Ukraine-Krieg Renault setzt Aktivitäten in Russland aus

Von Jens Rehberg

Kein westlicher Autohersteller ist in Russland so engagiert wie Renault. Nach einer drastischen Erklärung des ukrainischen Präsidenten hat der Hersteller jetzt die Reißleine gezogen.

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Eine Karosserieschweißerei im russischen Renault-Werk, in der die Modelle Logan, Sandero, Arkana und Duster hergestellt werden.
Eine Karosserieschweißerei im russischen Renault-Werk, in der die Modelle Logan, Sandero, Arkana und Duster hergestellt werden.
(Bild: Picture Alliance/dpa/TASS | Stanislav Krasilnikov)

Der französische Autobauer Renault setzt seine Industrieaktivitäten in Russland wegen des Krieges in der Ukraine komplett aus. Zuvor hatte Ukraines Außenminister Dmytro Kuleba zum weltweiten Boykott von Renault aufgerufen. Der Präsident des Landes, Wolodymyr Selenskyj, hatte dem Unterhaus des französischen Parlaments am Mittwoch (23. März) per Video-Schalte gesagt: „Renault, Auchan und Leroy Merlin müssen aufhören, Sponsoren der russischen Kriegsmaschinerie zu sein, aufhören, die Ermordung von Kindern und Frauen, von Vergewaltigungen, zu finanzieren.“

Renault teilte am Mittwochabend in Boulogne-Billancourt mit, dass als Folge des Stopps die Prognose für die operative Marge der Gruppe im laufenden Jahr auf rund drei Prozent gesenkt werde. Bisher hatte das Ziel bei mindestens vier Prozent gelegen. Die Maßnahmen betreffen die Produktion in Moskau – insgesamt beschäftigt der Hersteller in Russland circa 5.000 Mitarbeiter.

Was die Beteiligung des Herstellers an Avtovaz angeht, würden derzeit die möglichen Optionen geprüft, hieß es weiter.

Putin will enteignen

Nun droht Renault die Enteignung seiner beiden russischen Standorte. Associated Press hatte Staatschef Wladimir Putin kürzlich mit den Worten zitiert, man werde verlassene Unternehmen an diejenigen übergeben, die tatsächlich arbeiten wollen und ein externes Management aufstellen.

Einer Schätzung der Citibank zufolge kommen acht Prozent der Erträge des Renault-Konzerns aus seinen russischen Aktivitäten – ein Großteil davon aus seinem 68-Prozent-Anteil an Avtovaz.

Avtovaz selber hat unterdessen wegen Problemen bei den Lieferketten aufgrund der Sanktionen gegen Russland seine Betriebsferien vorgezogen – seine knapp 41.000 Beschäftigten schickt der Hersteller nun vom 4. bis 24. April in den Urlaub.

Ursprünglich seien die Betriebsferien für den Hochsommer geplant gewesen. Das russische Unternehmen hatte die Produktion in den Fabriken in Toljatti und Ischewsk in dieser Woche wegen des Mangels wichtiger Teile und Komponenten gestoppt.

Hausgemachte Probleme

Renault hatte in der Corona-Krise im Jahr 2020 einen Rekordverlust von acht Milliarden Euro eingefahren. Die Pandemie verstärkte dabei vorhandene hausgemachte Probleme. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte Renault eine staatlich gestützte Kreditlinie von fünf Milliarden Euro eingeräumt bekommen. Vier Milliarden davon hatte das Unternehmen in Anspruch genommen und bereits eine Milliarde wieder zurückgezahlt.

Mit Material von DPA und Reuters

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