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Dienstleister Schritt nach vorne

| Redakteur: Claus-Peter Köth

Während sich die klassischen Entwicklungsdienstleister (EDL) von der Depression der vergangenen Jahre langsam erholen, boomt das Geschäft mit dem Personalverleih. Anbieter wie Euro

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Während sich die klassischen Entwicklungsdienstleister (EDL) von der Depression der vergangenen Jahre langsam erholen, boomt das Geschäft mit dem Personalverleih. Anbieter wie Euro Engineering, Ferchau oder Brunel verzeichnen seit Jahren zweistellige Zuwächse und können die Nachfrage kaum decken. „Wir finden auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend Ingenieure, das begrenzt unser Wachstum“, sagt Michael Witte, Vorstand der Euro Engineering AG.

Mit EDAG zieht jetzt der weltweit größte unabhängige Entwicklungsdienstleister nach. Mit Gründung der Ed Work GmbH & Co. KG steigen die Fuldaer nun selbst in das Geschäft mit der Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung ein. Das Modell dahinter: EDAG wird sich weiterhin als Dienstleister auf die anspruchsvollen und hoch spezialisierten Tätigkeiten konzentrieren, komplexe Entwicklungsprojekte steuern und Paketleistungen erbringen. Ed Work soll den Bedarf der Bestandskunden nach punktueller Unterstützung in Entwicklungsprojekten bedienen und additiv auch umfassende Personaldienstleistungen für technisch geprägte Unternehmen anbieten.

Im Fokus stehen neben Automotive auch Industriezweige wie Maschinen- und Anlagenbau oder Luftfahrt. Zudem kann auch EDAG auf die Ressourcen der eigenen Tochter zurückgreifen und diese als verlängerte Werkbank nutzen.

Ed Work soll Ende dieses Jahres 150 Mitarbeiter haben und bis Ende 2009 rund 1 500 Köpfe umfassen. In den nächsten fünf Jahren sollen in Deutschland bis zu 3 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden Je 25 Prozent davon sollen Ingenieure, Techniker, kaufmännische Angestellte und Produktionsmitarbeiter sein.

Mit Ed Work erhofft sich EDAG eine bessere Wettbewerbsposition für das Geschäft außerhalb der Paketentwicklung. Es gilt schlichtweg, auf den wachsenden Bedarf der OEM nach Arbeitnehmerüberlassung zu reagieren. „Da haben wir eine deutliche Lücke“, bestätigt Dr. Udo Hüls, Mitglied der EDAG-Geschäftsleitung, verantwortlich für Personal und Recht.

Laut Hüls, der gleichermaßen in der Geschäftsführung der Ed Work vertreten ist, hat die Erweiterung der EDAG auch einen „strategischen Aspekt“. Denn die Zeitarbeitsunternehmen drängten zunehmend ins angestammte Geschäft der Paketleistungen.

Euro Engineering zum Beispiel unterhält mit dem Fachbereich Nutzfahrzeuge am Standort Neu-Ulm eine speziell auf die Entwicklung von Lkw, Bussen und Sonderfahrzeugen ausgerichtete Sparte. Über 60 Spezialisten arbeiten hier an Projekten für nahezu alle Nfz-Hersteller in Europa und übernehmen dabei auch die komplette Entwicklung von Makro-modulen.

Insgesamt beschäftigt Euro Engineering über 400 Ingenieure allein in der Autoindustrie und erzielt etwa 30 Prozent seiner 85 Millionen Euro Umsatz (in 2006) mit den europäischen OEM.

Was die Ingenieurdienstleister mit ihrer Arbeitnehmerüberlassung so anhaltend erfolgreich macht, ist ein verändertes Nachfrageverhalten der Industrie. Die greift wegen der zunehmenden Volatilität der Märkte verstärkt auf externe Engineering-Ressourcen zurück. Der Vorteil: Die Unternehmen können auf schwankende Auftragslagen reagieren, ohne Ingenieure in entsprechendem Umfang als neue Mitarbeiter einstellen zu müssen.

Meist sind es Automobilzulieferer, die diese Chancen nutzen. „Sie sind traditionell mit unsere stärksten Auftraggeber“, bestätigt Euro-Engineering-Vorstand Witte. Gemessen an der Zahl der eigenen Ingenieure dieser Unternehmen kann die personelle externe Unterstützung bis zu acht, zehn oder mehr Prozent der eigenen Ingenieurkapazität ausmachen, um Spitzen aufzufangen.

Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse IWK in München und ehemaliger Chefvolkswirt bei BMW, sieht die Ursachen in dem anhaltenden Trend der OEM, wachsende Volumina an die großen Zulieferer zu vergeben, die dafür auch die notwendigen Produktentwicklungen erbringen. Das führt zwangsläufig zu einer steigenden Engineering-Nachfrage auf Seiten der Zulieferer, während die OEM kaum noch Großprojekte oder die Entwicklung ganzer Fahrzeugderivate nach außen vergeben.

„Der immense Ertragsdruck in der Automobilindustrie hat das Nachfrageverhalten völlig verändert“, beobachtet Becker. Auch ruft die Industrie die Leistungen nicht mehr zu den bisherigen Kosten ab.

War einst eine ausgewogene Kombination aus Kosten und Technologie gefragt, seien es heute die beiden Extreme. „Entweder sind die Kosten entscheidend oder die Beherrschung von Technologie und Know-how bei komplexen Entwicklungsleistungen“, verdeutlicht Becker. Dienstleister müssen sich daher auf einen der beiden Faktoren spezialisieren.

„Wir bieten Flexibilität“, bringt Witte den Kundenvorteil auf eine griffige Formel. Je nach Situation bearbeitet Euro Engineering die Entwicklungsaufträge in den rund 40 Niederlassungen komplett inhouse, oder die Kunden holen sich für die Dauer eines Projektes die Spezialisten ins Haus. Solche Einsätze können 18 Monate und länger dauern. Die Münchner bieten dabei Leistungen entlang der gesamten Entwicklungsprozesskette.

Dass EDAG mit seiner Neugründung Ed Work ins Geschäft der Arbeitnehmerüberlassung einsteigt, bestärkt Witte in seinem Geschäftsmodell und zeigt ihm, „dass Projektarbeit und Zeitarbeit bei Ingenieurleistungen zusammengehören“. „Wir freuen uns auf den Wettbewerb“, sagt Witte.

Bei der Gummersbacher Ferchau Engineering hingegen will Firmenchef Frank Ferchau Ed Work lieber nicht kommentieren. Immerhin ist EDAG guter Kunde bei Ferchau und kauft dort bislang Leistungen ein.

Doch damit nicht genug. Schon wird erwartet, dass andere klassische Dienstleister dem Beispiel EDAGs folgen und Tochtergesellschaften für die Arbeitnehmerüberlassung gründen. Als möglicher Nachahmer wird die VW-Entwicklungstochter IAV gehandelt.

Bernhard Rose.

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