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Geschäftsmodelle Smart: Das Auto als Packstation

Autor / Redakteur: Hanne Schweitzer/SP-X / Christian Otto

Bei Fahrzeugen der Daimler-Tochter Smart können nun auch Pakete in Abwesenheit des Fahrers von DHL-Mitarbeitern deponiert werden. Dabei bietet einer bewährten Anwendung des Carsharing-Angebots Car2go die technische Basis für das Geschäftsmodell.

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Wer einen neueren Smart sein Eigen nennt, kann sich demnächst die DHL-Pakete dort direkt hineinlegen lassen.
Wer einen neueren Smart sein Eigen nennt, kann sich demnächst die DHL-Pakete dort direkt hineinlegen lassen.
(Bild: DHL)

In der Weihnachtszeit nimmt die Anzahl der auszuliefernder Pakete nochmals zu. In diesem Jahr bekommen einige Besteller aber ihre Geschenke noch etwas schneller und Zusteller haben es etwas einfacher: In Köln und Stuttgart liefert DHL über Nacht ins Auto. Allerdings funktioniert das nur, wenn man einen Smart besitzt. Der Kleinwagen fungiert dabei als Packstation: Bei der Bestellung gibt es Kunde an, dass die Ware ins Auto geliefert werden soll, der Paketbote bekommt einen virtuellen Einmal-Schlüssel, mit dem er das Auto lokalisiert, auf- und nach dem Ablegen des Paketes auch wieder abschließt. Liegt im Kofferraum eine Retoure, nimmt der DHL-Fahrer sie mit.

Nachrüst-Box erhältlich

Voraussetzung für das so genannte „smart ready to drop“ ist, dass der Wagen online gehen kann. Smart-Fahrern, die am Beta-Test teilnehmen, bezahlt die Daimler-Tochter die nötige Nachrüstung des Fahrzeugs mit einer „Connectivity-Box“ beim Händler. Die aktuelle Smart-Version und das Coupé der Vorgänger-Generation können damit ausgerüstet werden. In Bonn und Berlin soll der Dienst nächstes Jahr starten, weitere Städte folgen. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Smart bewerben. Ist der Wagen vernetzt, meldet sich der Fahrer bei DHL und Smart für den Dienst an und lädt die Smart-App auf sein Handy. Bestellt er nun bei einem der Partner - unter anderem Amazon – generiert er in der App eine TAN (Transaktionsnummer), die er in das c/o-Adressfeld der Lieferadresse eingibt. Damit ist die Sendung als Auto-Zustellung markiert.

Doppelt sicher

Für den Zusteller ist die TAN-Nummer quasi ein einmaliger Schlüssel zum Fahrzeug: Gibt er sie in seiner App ein, kann er das Fahrzeug orten. Steht er dann mit dem Paket vor dem Kofferraum, öffnet er das Auto mithilfe seiner App und der TAN. Um sicher zu stellen, dass er auch wirklich vor Ort ist, muss er zuvor allerdings noch seinen persönlichen PIN sowie die letzten Ziffern des Kennzeichens eingeben. Hat er das Paket deponiert, schließt er per App wieder ab. Das System ist laut Smart so programmiert, dass der Bote keinen weiteren Arbeitsschritt unternehmen kann, solange das Auto nicht abgeschlossen ist. Der Smart-Besitzer bekommt eine Nachricht, dass die Sendung abgelegt wurde und kann auf seiner App auch nachsehen, ob das Auto verschlossen ist.

Bewährte Car2go-Technik

Die Konnektivitäts-Technik basiert auf dem System, das Smart bereits seit Jahren bei seinem Carsharing-Dienst Car2go einsetzt, bei dem die Nutzer das Auto auch per Smartphone öffnen können. Die langjährige Erfahrung habe ein sehr stabiles System hervorgebracht, heißt es von der Daimler-Tochter, Sorge vor Hacker-Angriffen habe man daher nicht. Vom Reifegrad der Technik profitiert auch der Zusteller: Er muss nicht lange auf eine Antwort des Systems warten, wenn er vor dem Auto steht, sondern kann den Kofferraum innerhalb von Sekunden nach der Authentifizierung öffnen. An der Haustür klingeln, warten, Treppe hoch und Paket persönlich abgeben dauert deutlich länger, sicherlich ein Grund, warum auch DHL an dieser Art der Wunschzustellung interessiert ist.

In Stuttgart ist der Dienst vor vier Wochen in die Beta-Phase gestartet, in Köln vor zwei. Laut DHL werden derzeit jede Nacht zwischen 30 und 50 Pakete ausgeliefert, oft Bestellungen die erst über den Tag eingegangen sind. Künftig soll auch über Tag ausgeliefert werden, dann muss der Smart auch nicht mehr im 500-Meter-Radius um die eigene Adresse abgestellt sein, wie es jetzt der Fall ist.

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