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Abgasskandal

Rupert Stadler muss in Untersuchungshaft

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Wenige Tage nach der Durchsuchung seiner Privatwohnungen kommt Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft. Die Behörden sehen Verdunkelungsgefahr in der Diesel-Affäre. Dabei hatte ihn der Aufsichtsrat vor Kurzem noch gestützt.

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Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sitzt wegen Verdunkelungsgefahr in Haft.
Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sitzt wegen Verdunkelungsgefahr in Haft.
(Bild: Audi)

In der Abgas-Affäre ist Audi-Chef Rupert Stadler am Montag (18. Juni) vorläufig festgenommen worden. „Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat“, teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Als Grund nannte die Behörde Verdunkelungsgefahr. Ein VW-Sprecher bestätigte die Festnahme. „Darüber hinaus können wir uns vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen inhaltlich nicht äußern. Für Herrn Stadler gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.“

Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef. Vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn sowie ein weiteres Mitglied des Vorstands der VW-Tochter eingeleitet zu haben. Sie legt ihnen „Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last“. Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht.

Nach der Verhaftung von Stadler soll der bislang unbelastete Vertriebschef Bram Schot vorerst an die Spitze des Autoherstellers aufrücken. Der Audi-Aufsichtsrat muss der Personalie noch formal zustimmen, wie die Deutsche Presse-Agentur von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr. Der in den Niederlanden geborene Manager ist seit September vergangenen Jahres bei Audi.

Mittlerweile 20 Beschuldigte

Zur Sicherung von Beweismaterial waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Privatwohnungen von Stadler und dem nicht genannten Vorstandsmitglied durchsucht worden. Die Zahl der Beschuldigten stieg damit auf 20 Personen. Trotz des Verfahrens und der Durchsuchungen hatte sich der Volkswagen-Aufsichtsrat laut einem Bericht des „Handelsblatts“ Ende vergangener Woche nochmals hinter Audi-Chef Rupert Stadler gestellt.

Stadler soll nach der Aufdeckung der Manipulationen in den USA von den falschen Abgaswerten auch in Europa gewusst haben, aber anders als in den USA keinen Vertriebsstopp angeordnet haben. Die Ermittler stützten sich auf die Auswertung von Korrespondenz, verlautete aus deren Kreisen. Im März 2017 und im Februar 2018 hatte es in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Razzien gegeben.

Stadler mehrmals angezählt

Neben Stadler sitzt als Beschuldigter auch ein ehemaliger Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 verhaftet worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Seit Ende 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittforderungen laut geworden.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sieht die vorläufige Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler im Abgasskandal auch als Folge von Versäumnissen im VW-Konzern. „Heute ist die Mär der Autoindustrie endgültig in sich zusammengefallen, beim Abgasskandal handle sich um die Verfehlungen einzelner Ingenieure“, sagte Krischer am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

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