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Zulieferer Schuler will mit der Automobilindustrie wachsen

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Jens Scheiner

Anfang März lud der Pressenhersteller Schuler zur Jahrespressekonferenz für das Geschäftsjahr 2016. Mit den 2016 übernommenen Tochtergesellschaften Aweba und Yadon will das Unternehmen besonders im Automobilgeschäft deutlich wachsen.

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Mit den 2016 übernommenen Tochtergesellschaften Aweba und Yadon will Schuler besonders in der Automobilbranche deutlich wachsen.
Mit den 2016 übernommenen Tochtergesellschaften Aweba und Yadon will Schuler besonders in der Automobilbranche deutlich wachsen.
(Bild: Schuler)

Dank eines hohen Umsatzes im vierten Quartal 2016 ist es dem Göppinger Pressenhersteller Schuler gelungen, das gesamte vergangene Geschäftsjahr in etwa auf dem Niveau des Vorangegangenen zu halten. In den kommenden Jahren will das Unternehmen dann seinen Umsatz kräftig steigern – mit Rückenwind aus der Automobilindustrie. „Wir glauben fest an die Zukunft der Automobilindustrie und an hohe Wachstumsraten. Große Länder wie China oder Indien mit ihrem niedrigen Pro-Kopf-Bestand an Fahrzeugen zeigen, wie groß der Bedarf an Mobilität ist – egal welcher Antriebstechnik“, sagte der Schuler-Vorstandsvorsitzende Stefan Klebert auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens.

Wachstumsprogramm „We go for 20.2“

Insgesamt will Schuler sein Wachstum in den kommenden Jahren beschleunigen, wie Klebert weiter ausführte. Mit einem Wachstumsprogramm namens „We go for 20.2“ will der Pressenhersteller vor allem Innovationen schneller zur Marktreife bringen und mit neuen Produkten neue Kundengruppen gewinnen. Ziel sei es, einschließlich möglicher Akquisitionen um das Jahr 2020 herum einen Umsatzkorridor von rund zwei Milliarden Euro zu erreichen. Ein wichtiger Innovationstreiber ist die weitere Digitalisierung der Umformtechnik. Dazu hat Schuler 2016 den Smart Press Shop vorgestellt. Damit zeigt das Unternehmen digitale Systeme zur Vernetzung in der Umformtechnik auf, die auf Kundenseite die Prozesssicherheit und die Wirtschaftlichkeit in der Produktion erhöhen sollen.

Elektromobilität soll zusätzlichen Schwung verleihen

Auf der Produktebene greift Schuler insbesondere das weltweit wachstumsstärkste Segment für Pressenlinien mit mittlerem Preisniveau an. Dabei spielen laut Unternehmen sowohl die Technologien von Yadon als auch eigene Neuentwicklungen wie die kurz vor der Markteinführung stehende Presse MSP 400 eine wichtige Rolle. Gleichzeitig haben die Göppinger den Bereich Elektromobilität als neuen Markt erschlossen. Entsprechende Aufträge eines führenden Elektroautoherstellers sowie der deutschen Traditionsmarke Borgward, die mittlerweile in der Hand chinesischer Investoren ist, und des südkoreanischen Batterieproduzenten Samsung werden derzeit abgearbeitet.

Übernahmen von Yadon und Aweba stärken Konzernergebnis

Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben sich vor allem Auftragseingang (+17,6 Prozent) und Auftragsbestand (+13,5 Prozent) besonders positiv entwickelt. Dabei haben die 2016 übernommenen Tochtergesellschaften Aweba und Yadon bereits im ersten Jahr positiv zu Wachstum und Ergebnis beigetragen, wie es heißt. Konzernweit gingen bis Jahresende Bestellungen in Höhe von 1,20 (Vorjahr: 1,02) Milliarden Euro ein. Der Auftragsbestand stieg zum 31.12. 2016 auf 1,01 (0,89) Milliarden Euro, der Konzernumsatz erreichte mit über 1,17 (1,20) Milliarden Euro fast Vorjahresniveau. Der Betriebsgewinn (EBITDA) betrug 122,6 Millionen Euro und lag damit weit über dem unbereinigten Vergleichswert von 70,9 Millionen Euro.

Ohne die Sonderbelastungen aus der Umstrukturierung der Produktion in Deutschland in Höhe von rund 73 Millionen Euro gerechnet, hatte Schuler beim EBITDA 2015 insgesamt 138,8 Millionen Euro erreicht. Aus der Abwicklung des Strukturkonzepts flossen 2016 Sondererträge in Höhe von 13.Millionen Euro in das Ergebnis ein. Einschließlich dieser Erträge blieb die EBITDA-Marge 2016 mit 10,4 (Vorjahr bereinigt 11,6) Prozent erneut zweistellig. Vor Steuern verdiente Schuler 2016 mit 95,1 Millionen Euro weit mehr als den unbereinigten Vorjahreswert von 44,0 Millionen Euro. Bereinigt um die Restrukturierungseffekte waren es 116,6 Millionen Euro gewesen. Die neuen Konzerngesellschaften, der chinesische Pressenhersteller Yadon (per 1. April 2016) und der sächsische Werkzeugbauer Aweba (per 30. Juni), trugen 2016 zeitanteilig gerechnet insgesamt knapp 120 Millionen Euro zum Konzernumsatz und knapp 17 Millionen Euro zum EBITDA bei.

Guter Auftragseingang für das neue Geschäftsjahr

„Wir gehen durch den höheren Auftragseingang mit kräftigem Rückenwind in das neue Geschäftsjahr“, sagte Klebert. „Die Investitionsneigung unserer Kunden hat zugenommen, die Delle bei Umsatz und Auftragseingang Anfang 2016 liegt hinter uns. Das vergangene Jahr hat zudem bewiesen, dass wir mit der Übernahme des sächsischen Werkzeugbauers Aweba und des chinesischen Pressenherstellers Yadon strategisch richtig gehandelt haben. Beide Unternehmen öffnen Schuler neue Märkte und entwickeln sich überdurchschnittlich.“

„Wir rechnen damit, im Geschäftsjahr 2017 Umsatz und Ergebnis in einer Größenordnung von etwa 5 bis 10 Prozent steigern zu können“, prognostizierte Klebert weiter. Die verbesserte Orderlage, günstigere Kostenstrukturen in Deutschland durch die fast abgeschlossene Konzentration der Produktion auf vier Standorte und die erstmals ganzjährigen Ergebnisbeiträge von Yadon und Aweba sollen für Impulse sorgen. Mit Blick auf die makroökonomischen Rahmenbedingungen erwartet Schuler in Europa und China 2017 weitgehend stabile gesamtwirtschaftliche Wachstumsraten, in den USA sogar eine Beschleunigung der Konjunktur.

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 Stéphane Itasse

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