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Wirtschaft Schaeffler schafft Sprung aus den roten Zahlen

Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Der Zulieferer mit Sitz in Herzogenaurach hat positive Quartalszahlen präsentiert. Dabei haben ein gut laufendes Chinageschäft und ein straffes Sparprogramm geholfen.

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Schaeffler schreibt im dritten Quartal wieder einen Gewinn und ist sogar profitabler als im Vorjahr.
Schaeffler schreibt im dritten Quartal wieder einen Gewinn und ist sogar profitabler als im Vorjahr.
(Bild: Schaeffler)

Nach einem schwierigen ersten Halbjahr geben die vorläufigen Zahlen des dritten Quartals dem von der Corona-Krise gebeutelten Auto- und Industriezulieferer Schaeffler wieder Anlass zur Hoffnung. Vor allem eine besser als erwartete Umsatzentwicklung im bedeutenden chinesischen Markt gab dem SDax-Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach im dritten Quartal wieder Auftrieb. Dennoch verwies Schaeffler am Montagabend (26. Oktober) nach Börsenschluss darauf, dass das Marktumfeld weiterhin von Unsicherheit geprägt sei.

Schaeffler: Profitabler als im Vorjahr

Zwar waren die Erlöse auf währungsbereinigter Basis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit einem Minus von 2,6 Prozent auf rund 3,4 Milliarden Euro leicht rückläufig. Doch zeigten sie gegenüber der ersten Jahreshälfte eine deutliche Erholung. Die um Sondereffekte bereinigte Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) lag mit 9,4 Prozent sogar um 0,3 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Schaeffler begründete dies neben der positiven Entwicklung in China auch damit, dass die zu Jahresbeginn im Zuge der Pandemie eingeleiteten Sparmaßnahmen Wirkung zeigten.

Im Automobilgeschäft, der mit Abstand größten Sparte des Konzerns, konnte Schaeffler den Umsatzrückgang mit einem währungsbereinigten Minus von 1,1 Prozent stark eindämmen, die um Sondereffekte bereinigte Ebit-Marge lag mit 8,3 Prozent sogar über dem Vorjahreswert von 7,0 Prozent. In der Industriesparte waren Umsatz und Ebit-Marge dagegen klar rückläufig

Sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal hatte Schaeffler aufgrund der Pandemie-Auswirkungen unter dem Strich rote Zahlen geschrieben und war im zweiten Jahresviertel auch operativ in die Verlustzone gerutscht. Angaben zum Überschuss zwischen Juli und Ende September machte Schaeffler zunächst nicht, die Franken wollen ihre vollständigen Zahlen für das dritte Quartal und die ersten neun Monate wie geplant am 10. November veröffentlichen.

Analysten positiv überrascht

War der freie Barmittelzufluss (Free Cashflow) vor Ein- und Auszahlungen für Fusions- und Übernahme-Aktivitäten im zweiten Quartal mit minus 285 Millionen Euro ebenfalls klar negativ, gelang Schaeffler auch bei dieser Kennziffer nun mit plus 333 Millionen Euro die Rückkehr in positives Territorium. Allerdings liegt der Free Cashflow unter dem Vorjahreswert von 362 Millionen Euro. Die Kennziffer ist vor allem für Investoren und Analysten wichtig, da sie Aufschluss über die Finanzkraft eines Unternehmens gibt. Ist sie negativ, wird quasi Geld verbrannt.

Aus Sicht von Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan ist vor allem der starke freie Barmittelfluss der Lichtblick innerhalb des Quartalsberichts gewesen. Er habe nur mit 250 Millionen Euro gerechnet. Das stütze nun seine Einschätzung, dass auch die Geschäftsentwicklung in der gesamten zweiten Jahreshälfte 2020 und darüber hinaus für einen starken Free Cashflow sorgen werde.

Bis zu 4.400 Jobs sollen entfallen

Schaeffler steckt mitten in einem kostspieligen Umbau- und Sparprogramm. Bis Ende 2022 wollen die Franken vor allem in Deutschland Tausende weitere Stellen abbauen, Schaeffler-Mitarbeiter protestierten heftig gegen die Pläne. Zudem hat das Unternehmen kürzlich die Voraussetzungen für eine mögliche Kapitalerhöhung geschaffen.

Bereits vor der Pandemie machte sich die Schwäche der Autoindustrie bei den Herzogenaurachern bemerkbar, ehe die Virus-Krise den Zulieferer im ersten Halbjahr mit Wucht traf. Seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr hatte Schaeffler wegen der Pandemie im Frühjahr ausgesetzt. Mit Blick auf das dritte Quartal hatte sich Konzernchef Klaus Rosenfeld Mitte August dann aber verhalten optimistisch gezeigt. Zwar sei die Krise noch nicht vorbei, doch ging der Manager damals davon aus, dass der Tiefpunkt durchschritten sei.

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