatte sich der französische Staat demonstrativ hinter Senard gestellt. Es werde ihm vertraut, die richtigen Entscheidungen zur Führung des Konzerns zu treffen, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire nach Angaben seines Ministeriums. Der Staat hat bei Renault eine wichtige Rolle, da er 15 Prozent der Anteile hält.

Schwierige Zeiten für Renault

Nach der Verhaftung Ghosns in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden.

Senard, früherer Chef des Reifenherstellers Michelin, war bei Renault zur Hilfe gerufen worden, um das Unternehmen nach dem Rückzug von Ghosn zu führen. Renault hat im ersten Halbjahr auch wegen der Schwierigkeiten seines japanischen Partners Nissan einen herben Gewinneinbruch erlitten.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46178320)