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Motor Renault schrumpft den Diesel

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Downsizing liegt auch beim Diesel im Trend: Mit einem neu entwickelten, sparsamen 1,6-Liter-Motor ersetzt Renault den bekannten 1,9-Liter. Dabei haben die Franzosen mit einer Tradition gebrochen: Der Energy DCI 130 ist einer der ersten kurzhubigen Diesel auf dem Markt.

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Ein Hubraum von rund 1,6 Litern kristallisiert sich immer mehr als Idealmaß für die Kompaktklasse heraus und löst die bislang dominierenden Zweilitermaschinen ab. Fiat, Peugeot/Citroën, Ford, Opel, Hyundai/Kia und VW sind bislang die wichtigsten Unternehmen, die auf diese Größe setzen – nun kommt mit Renault ein weiterer großer Dieselmotorenproduzent hinzu.

Mit einer Leistung von 96 kW/130 PS löst der „Energy DCI 130“ zunächst im Scénic und im Grand Scénic den leistungsgleichen 1,9-Liter ab. Im Durchschnitt nach NEFZ sollen die beiden Kompaktvans nur 4,4 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern verbrauchen und damit mehr als einen Liter sparsamer sein als das alte Aggregat. Die CO2-Emission liegt laut Renault bei 115 Gramm pro Kilometer. Das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern soll trotz dieser Sparsamkeit spritzige Fahrleistungen ermöglichen.

Ein kurzhubiger Diesel

Laut Renault konnten die Entwickler mit der Konstruktion des neuen Motors auf einem weißen Blatt Papier beginnen. Dabei gingen auch einige Traditionen über Bord, die die Selbstzündersparte bis heute prägen.

So ist der Energy DCI 130 einer der ersten kurzhubigen Diesel auf dem Markt – wenn auch nur ganz leicht (80 Millimeter Bohrung und 79,5 Millimeter Hub). Das verringert die Reibung und ermöglicht größere Ventilquerschnitte. Die im Vergleich zu Langhubern ungünstigere Brennraumform hat Renault dafür in Kauf genommen.

Weitere Merkmale des neuen Motors sind die geringere Verdichtung (15,4:1), die ebenfalls beim Sparen hilft, weil sie die Pumpverluste senkt, sowie der verringerte maximale Einspritzdruck von 1.600 statt 1.800 bar, der kleiner dimensionierte Komponenten ermöglicht.

Mit Technik aus der Formel 1

Unternehmen, die in der Formel 1 aktiv sind, rechtfertigen die immensen Kosten gern mit den wertvollen Erkenntnissen, die aus der Rennmotorenentwicklung für die Serie abfallen. Meistens bleiben sie konkrete Beweise allerdings schuldig. Renault will sich das nun nicht länger nachsagen lassen und nennt als Beispiel die reibungsarmen Ölabstreifringe des neuen Diesels. Sie besitzen die Uflex-Technik, die seit mehr als zehn Jahren in der Formel 1 verwendet wird. Ihre U-förmige Geometrie ist sehr flexibel und ermöglicht es dem Ring, sich den minimalen Verformungen der Bohrung anzupassen, die sich durch Temperatur und Druck ergeben. Damit sollen sie die Reibung vermindern, ohne ihre Aufgabe zu vernachlässigen, das Öl von der Zylinderwand abzustreifen.

Neue Niederdruck-Abgasrückführung

Rund drei Prozent weniger CO2-Ausstoß bringt laut Renault die gekühlte Niederdruck-Abgasrückführung. Das Abgas wird erst hinter dem Partikelfilter entnommen, gekühlt und vor dem Turbolader in das Ansaugsystem des Motors geleitet. Im Anschluss passiert das Abgas zusammen mit der angesaugten Luft den Verdichter und gelangt über den Ladeluftkühler erneut in die Brennräume.

Vorteil des Systems ist die höhere Abgasrückführrate. Zugleich sinkt die Brennraumtemperatur, weswegen der Motor mit einem höheren Ladedruck arbeiten kann. Ergebnis ist eine effizientere Verbrennung und damit ein geringerer Verbrauch. Auch der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) geht zurück.

Neben dem niedrigen Verbrauch sorgen die langen Inspektionsintervalle von 30.000 Kilometern für niedrige Betriebskosten. Allerdings kann das Oil Control System des Scénic je nach Fahrweise zu einem vorgezogenen Ölwechsel auffordern. Für Gebrauchtkunden positiv: Das Triebwerk verfügt über eine wartungsfreie Steuerkette.

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