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Powertrain Renault wendet sich vom Diesel ab

| Autor/ Redakteur: Christoph Baeuchle / Sven Prawitz

Nach Volkswagen hat nun auch Renault Zweifel an der Zukunft der Dieseltechnologie geäußert. Höhere Standards und strengere Messmethoden machen die Technik zu teuer. Der Ausstieg des Herstellers ist absehbar.

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Renault reagiert auf die schlechten Zahlen in Europa: 7.500 Stellen sollen bis 2016 deshalb in Frankreich wegfallen.
Renault reagiert auf die schlechten Zahlen in Europa: 7.500 Stellen sollen bis 2016 deshalb in Frankreich wegfallen.
(Foto: Renault)

Der französische Autobauer Renault ist skeptisch bezüglich der Zukunft des Dieselmotors. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat der für Wettbewerb zuständige Manager Thierry Bolloré auf einer internen Sitzung ein düsteres Szenario für die Aussichten der Technik entworfen.

„Strengere Standards und Messmethoden würden die Kosten der Technik so weit erhöhen, dass der Diesel aus dem Markt gedrängt werden könnte“, fasst ein Teilnehmer laut Reuters die Aussagen Bollorés zusammen.

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Vergünstigungen sützten Diesel

Zustimmung bekommt Bolloré von Branchenanalysten. „Die Abgasnachbehandlung für Dieselmotoren ist zu teuer und aufwendig“, erläutert IHS-Automotive-Analyst Martin Benecke. Er ist überzeugt: „Die Investitionen für Dieseltechnologie werden zurückgefahren und für die Entwicklung alternativer Antriebe verwendet.“

Benecke verweist auf die Entwicklung im französischen Markt: „Frankreich war ein durch Steuererleichterungen gestützter Dieselmarkt.“ Dies änderte sich rasch nach dem Wegfall der Vergünstigungen: Während 2008/2009 in Frankreich noch mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Pkws als Selbstzünder auf die Straße kamen, sind es derzeit gerade noch gut die Hälfte (53 Prozent).

Damit liegen die Franzosen in etwa im europäischen Schnitt: In Europa ist knapp mehr als jeder zweite neu zugelassene Pkw ein Selbstzünder.

Rückgang auch in Deutschland

In Deutschland verliert der Diesel ebenfalls an Beliebtheit, wenn auch weniger schnell als in Frankreich: „Auch hier gibt es einen leichten Rückgang bei Dieselfahrzeugen“, erläutert Benecke. Neben der VW-Diesel-Affäre führt der IHS-Analyst dies auf die Diskussionen um die blaue Plakette und Fahrverbote in Städten zurück, die sich auf das Kundenvertrauen auswirken. Im August kam der Diesel hierzulande bei den Neuzulassungen auf einen Anteil von 45,3 Prozent, der niedrigste Wert seit März 2012.

Außerhalb Europas ist der Dieselmotor im Pkw eine Seltenheit. Die Marktanteile sind in Indien zwar ähnlich hoch, wie in Frankreich und Deutschland. Der Markt ist jedoch mit gut 2,6 Millionen Einheiten wesentlich kleiner. Keine Rolle spielt die Technologie hingegen in den größten Märkten: In den Vereinigten Staaten liegt der Anteil unter fünf Prozent, in China sind es weniger als ein Prozent. In Brasilien gibt es keine Dieselfahrzeuge.

Auch bei VW steigt die Skepsis

Mit ihrer skeptischen Einschätzung zur Zukunft des Diesels stehen die Franzosen, die wie ihr Wettbewerber PSA als Dieselspezialisten gelten, indes keineswegs allein da. Bereits im Juni hatte VW-Chef Matthias Müller gegenüber dem „Handelsblatt“ seine Zweifel über die Zukunft des Selbstzünders geäußert. „Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen“, so Müller gegenüber der Wirtschaftszeitung.

„Hersteller könnten nach 2025 komplett aussteigen“

Die Absagen von Renault und Volkswagen an den Diesel zeigen aus Sicht des Prognoseinstituts IHS den Trend zur weiteren Entwicklung: „Alle machen bei Diesel einen Rückzieher, weil er ab 2017/2018 immer teurer wird“, erklärt Pavan Potluri, Analyst von IHS, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Er wies auf die gegenläufige Entwicklung bei Elektroautos hin: „Nach 2025 könnten einige Hersteller komplett aus dem Diesel aussteigen, da der Preis für Elektrofahrzeuge deutlich gefallen sein wird.“

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Über den Autor

 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände