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IAA 2019

Schicke E-Autos und dicke SUVs – Der „schöne Schein“

| Autor/ Redakteur: dpa / Maximiliane Reichhardt

Auf der diesjährigen IAA steht das Klimaproblem in Widerspruch zu immer mächtigeren Geländelimousinen. Während sich einige Automobilhersteller sichtlich Gedanken um das Klima machen, präsentieren andere ihre SUVs – bei gleichzeitig klimabewussten Bekenntnissen. Ein Überblick.

Daimler ist nach wie vor auf der IAA präsent. Einige andere Hersteller wie Fiat, Peugeot und Toyota haben der Messe dieses Jahr bereits den Rücken gekehrt.
Daimler ist nach wie vor auf der IAA präsent. Einige andere Hersteller wie Fiat, Peugeot und Toyota haben der Messe dieses Jahr bereits den Rücken gekehrt.
( Bild: Daimler )

Sind die Autohersteller Teil des weltweiten Klimaproblems oder vielleicht auch ein Teil der Lösung? Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt werden die drängenden Fragen der künftigen Mobilität verhandelt. Gleichzeitig müssen die Hersteller möglichst viele Autos verkaufen. Umweltschützer wollen Mercedes, BMW und Co. wegen des stetig steigenden Absatzes schwerer Stadtgeländewagen an den Klima-Pranger stellen. Die Hersteller halten mit einer Vielzahl an – zumeist angekündigten – Elektromodellen dagegen.

Die SUVs wachsen, doch die Messe schrumpft

Die dicken SUV-Dinger sind auf der geschrumpften IAA an jeder Ecke präsent. Schließlich wächst das Segment weltweit, und die Hersteller verdienen mit größeren Autos mehr als mit den ausgereizten Kleinwagen. Stark umlagert von Fotografen und Kameras ist der neue „Defender“ von Land Rover – die britische Geländewagen-Ikone, die im 21. Jahrhundert auch mit einem „Urban Pack“ angeboten wird. Dazu dichtet die Marketing-Abteilung: „Erobern Sie den Großstadtdschungel. Mit dem Urban Pack zieht der Defender in der Stadt mit Stil, Selbstvertrauen und Gelassenheit alle Blicke auf sich.“

Brachial geht es auch beim Tuner Brabus aus Bottrop zu, der ohnehin schon teure und schwere Luxuskarossen noch weiter aufrüstet. Etwa die Mercedes-Benz-G-Klasse, die mit einem 12-Zylinder-Motor auf 900 PS Leistung kommt. Für 720.000 Euro erhält der geneigte Kunde ein 2,8 Tonnen schweres Auto, das kombiniert 18,9 Liter auf 100 Kilometern verbraucht und so 433 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstößt.

Die Gedanken kreisen um das Klima

Dass sich die Konzerne Gedanken um die Klimadebatte machen, ist ihren Auftritten deutlich anzumerken. „Was die nächste Generation am meisten bewegt, ist der Klimawandel“, sagt der neue BMW-Chef Oliver Zipse. Bei den Münchnern drehen sich Windräder als Bestandteil der Videoshow, Mercedes-Benz präsentiert die grünen Stadtansichten Frankfurts. Ebenso wenig fehlte der Verweis, dass die Produktion von BMW in Europa schon CO2-neutral sei, und bei Mercedes die europäischen Werke 2022 so weit sein sollen.

Die größte Show zieht Volkswagen für seinen Kompaktwagen ID.3 ab, der dem Konzern in der Elektrowelt golf- und käferähnliche Verkaufszahlen bringen soll. VW-Chef Herbert Diess wird nicht müde, für seinen Elektrokurs politische Unterstützung einzufordern. Und ein bisschen schlechtes Gewissen mag im Rückblick auf den Dieselskandal eine Rolle spielen, wenn Chefdesigner Klaus Bischoff gleich zwei Kinder auf die Bühne bittet, um deren Vision von sauberer Mobilität zu erfahren.

Auch die Botschaften der Unternehmen sprechen Bände. „Mobilität ist der Puls des Lebens“, lautet etwa das neue Motto des Zulieferers Continental. „Wir gestalten das gesunde Ökosystem der Mobilität“, versichert Vorstandschef Elmar Degenhart. Es gehe seinem Konzern um nicht weniger als Hilfe „zu höherer Lebensqualität, schnellerem Fortschritt, mehr Rücksicht auf die Umwelt und verbesserten persönlichen Zukunftschancen“. Das mag etwas pathetisch klingen. Mit dem Streben nach klimaneutraler Produktion jedenfalls rennen die Niedersachsen beim Daimler-Konzern offene Türen ein: Dieser will bei seinen Aufträgen Nachhaltigkeit zum Vergabekriterium machen.

Opel-Chef Michael Lohscheller ist an seinem auf ein Drittel geschrumpften Messestand ganz zufrieden damit, dass sein Unternehmen nur kleine bis mittlere SUVs baut. Auf eine Zukunft der ganz großen Wagen würde er nicht wetten, gibt der Manager zu Protokoll. Doch im Segment der kompakten Geländewagen will auch die Marke mit dem Blitz mehr Geschäft machen, unter anderem auf dem neuen Markt Russland.

Krise trotz schönem Schein

Die konjunkturelle Lage bereitet den Anbietern – zusammen mit der Ökokritik – massive Probleme. „Der schöne Schein kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Branche im Krisenmodus befindet“, schreiben die Branchenexperten der Privatbank Merck. Bei der Beratungsgesellschaft PwC sieht man die Situation ähnlich: Echte Strukturveränderungen seien im zurückliegenden Jahrzehnt ausgeblieben, meint Branchenbeobachter Felix Kuhnert.

Doch es gibt auch optimistische Stimmen. So glauben die Experten der Denkfabrik Agora Verkehrswende, dass der Branche der Wechsel in die neue Welt durchaus gelingen könne – wenn sie nun endlich entschlossen auf CO2-Reduktion setze: „BMW, Daimler und VW können ihre für das Jahr 2021 von der EU vorgegebenen Zielwerte für den Ausstoß von CO2 erreichen.“ Voraussetzung sei unter anderem eine „Steigerung der Zulassungen von E-Fahrzeugen auf Marktanteile von 8 bis 15 Prozent“.

Daimler und BMW wollen sich nicht festlegen

Daimler-Chef Ola Källenius ist sich nicht sicher, ob sein Unternehmen die EU-Vorgaben für 2021 erfüllen kann. Letztlich komme es schlicht darauf an, was die Kunden kaufen würden, sagt er. Die richtigen Modelle kämen jetzt auf die Straße – zunächst mit Hybridantrieben, später auch vollelektrisch. Für die fernere Zukunft sieht Källenius weitere Alternativen: Brennstoffzellen für Wasserstoff will der Konzern zunächst in Bussen und Lastwagen einsetzen; das Potenzial synthetischer Kraftstoffe beobachte man ernsthaft.

BMW will sich ebenfalls nicht festlegen, nicht beim Antrieb und nicht bei der Karosserieform. Zwar machen die SUVs einen immer größeren Anteil am Absatz aus. Doch als Fokussierung auf nur einen Fahrzeugtyp will der Konzern das nicht verstanden wissen. Finanzvorstand Nicolas Peter sagte, man sehe auch bei den flacheren Autos Wachstum und investiere „beidbeinig“ in Stadtgeländewagen und Limousinen. Zumindest mache es die hohe Bauform einfacher, die Autos zu elektrifizieren.

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