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Mini Clubman Retrofuturismus

| Redakteur: Jens Meiners

Anscheinend macht BMW wieder alles richtig: Der Clubman ist kurz und knackig wie seine Ur-Ahnen vor 40 Jahren und bietet dazu das sportive Lifestyle-Charisma, das die heutigen Mini-Käufer

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Anscheinend macht BMW wieder alles richtig: Der Clubman ist kurz und knackig wie seine Ur-Ahnen vor 40 Jahren und bietet dazu das sportive Lifestyle-Charisma, das die heutigen Mini-Käufer so lieben. So könnte der schicke Kombi den Absatz der feinen Kleinen im Retrodesign nochmals beschleunigen. Bereits heute werden mit 240 000 Einheiten pro Jahr doppelt so viele Mini produziert wie ursprünglich erhofft.

Künftig soll jeder vierte Mini ein Clubman sein, das Werk in Oxford ist allerdings schon jetzt ausgelastet. Ein Kapazitätsproblem, das übrigens auch den gerade vorgestellten einzigen wirklichen Wettbewerber zum Mini ereilt: Das Interesse an dem Retro-Zwerg Fiat 500 ist bereits so groß, dass die Italiener die Cinquecento eher verteilen als vertreiben müssen. Überraschend ist der Run auf die Retro-Ikonen auch deshalb, weil sie anders als ihre Vorfahren nicht mehr unbedingt günstige Einstiegsmodelle sind.

Als feinem Kleinlaster mit mehr Platz und zwei Türen zum Laderaum wird dem Clubman eine große Karriere zugetraut, bevorzugt doch nach Ansicht von Marktforschern weiterhin jeder fünfte Käufer die Karosserieform des praktischen Kombis für Familie und Freizeit. Geräumig wie ein Peugeot 207 SW oder Skoda Fabia Combi ist der Clubman zwar nicht, aber zumindest hat er die unkommode Enge des zweitürigen Mini abgelegt. Dank des um acht Zentimeter längeren Radstands haben jetzt auch Erwachsene im Fond den notwendigen Knieraum, und die hohe, 2,10 Meter lange Dachlinie sorgt für ausreichende Kopffreiheit. Tatsächlich verfügt der Clubman über das längste Dach aller Modelle des BMW-Konzerns und ist dabei doch das zweitkürzeste Fahrzeug.

Im Unterschied zum Ahnherrn aus den sechziger Jahren setzt der neue Clubman mehr auf witzige Variabilität statt auf nüchternen Nutzwert. So lassen sich die Rücksitze bequem durch eine hinten angeschlagene Fondtür auf der Beifahrerseite einnehmen. Und das Gepäckabteil lässt sich am Heck wie einst durch zwei große Flügeltüren beladen, enttäuscht aber mit einer hohen Ladekante. Hat man diese erst einmal überwunden, entschädigt der Clubman durch immerhin 260 bis 930 Liter Stauraum, 100 bis 250 Liter mehr als beim zweitürigen Mini und fast ebenso viel wie beim erklärten Lifestyle-Rivalen Volvo C30. Fast schon unerreicht verspielt ist das Cockpitdesign des Mini. Hier geht die Form eindeutig über die Funktion. Geradezu monströs ist der alles dominierende, mittig angeordnete Tacho. Enttäuschend sind die teils billig wirkenden Kunststoffe an Schaltern und Verkleidungen. Dafür ist die Liste der Optionen lang, kaum ein Wunsch, der nicht erfüllt wird.

Mit der Limousine teilt sich der Clubman die präzise geführte Sechsgang-Schaltung, die direkte Lenkung und die starken Bremsen. Wohl dank des längeren Radstands bereitet der Clubman auf Serpentinen und schnellen Landstraßen noch mehr Spaß als die Limousine, besonders in Verbindung mit dem fast schon begeisternden 1,6-Liter-Turbo aus der Kooperation mit Peugeot. Dessen 175 Pferde ziehen schon aus dem Drehzahlkeller heraus und scharren bei Druck auf das Gaspedal lustvoll an den Vorderrädern. Kaum jemand wird den so temperamentlosen wie durstigen Tritec-Motor aus der Vorgängergeneration vermissen. Der neue Motor ist um Klassen besser. Tatsächlich denkt man bei BMW bereits über eine Pace-Car-Version des Clubman nach.

Gleichstand zwischen Limousine und Clubman herrscht in der Ausstattung mit Techniken für geringen Verbrauch und niedrige CO2-Emissionen. Mit dem BMW-Spritsparpaket Start-Stopp-Automatik, Bremsenergie-Rückgewinnung und Schaltpunkt-Anzeige wollen die Neo-Klassiker Mini und Mini Clubman ihre Erfolgsgeschichte in die Zukunft fortschreiben. Natürlich gehört dazu auch, dass sie weiterhin Auslöser feiner Erinnerungen sind, schön aus jedem Blickwinkel und als Clubman jetzt sogar mit praktischem Nutzwert.

Peter Eck / Wolfram Nickel

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