Fahrbericht Seat Leon FR: Sportlicher Golf-Konkurrent

Redakteur: Wolfgang Sievernich

Wir testeten den Seat Leon 1,4 TSI mit aktiver Zylinderabschaltung und 150 PS Turbomotor. Wie sich der Wagen im Redaktionsalltag geschlagen hat und ob er als Golf-Konkurrent taugt, erfahren Sie hier.

Firmen zum Thema

Der neue Seat Leon hat sich zum positiven entwickelt. Sahen die Vorgänger entweder zu brav oder zu sehr wie ein Minivan aus, so ist die dritte Generation wieder ein vollwertiger Kompaktwagen.
Der neue Seat Leon hat sich zum positiven entwickelt. Sahen die Vorgänger entweder zu brav oder zu sehr wie ein Minivan aus, so ist die dritte Generation wieder ein vollwertiger Kompaktwagen.
(Foto: Wolfgang Sievernich)

Die spanische Volkswagen-Tochter Seat sollte auf dem Automobilmarkt für den Wolfsburger Automobilhersteller eine ähnliche Rolle spielen, wie Alfa Romeo für Fiat. Rassig designte Kompaktwagen, die Herz und Emotionen ansprechen und mit Baukastentechnik günstig anzubieten wären. Bestes Beispiel dafür ist der Seat Leon, auf Deutsch Löwe, der mittlerweile in der dritten Generation angeboten wird. Die Basis entspricht dem jeweiligen Pendant des VW Golf, die verwendete Technik unter dem Blech und in weiten Teilen auch im Innenraum ist ebenfalls Stangenware aus dem VW-Regal, das Design entstand dagegen in Spanien.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 11 Bildern

Ansprechendes Exterieur

Der neue Seat Leon hat sich zum Positiven entwickelt. Sahen die Vorgänger entweder zu brav oder zu sehr wie ein Minivan aus, so ist die dritte Generation wieder ein vollwertiger Kompaktwagen. Erhältlich ist das Modell als Drei- und Fünftürer mit Fließheck, oder wie bei unserem Testfahrzeug als Kombi. Zur Verfügung stehen insgesamt acht Ottomotoren von 86 bis 280 PS und drei Dieselaggregate von 110 bis 184 PS. Unser Testfahrzeug ist ein Seat Leon 1,4 TSI Kombi in der FR-Ausstattung und Benzinmotor sowie ACT (aktive Zylinderabschaltung) und besitzt 150 PS. FR steht für Formula Racing und ist dem sportlichen Anspruch des Unternehmens geschuldet. Nicht umsonst steht der Motorsport seit Einführung der ersten Leon-Generation 1999 bei Seat hoch im Kurs.

Das Design ist gefällig und sportlich zugleich. Große Lufteinlässe in der Front unterstreichen den kräftigen Charakter, eckig zugeschnittene Frontscheinwerfer verströmen einen Hauch von Avantgarde und beheimaten zudem optional erhältliche Hightech-Leuchten. Die Seitenlinie ist fließend, der Heckabschluss passt, die schräg stehende Heckscheibe passt zum Fahrzeug, könnte sich aber für hochaufbauendes Gepäck nachteilig auswirken.

Hochwertiges Cockpit

Das Interieur des Seat Leon 1,4 TSI ist überraschend hochwertig gestaltet. Obwohl durchgehend auf den Einsatz von Echtleder verzichtet wird, wirkt es ansprechend, sportlich und angenehm akzentuiert. Auffällig sind rote Nähte an Lenkrad, Sitzen, Schaltknauf und Handbremshebel, die passend zum schwarz/roten FR-Logo dezent das sportliche Image des Fahrzeugs hervorheben sollen. Das Dreispeichenlenkrad liegt satt in der Hand, auch wenn bei der Haptik das Kunstleder gegenüber Echtleder verliert. Die Lenkradtasten für Radio, Telefon und Menü sind gut erreichbar und auch blind auffindbar. Hinter dem Lenkrad sind die Siebengang-DSG-Schaltwippen angebracht, die aber für die Hände unbequem weit innen angebracht sind, sodass man zum Schalten die Hände immer wieder aus der normalen Position nehmen muss. Alternativ kann der Wagen aber auch im Automatikmodus bewegt werden.

