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„Schlanke Automatisierung“ Runter mit den Kilowatts

| Redakteur: Samuel Kiefer

Wie man den Durchsatz eines Lagers um etwa 50 Prozent erhöht und gleichzeitig den Strombedarf in einer Größenordnung von 67 Zwei-Personen-Haushalten einspart hat unlängst die Firma Schiller Automatisierungstechnik bei BMW in Dingolfing demonstriert.

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20.000 Palettenstellplätze wurden Zug um Zug auf aktuelle Mechanik, Elektrik und Steuerung umgestellt. Ohne Unterbrechung des laufenden Betriebes, also bei rund 4.000 Ein- und Auslagerungen pro Tag. Das war die Durchsatzzahl vor der Sanierung. Danach kam BMW auf fast 6.000 Lagerbewegungen. Analog zum Durchsatz erhöhte sich auch die Regal- und Hallenflächenproduktivität um annähernd 50 Prozent. Gleichzeitig brachte die Erneuerung eine erheblich gesteigerte Energie-Effizienz.

Regalbediengerät mit Energierückgewinnung

Solche Verbesserungen erreichen die Automatisierungsexperten aus Osterhofen bei Deggendorf in vielen Referenzprojekten durch „Schlanke Automatisierung“. Dieses Firmenmotto umschreibt eine Vielzahl von Maßnahmen. Ähnlich wie Züge, Straßenbahnen oder neuerdings auch die meisten BMW-Fahrzeuge gewinnt das Regalbediengerät die Bewegungsenergie beim Bremsen zurück. Spezielle Software-Algorithmen weisen den häufigst bewegten Gütern die Regalplätze mit den kürzesten Wegen zu oder bewegen das Regalförderzeug nur so schnell wie es die aktuelle Auftragslage erfordert. Sozusagen ein flexibel angepasstes Tempolimit zugunsten eines minimalen Energieverbrauches. Dazu leistet auch die übrige EDV der Lagerverwaltung einen Beitrag, von ausgeklügelter Prozessoptimierung über direkte SAP-Anbindung bis hin zur Technik der Datenübertragung mit Wireless-LAN.

Drahtlose Kommunikation

Die drahtlose Datenübertragung erlaubt die direkte und ständige Kommunikation zwischen zentraler Steuerung und bewegten Anlagenteilen. So können die dezentralen Steuerungen, die bisher beispielsweise immer auf den Verfahrwagen nötig waren, komplett entfallen. Damit verschwindet eine komplette Gerätekategorie aus den Anlagen. Samt entsprechenden Anschaffungs- und Wartungskosten. Ebenso geht es jetzt ohne deren Platz- und Stromverbrauch. Das spart einige Kilowatts und Kilogramm an bewegter Masse.

Schlank bleibt auch der Betreuungsaufwand der Auftraggeber. Beispiel BMW: Das Retrofit-Projekt sollte unmerklich im Hintergrund ablaufen und genau das tat es auch. Obwohl die De- und Remontage alter Mechanikumfänge ebenso zum Auftrag gehörte und dies nur recht spektakulär mit riesigen Autokränen vonstatten gehen konnte. Auf dem selben Weg kamen die neuen Regalbediengeräte an ihren Platz. Ebenso die übrigen Module der Fördertechnik. Alle vorinstalliert und bereits fertig verkabelt. So bleibt der Montageaufwand vor Ort gering. Schiller spricht hier auch von einer „leisen Sanierung“ oder dem „Silent Retrofit“.

10 Prozent Umsatzwachstum

Dieser intelligente Lösungsansatz erfreut sich offenbar großen Zuspruchs. Für 2008 ist bei den Niederbayern ein Umsatzwachstum von über 10 Prozent auf über 11 Millionen Euro angestrebt. Dies manifestiert sich auch in einer aktuellen Betriebserweiterung mit neuem Gebäude. Der Umsatz stieg bereits in den vergangenen Jahren immer zweistellig.

Weitere Beispiele für „Lean Automation“ realisierte Schiller jüngst für Baustoffhersteller, aber auch für die Lebensmittelindustrie. Immer geht es um das effizienzgesteigerte Zusammenspiel von Mechanik, Elektrik und Elektronik. Die Übertragung dieser innovativen Technologievernetzung auf den Sondermaschinenbau erreicht mittlerweile die stärksten Wachstumsraten bei dem Hightechunternehmen aus dem ländlichen Raum. Zu den neuen Kompetenzfeldern zählen inzwischen auch Stapel- und Zuschneideanlagen.

Bekenntnis zum Standort Deutschland

Man bekennt sich bodenständig und nachdrücklich zum Standort Deutschland, aber die zentrale Lage in Mitteleuropa ist ebenfalls ein Treiber für die Unternehmensentwicklung. In der nahe gelegenen Tschischen Republik beispielsweise, sind die Arbeitskräfte inzwischen schon genau so rar wie in Deutschland. Mit Automatisierung kann Schiller den Leidensdruck der Kunden am Arbeitsmarkt erleichtern. Nur im eigenen Hause funktioniert das nicht. Facharbeiter, Techniker, Ingenieure, Software-Programmierer und Projektmanager werden ständig sehr dringend gesucht. Das ist für den Mittelständler längst die größte Wachstumsbremse.

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