Konzeptfahrzeug Rinspeed Budii: automobiler „Best Buddy“

Autor / Redakteur: Christian Otto / Jens Scheiner

Elektrisch angetrieben, autonom fahrend, selbstlernend und personifiziert – so könnte die Zukunft des Automobils aussehen. Ein Konzept, das diese Punkte aufgreift und an dem sich viele Zulieferer beteiligt haben, bietet das Unternehmen Rinspeed.

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Elektrisch angetrieben, autonom fahrend, selbstlernend und personifiziert – so könnte die Zukunft des Automobils aussehen.
Elektrisch angetrieben, autonom fahrend, selbstlernend und personifiziert – so könnte die Zukunft des Automobils aussehen.
(Foto: Rinspeed)

Die hochpreisigen Sportwagen waren auch in diesem Jahr wieder die Publikumsmagnete des Genfer Automobilsalons. Angesichts dieser Leistungsshow zweifelte kaum einer daran: Das selbstständige Führen des Autos wird noch lange die dominierende Fortbewegungsart sein.

Doch das Thema „Autonomes Fahren“ blieb auch in der Schweiz nicht außen vor. Und so war es vor allem der Rinspeed-Stand, der neben den großen Herstellern durch eine hohe Gästefrequenz auffiel. Dort nämlich stellte die Schweizer Automobilschmiede ihr neuestes Fahrzeugkonzept vor: Es trägt den Namen „Budii“ und soll sinnbildlich für den automatisierten Individualverkehr der Zukunft stehen. Das Unternehmen Rinspeed arbeitet bei seiner Vision eines Elektromobils eng mit einigen führenden Zulieferern zusammen, deren Technik in ganz verschiedenen Bereichen des Autos vertreten ist.

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Beim Blick in den Innenraum fällt vor allem ein Bauteil ins Auge, das ansonsten in der Fertigung zu finden ist: ein Roboterarm des Augsburger Unternehmens Kuka. Er soll auf Wunsch dem Fahrer oder dem Beifahrer das Lenkrad und damit das Kommando übergeben, wenn diese selbst einen Streckenabschnitt meistern wollen. Konkret handelt es sich um eine sensitive 7-Achs-Einheit.

Der Roboterarm dient aber nicht nur als Lenksäule, sondern ermöglicht theoretisch unendlich viele Einstellmöglichkeiten. So verstaut das System beispielsweise beim automatisierten Fahren im Pendlerverkehr das Volant raumsparend in der Mitte, dient als Ablagetisch oder als Butler.

Unfallrisiken vermindern

Das Zusammenwirken von Mensch und Maschine durch den Roboterarm ist für Rinspeed-Chef Frank M. Rinderknecht auch sinnbildlich zu verstehen: „Beim selbstfahrenden Auto geht es in den kommenden zwei Dekaden um mehr als die Lösung technischer Probleme und juristischer Fragen. Wir müssen die Beziehung zwischen Mensch und Maschine neu definieren, aber auch Fragen um Verantwortung, Toleranzen und Erwartungshaltungen in den Raum stellen.“ Autonomes Fahren eröffne zweifellos die Chance, die Unfallprävention zu verbessern. Trotzdem können Fehler nach Meinung von Rinderknecht nicht komplett ausgeschlossen werden.

Der transurbane SUV erhielt ein völlig neues Bedien- und Anzeigekonzept. Dafür gewann Rinspeed den Infotainment-Spezialisten Harman. Die so genannte Next-Generation-Scalable-Platform enthält zahlreichen Entertainment-, Sicherheits- und Servicefunktionen. Das System erkennt selbstständig die Gewohnheiten sowie Vorlieben des Fahrers und reduziert dadurch die Bedienschritte auf ein Minimum. Das Auto lernt so permanent dazu und agiert vorausschauend, statt zu reagieren. Harman hat auch das Soundsystem verbaut. Es bietet den Passagieren Musik in bester HD-Qualität.

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Beim Thema Vernetzung hat NXP sein Know-how eingebracht. Neben Radar- und Vehicle-to-X-Lösungen können die Nutzer des „Budii“ den Parkplatz automatisch per NFC bezahlen, Handys mittels „Wireless Power Charging“ aufladen sowie auf smarte Zugangslösungen und Funkschlüssel zum Öffnen, Starten und Personalisieren des Fahrzeug zurückgreifen.

Der i3 stand Pate

Die Basis des Fahrzeugs bildet der BMW „i3“. Konstruiert hat das Konzept die 4erC GmbH, und den kompletten Zusammenbau von Interieur und Exterieur übernahm die Esoro AG. Ein Hingucker sind die sportlichen 8-Doppelspeichen-Aluräder mit 19-Zoll-Durchmesser von Borbet. Ebenso auffällig und zudem noch vorausschauend ist das „TrackView“ genannte, um 70 Zentimeter ausfahrbare Teleskop auf dem Dach. Es liefert per Sensorfusion eine genaue 3D-Vorausschau. Ein integrierter Laser der Hamburger Firma Ibeo Automotive Systems scannt das Terrain und visualisiert über eine hochauflösende Kamera Unebenheiten. Damit werden nicht nur Höhe und Federung des Fahrzeugs entsprechend justiert, sondern es erlaubt dem Fahrer auch, mögliche Hindernisse frühzeitig zu erkennen und zu umfahren, sogar autonom.Der Budii trägt obendrein zwei elektrische Mini-Elektroroller in sich. Sie lassen sich auf seitlichen Schubladen bequem aus dem Fahrzeug herausfahren.

Große Technik im kleinen Auto

Zugang zum Fahrzeug gewährt das elektrische Türöffnungs- und -schließsystem von Kiekert. Es ist grifflos und reagiert auf das Streichen des Fahrers über die Touch-Sensoren auf der Türaußenseite. Durch die ebenfalls integrierte Servoschließung wird die angelehnte Autotür automatisch und nahezu lautlos an die Karosserie herangezogen und sicher verschlossen. Die integrierten Lichtleiter und halbtransparenten Abdeckungen der ebenfalls auffälligen Multifunktionspaneele mit ihren integrierten Leuchten stammen von Evonik und sind aus PMMA. Sie wurden mit Klebe- und Dichtungsmaterialien der Firma Sika fixiert.

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Dass beim automatisierten Fahren der Innenraum entgültig zur Wohlfühlzone mutiert, beweisen Hornschuch sowie Strähle+Hess. Gemeinsam setzten sie die silberfarbenen und mitternachtsblauen „skai“-Oberflächen sowie das cognacfarbene Textil mit signalorangen Akzenten um. Nützliche Eyecatcher sind die ambient beleuchteten Luftausströmer im Armaturenbrett, die Klimadusche im Dachhimmel und die Mittelkonsole mit Cupholder und Ablagefächern für Handy mit induktiven Ladefunktionen. Sie stammen alle von der Dr. Schneider Unternehmensgruppe.

Mit der Unterstützung von über 20 Zulieferern hat Rinspeed einen lernenden „Freund“ für den Fahrer auf die Straße gestellt. Der Budii trägt dabei Techniklösungen in sich, die sich künftig auch in Serienfahrzeugen wiederfinden werden.

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