Positiv fällt das Infotainmentsystem auf, das mit DBA-Internetradio und einem guten Empfang punkten kann. Die Navigationssoftware ist einwandfrei und lässt sich mittels Touchsystem einfach bedienen. Die über das Infotainmentsystem gesteuerte Freisprecheinrichtung ist bis zu einer mittleren Geschwindigkeit gut verständlich. Im Testbetrieb waren Gespräche über 120 Stundenkilometer aber aufgrund von Wind- und Fahrgeräuschen kaum noch möglich.

Variabler Kofferraum

Der Blick in den Kofferraum gestaltet sich positiv. Das Kofferraumvolumen ist mit 587 Liter und umgeklappt 1.470 Liter über dem Klassendurchschnitt. Um eine ebene Ladefläche zu erreichen, besteht die Möglichkeit den Ladeboden zu erhöhen, sehr positiv fallen Ablagen für Kleindinge links und rechts von der Hauptfläche auf. Hier passen sowohl Getränke-Sixpacks als auch der kleine Einkauf rein, ohne dass die Gefahr besteht zu verrutschen. Ähnlich positiv fallen Klappriegel auf, die das Umklappen der Rücksitze kinderleicht ermöglichen.

Für jeden etwas: der Fahrbetrieb

Der Seat Leon verfügt über einen 1,4 Liter starken TSI-Ottomotor mit 150 PS. Das Aggregat hängt gut am Gas und ist zudem mittels aktiver Zylinderabschaltung, Start/Stopp-System und Turbolader sparsam ausgelegt. Über den Fahrzeuginnenraum lassen sich über einen Schalter die Fahrmodi Eco, Normal und Sport einlegen, die sich sowohl auf die Gasannahme, als auch die Schaltzeiten, das Sportfahrwerk und die Leichtgängigkeit des Lenkrads auswirken. Diese verschiedenen Modi können aber auch noch über das Menü individuell auf die Komfortbedürfnisse des Fahrers zugeschnitten werden. Dass der Seat im Modus Eco verhalten zur Sache geht dürfte nachvollziehbar sein. Ausgewogen fällt die Normaleinstellung aus, wer sportlich fahren will, dürfte sich am Sport-Modus erfreuen. Allerdings fällt im Automatikbetrieb auf, dass dann die Schaltpunkte extrem weit auseinander liegen – fast schon zu weit. Bei Umstellung des Fahrmodus ändert sich im Innenraum auch die Ambientebeleuchtung von Weiß auf Rot und emotionalisiert den Fahreindruck zusätzlich.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 11 Bildern

Erhellend: LED-Scheinwerfer

Ebenfalls erhellend sind die Voll-LED-Scheinwerfer und Heckleuchten. Zusammen erhältlich mit dem Fernlichtassistenten ergeben sie eine lohnenswerte Investition. Helles Licht mit guter Ausleuchtung und automatisch einschaltendem Fernlicht bei Abblendung des Gegenverkehrs sind in dieser Klasse auch nicht selbstverständlich.

Fazit: Der Seat Leon 1,4 TSI ist ein ausgewogenes Fahrzeug mit ansprechendem Design und solider Technik aus dem Volkswagen-Regal. Bei vollem Ausstattungspaket ist er eine echte Alternative für VW Golf, Opel Astra und Ford Focus. Ob das DSG-Getriebe notwendig ist, muss individuell entschieden werden. Heutige Sechsgang-Handschalter-Getriebe sind auch durchaus passend ausgelegt. Wer zwischendurch auch mal automatisch unterwegs sein will und neben der sportlichen Gangart cruisen oder relaxt durch den Stau rollen will, dem empfehlen wir den Schritt zum Siebengang-DSG-Getriebe. Die Preise beginnen ab 24.000 Euro. Der Verbrauch lag im Testbetrieb bei durchschnittlich sieben Litern Superbenzin.

(ID:43431541)