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Georgsmarienhütte-Gruppe Rezession deutlich zu spüren

| Redakteur: Bernd Otterbach

Der Stahlkonzern Georgsmarienhütte spürt die weltweite Rezession deutlich. „Wir fahren auf Sicht“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Georgsmarienhütte Holding GmbH, Peter van Hüllen, am Mittwoch.

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Die drei Säulen der Unternehmensgruppe - Automobil, Schiffbau und Energie - seien schneller von der Krise betroffen gewesen als Ende 2008 gedacht. Die Gruppe stehe aber noch solide da.

Der Gruppenjahresüberschuss ist im vergangenen Jahr um 24 Millionen Euro auf 176 Millionen gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten stieg in den 51 Unternehmen der Gruppe von 9.475 auf 10.833. Der konsolidierte Gesamtumsatz wuchs um 553 Millionen Euro auf knapp 3,3 Milliarden Euro. Anfang dieses Jahres kam mit dem Stahlhersteller Ellwood Steel Belgium ein weiteres Unternehmen hinzu. Die Gruppe ist vor allem auf Spezialstahl, Maschinen- und Anlagenbau spezialisiert. Gesellschafter ist der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann.

Keine „Schwindsucht“ beim Personal

Prognosen könne im Augenblick niemand abgeben, betonte van Hüllen. Möglicherweise werde sich die Situation erst 2010 oder 2011 ändern. Positive Ausnahmen bildeten derzeit nur die Geschäftsbereiche Krantechnik und Anlagenbau. Welche Auswirkungen die Rezession für den Personalbestand haben werde, sei derzeit noch nicht klar. „Es wird kritisch, wenn wir uns ins Muskelfleisch schneiden würden“, sagte er. Sollte die Konjunktur wieder anziehen, müsse die Gruppe wieder schnell liefern können. Daher dürften die Unternehmen nicht an „Schwindsucht“ leiden, was die Personalausstattung angehe.

Kurzarbeit im Bereich Automobil

Mittlerweile sei bei 19 Unternehmen der Gruppe Kurzarbeit angesetzt worden, sagte Arbeitsdirektor Harald Schartau. Davon seien 4.900 Mitarbeiter betroffen, vor allem in automobilnahen Unternehmen. Bevor es zu Entlassungen komme, sollten zunächst andere Maßnahmen ergriffen werden. Neben Kurzarbeit könnten das unter anderem auch Arbeitszeitkonten sein. Auch der in der Nacht zu Mittwoch ausgehandelte Tarifvertrag für die Eisen- und Stahlindustrie in Nordwestdeutschland könne helfen. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, soll künftig eine Verringerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf bis zu 28 Stunden möglich sein. „Im Augenblick hilft uns aber die Kurzarbeit am meisten“, sagte Schartau.

In fast allen Regionen der Welt habe es dramatische Rückgänge bei der Rohstahlproduktion gegeben, sagte der für den Bereich Markt zuständige Geschäftsführer Hartwig Kockläuner. Auch im Bereich der Automobilindustrie seien die Rückgänge „dramatisch“. So sei die Produktion bei Personenkraftwagen im Februar im Vorjahresvergleich um 47 Prozent gesunken, im Nutzfahrzeugbereich sogar um bis zu 68 Prozent.

„Ein Bein im Eiswasser, ein Bein im Backofen“

Nach guten Gewinnen und erfolgreichen Konsolidierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre sei die Ausgangssituation der Unternehmensgruppe trotz der Auftragseinbrüche in der Rezession gut, sagte van Hüllen. „Wir stehen mit einem Bein im Eiswasser, mit dem anderen im Backofen.“ Er hoffe, dass im Sommer genauere Prognosen zur weiteren Entwicklung möglich seien.

dpa

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