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Wirtschaft Schaeffler-Bilanz stürzt in die roten Zahlen

| Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Der fränkische Zulieferer Schaeffler muss wegen der Covid-19-Pandemie rote Zahlen auf den Tisch legen. Schaeffler-Konzernchef Klaus Rosenfeld spricht von einem „langen Weg“ aus der Krise.

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Unter dem Strich drückten die Folgen der Coronavirus-Pandemie Schaeffler tief in die roten Zahlen.
Unter dem Strich drückten die Folgen der Coronavirus-Pandemie Schaeffler tief in die roten Zahlen.
(Bild: Schaeffler )

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie haben den Auto- und Industriezulieferer Schaeffler im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerissen. Das Geschäft mit den Automobilherstellern läuft so schlecht, dass der Wert der Sparte Automotive gemindert werden musste. Die Wertminderung und zusätzliche Kosten für einen weiteren Stellenabbau führten bei den Franken zu einem Verlust von unter dem Strich 184 Millionen Euro im ersten Quartal.

Im Vorjahr hatte noch ein Überschuss von 137 Millionen Euro zu Buche gestanden, wie das im S-Dax-notierte Unternehmen am Mittwoch (6. Mai) in Herzogenaurach mitteilte. Die Umsätze gingen in den Regionen China, Asien/Pazifik und Europa um jeweils etwa zehn Prozent zurück – in Amerika nur um sechs Prozent. Letzteres dürfte sich ändern, weil die Corona-Krise in den USA später angekommen ist.

Während der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 3,3 Milliarden Euro sank, sackte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um rund ein Fünftel auf 215 Millionen Euro.

Schaeffler: Düsterer Ausblick

Wegen der Corona-Krise hatte Schaeffler bereits im März seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ausgesetzt. Eine konkrete Vorhersage sei weiterhin nicht möglich, hieß es nun. Zudem teilten die Franken mit, dass der Konzern jetzt 1.900 Stellen in Europa auf freiwilliger Basis abbauen will – nicht mehr nur 1.300, wie bisher geplant. Schaeffler hatte wegen der Wirtschaftskrise bereits ein Maßnahmenpaket geschnürt, zu dem unter anderem Kurzarbeit, Einstellungsstopps und der Abbau von Urlaubstagen und Zeitkonten gehört.

Schaeffler erwartet wegen der Coronavirus-Pandemie ein schwieriges zweites Quartal. „Wir müssen uns auf eine globale Rezession einstellen, die nächsten Monate werden sicher kein Spaziergang“, sagte Konzernchef Klaus Rosenfeld der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Zwar beginnen in dieser Woche alle 75 Schaeffler-Werke wieder zu laufen. Trotzdem sagte Rosenfeld: „Wir werden das Niveau vor der Krise so schnell nicht wieder erreichen. Es wird ein langer Weg, bis das alles aufgeholt ist“.

Während die Auslastung in China, wo die Pandemie ihren Anfang nahm, schon wieder bei über 90 Prozent liegt, sieht die Lage auf anderen Kontinenten dagegen differenzierter aus. „Es wird überall wieder gearbeitet, aber noch lange nicht auf dem Niveau der Vergangenheit“, sagte er. So werde die Kapazitätsauslastung etwa in den USA in der kommenden Woche bei 20 bis 25 Prozent liegen, in Europa nähere sie sich 40 bis 45 Prozent an.

Schaeffler hält an Automotive-Geschäft fest

„Wir haben wegen der hohen Unsicherheiten mit Absicht Risiken aus der Bilanz genommen“, verdeutlichte Rosenfeld, der von einer „bewussten, konservativen Risikosteuerung“ sprach. Die Wertminderung ändere aber nichts daran, dass Schaeffler weiterhin fest an sein Automotive-Geschäft glaube. „Daran gibt es keinen Zweifel, das ist unser Kerngeschäft“, unterstrich Rosenfeld. Die Schaeffler-Bilanz sei robust genug, um auch eine Wertminderung zu verkraften.

Aus Sicht von Rosenfeld ist das erste Quartal in Anbetracht der Corona-Krise ein gutes Quartal gewesen. Vor allem den klar verbesserten freien Barmittelzufluss (Free Cashflow) hob er hervor. Nachdem der Free Cashflow im vergangenen Jahr noch bei minus 235 Millionen Euro lag, war er diesmal mit 137 Millionen Euro deutlich positiv. Der Free Cashflow ist vor allem für Investoren und Analysten eine wichtige Kennziffer. Ist sie negativ, verbrennt ein Unternehmen quasi Geld.

Schaeffler will keine Staatshilfe

Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JP Morgan hob denn auch den „starken Cashflow“ und das bereinigte operative Ergebnis hervor, das seine Erwartungen übertroffen habe. Besonders gut habe sich zudem die Liquidität entwickelt. Er bekräftigte seine Einschätzung mit „Overweight“.

Angesichts der guten Liquiditätslage und seiner Gesellschafterstruktur werde Schaeffler in der Corona-Krise keine Staatshilfe beantragen, verdeutlichte Rosenfeld. „Kurzarbeit sehe ich dagegen nach wie vor als probates Mittel für uns“. Es sei zudem ganz wichtig, als Unternehmen nicht nur mit Krisenabwehr beschäftigt zu sein, sondern sich auch darauf vorzubereiten, wie es weitergehen kann, wenn der Sturm vorbei ist. „Dafür ist die starke Liquiditätsposition von Schaeffler eine wichtige Voraussetzung“, betonte Rosenfeld.

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