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Studie Risiko Sprachsteuerung

| Redakteur: Jens Rehberg

Sprachbefehle an das Auto sollen das Fahren eigentlich sicherer machen – schließlich kann man die Hände am Lenkrad lassen. US-Forscher zweifeln das jetzt an.

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Der Opel Adam punktet vor allem bei jungen Kunden mit seinen Connectivity-Funktionen.
Der Opel Adam punktet vor allem bei jungen Kunden mit seinen Connectivity-Funktionen.
(Foto: Opel )

Die Sprachsteuerung von Navigations- und Entertainmentfunktionen im Auto erhöht nicht die Sicherheit beim Fahren. Im Gegenteil: Die Bedienung dieser Systeme lenkt so stark ab, dass die Verkehrssicherheit darunter leiden kann. Dies ist das Ergebnis zweier Studien der AAA Foundation of Traffic Safety sowie der Universität von Utah. Grund für das hohe Ablenkungspotenzial seien eine zu hohe Komplexität und Fehleranfälligkeit der Systeme.

Die US-Forscher haben im Rahmen der ersten Sudie verschiedene im Markt vorhandene Systeme von Chevrolet, Chrysler, Ford, Hyundai und Mercedes unter die Lupe genommen. In einer zweiten Studie widmeten sich die Experten der Universität von Utah ganz dem Siri-System von Apple, mit dem man unter anderem Navi-Apps, SMS, Social-Media-Posts, Kalenderfunktionen oder auch die Musikauswahl per Ansage an das Smartphone steuern kann.

Alle Systeme wurden nach Tests im Labor, auf dem Fahrsimulator sowie im laufenden Verkehr auf einer Notenskala von 1 (keine Ablenkung) bis 5 (Ablenkung vergleichbar mit dem Durchdenken komplizierter Mathe-Aufgaben) bewertet.

Bei den Infotainmentsystemen schnitt das Chevy-Mylink, das unter der Bezeichnung Intellilink nahezu identisch – zumindest was die Hardware betrifft – auch in Opel-Modellen verbaut wird, mit 3,7 am schlechtesten ab. Die Systeme von Mercedes, Ford und Chrysler wurden von den Testern als eine etwas größere Ablenkung eingeschätzt, als wenn sie gerade mit dem Handy in der Hand telefonieren würden. Als wenig ablenkend wurden lediglich Toyotas Entune sowie Hyundais Blue Link Telematic System eingestuft.

Das Apple-Siri-System erhielt eine noch schlechtere Note als das Chevy Mylink – 4,1. Das System habe manchmal SMS-Texte durcheinander gebracht oder auch falsche Telefonnummern angewählt. In einem Fall wählte das iPhone statt der vom Tester geforderten Nummer fälschlicherweise den Notruf, worauf der Fahrer verständlicherweiserweise in Hektik geriet.

Generell bemängelten die Forscher Fehlinterpretationen einiger Systeme, obwohl die Sprachbefehle laut und deutlich gegeben worden seien. Zudem hätten sich die Fahrer auf die exakte Wortwahl und auch auf die exakte Reihenfolge der Wörter konzentrieren müssen, andernfalls hätten die Systeme den gewünschten Befehl nicht ausgeführt. Beispielsweise funktioniere bei einigen Systemen der Radiostationswechsel bei „103.5 FM“, aber nicht bei der Ansage „FM 103.5“.

ADAC ist weniger skeptisch

Auch der ADAC hat kürzlich Sprachsteuerungssysteme verschiedener Autobauer getestet. Der Club stellte „Weiterentwicklungsbedarf bei der Verarbeitung von Dialekten und der Benutzerfreundlichkeit“ fest. Und weiter: „Um anspruchsvolle Aufgaben, wie die vollständige Adresseingabe oder das Vorlesen eingehender Nachrichten, nutzen zu können, müssen sich die Verbraucher heute zunächst intensiv in die Thematik einarbeiten. Aus diesem Grund rät der ADAC den Nutzern auch, sich zunächst im Stand eingehend mit dem Funktionsumfang und der Systemlogik vertraut zu machen.“ Trotzdem kommt der Club zu einem positiven Fazit: „Alle Sprachsteuerungssysteme im Test tragen dazu bei, den Autofahrer weniger abzulenken als wenn er die Zusatzfunktionen händisch bedienen würde.“

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