Fahrbericht Skoda Fabia hat das Zeug zum Klassenprimus

Autor / Redakteur: sp-x / Marie Lücke

Skoda schickt im September die vierte Generation seines Fabia an den Start. Der Kleinwagen überzeugt durch Komfort, praktische Details und moderne Konnektivität. Gut motorisiert ist er allerdings kein Schnäppchen mehr.

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Der neue Skoda Fabia steht in den Startlöchern.
Der neue Skoda Fabia steht in den Startlöchern.
(Skoda)

Neben dem Octavia verkörpert bei Skoda kein Modell die tschechische Marke so sehr wie der Fabia. Seit mehr als 20 Jahren gehört der Kleinwagen fest ins Portfolio und hat bislang über 4,5 Millionen Kunden gefunden.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Der Fabia überzeugt mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis, praktischen Alltagslösungen, viel Komfort und einem hohen Reifegrad. Er gilt als klassisches Einstiegsmodell für Singles, aber auch für junge Familien. Technisch eng verwandt ist der Fabia mit dem VW Polo und dem Seat Ibiza.

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Das gilt ebenso für die neue, jetzt vierte Generation, die erstmals auf der Konzernplattform MQB-A0 (Modularer Querbaukasten, Segment A0) aufbaut. Durch die neue Architektur erhält der nun 4,11 Meter lange Fabia nicht nur eine robustere Karosseriestruktur, die zu mehr Fahrkomfort führt, sondern die Plattform ermöglichte den Ingenieuren auch die Integration moderner Infotainment-Dienste und vieler neuer Assistenzsysteme.

Debüt feiert zum Beispiel der Travel Assist. Er hält auf der Autobahn automatisch die Spur und den Abstand zum Vorausfahrenden. Neu sind zudem die Verkehrszeichenerkennung und die sogenannte Rangierbremsfunktion. Unbeabsichtigte Rempler beim Vor- und Zurücksetzen dürften damit der Vergangenheit angehören, weil das Auto selbsttätig bremst, wenn es zu eng wird.

Viele typische Skoda-Details

Das Platzangebot im Fabia ist großzügig. Und wer mit der Hand über das schick gezeichnete Armaturenbrett mit den Stoff-Dekoren und den farblich abgesetzten Nähten fährt, glaubt eigentlich nicht, in einem Auto der Kleinwagen-Klasse zu sitzen. Hinzu kommen die zahlreichen Simply-Clever-Features, die traditionell bei Skoda einen hohen Stellenwert genießen – und von vielen Kunden sehr geschätzt werden. 13 neue Details listet Skoda auf, 43 sind es insgesamt.

Klassiker wie den Eiskratzer in der Tankklappe, das Regenschirmfach in der Fahrertür oder den Tickethalter an der A-Säule kennen wir. Jetzt gibt es auch eine klappbare Beifahrerlehne, eine Multifunktionstasche, die man unter die Gepäckraumabdeckung hängen kann, einen USB-C-Anschluss am Innenspiegel sowie im Fond zwei Ablagetaschen für Smartphones – falls der Nachwuchs mal das Spielen auf dem Display unterbrechen sollte und dann das Handy beim Bremsen nicht durch die Gegend fliegt.

Konventionelle Benziner, kein Hybridantrieb

Trotz der neuen und modernen MQB-Architektur sieht Skoda – wie auch der gesamte Volkswagen-Konzern – in dieser Fahrzeugklasse keinen Einsatz von Hybridantrieben vor. Ein Renault Clio beispielsweise ist hier technisch fortschrittlicher. Im Fabia arbeiten ausschließlich konventionelle Ottomotoren, im Einstieg ein Drei-, in der Topversion ein Vierzylinder. Dieselmotoren wurden aus dem Programm genommen.

Los geht’s bei Markteinführung mit einem 1,0-Liter-Saugmotor mit 59 kW/80 PS (ab 17.590 Euro), der allerdings aufgrund seines schwachen Drehmoments von nur 93 Newtonmetern wenig Zuspruch bei den Käufern erhalten dürfte. Besser im Futter steht da schon die Turboversion mit 70 kW/95 PS und 175 Newtonmetern. Sie kostet zwar 1.300 Euro mehr, hängt aber deutlich besser am Gas.

Weitere 2.300 Euro bedeuten nicht nur eine höherwertige Grundausstattung (Linie: Ambition), sondern auch 81 kW/110 PS und 200 Newtonmeter an Drehmoment. Es ist die vorläufige Topmotorisierung des Fabia, mit der er in unter zehn Sekunden von null auf 100 km/h sprintet und eine Spitze von über 200 km/h schafft. Später soll noch eine Vierzylinder-Variante mit 110 kW/150 PS folgen.

Komfortables Fahrerlebnis

Beim Fahren überraschen der hohe Komfort und die Ausgewogenheit des kleinen Tschechen. Lenkung und Fahrwerk geben keinen Anlass zur Kritik. Der Fabia ist leise und komfortabel. Mit ihm lassen sich auch lange Strecken stressfrei unter die Räder nehmen.

Zu merken ist, wie sämtliche Motoren in Sachen Effizienz optimiert worden sind. Keine Version soll nach der WLTP-Norm mehr als 4,8 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Ein durchaus guter Wert, der sich auch bei der Testfahrt bestätigt. Mit ein bisschen vorausschauender Fahrweise kann man den Verbrauch auf dem Niveau um die fünf Liter halten. Dies relativiert natürlich auch etwas die Kritik, dass die Strategen bei Skoda, respektive Volkswagen, auf eine Elektrifizierung wie etwa Mildhybrid verzichtet haben. Mit ihr würde sich vielleicht noch ein halber Liter sparen lassen, das Auto aber wäre durch die technische Aufrüstung mindestens nochmals 1.000 Euro teurer. Kosten zu Nutzen stünden in keinem guten Verhältnis.

Stolzer Preis

Insgesamt hinterlässt der neue Skoda Fabia bei unserer ersten Testfahrt einen ausgezeichneten Eindruck. Qualität und Fahrkomfort stimmen genauso wie Raumangebot, Konnektivität und Sicherheit. Die Motoren sind durchweg sparsam, für die 110-PS-Version gibt es optional sogar ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, was den Fahrspaß weiter erhöht. Vom Basispreis von 13.990 Euro allerdings sollte man sich nicht blenden lassen, das Grundmodell hat nur 48 kW/59 PS und ist eher etwas fürs Flotten- und Vermietergeschäft. Wer den Fabia etwas schicker und üppiger ausgestattet (die Liste der Extras ist lang) und eine agile Motorisierung unter der Haube haben möchte, sollte sich auf jeden Fall mit Preisen jenseits der 20.000-Euro-Marke anfreunden.

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