Igus-Smart on Tour Smart mit Kunststoff-Gleitlagerteilen startet Weltreise

Redakteur: Reinhold Schäfer

Igus schickt einen mit 56 Kunststoff-Gleitlagern ausgerüsteten Smart auf eine Weltreise. Anlass sind zwei Jubiläen des Kölner Unternehmens. Neben der technische Komponente verfolgt die Aktion auch einen sozialen Zweck.

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Der umgebaute Smart von Igus soll auf Weltreise gehen.
Der umgebaute Smart von Igus soll auf Weltreise gehen.
(Bild: Reinhold Schäfer)

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums seiner Polymer-Gleitlager „Iglidur“ sowie des 50-jährigen Firmenbestehens schickt der Kölner Tribopolymer-Experte Igus einen umgerüsteten Smart um die Welt. „Wir fühlen uns mit unserem Kunststoff Iglidur so sicher, dass wir diese harte Tour starten können“, erklärt Frank Blase, Geschäftsführer der Igus GmbH in Köln. Zum Auftakt der Fahrt um die Welt lud Igus nach Köln ein, um genau aufzuzeigen, welche Teile des Fahrzeugs durch Kunststoff-Gleitlager von Igus ersetzt wurden.

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Beginn der Reise ist Indien

Das Gefährt ist in Zusammenarbeit mit dem Institut für Fahrzeugtechnik der Fachhochschule Köln an 56 Stellen mit Iglidur-Gleitlagern ausgerüstet worden. „Diesen Wagen schicken wir jetzt um die Welt“, sagt Blase. Dabei seien die Anforderungen in Indien besonders hoch mit vielen Schlaglochstrecken. Dort wird die Reise auch beginnen, das heißt, die erste Teilstrecke des Smart wird nur von Köln bis zum Frankfurter Flughafen reichen. Von dort aus wird der Kleinwagen direkt nach Neu Dehli überführt und dort zuerst auf der Messe „Auto Expo“ gezeigt.

Anschließend wird der Wagen, gesteuert von Sascha Laufenberg, Politikwissenschaftsstudent in Köln, 4.000 km durch Indien fahren. Die Reise soll weiter über China, Japan, Südkorea, Brasilien und dann durch Nordamerika führen. Zum Abschluss werde eine Rundreise durch Europa einschließlich Skandinavien stattfinden. Auf der gesamten Strecke werde man immer wieder Kunden besuchen. Die Fahrt werde laut Blase voraussichtlich bis Anfang 2015 dauern und auch eine soziale Komponente haben. „Für jeden gefahrenen Kilometer werden wir in jedem Land einen Euro für soziale Zwecke spenden“, ergänzt Blase.

Unter blog.igus.de/iglidurontour lässt sich die gesamte Tour verfolgen. Berichte, Videos und Fotos sollen dabei spannende Einblicke in die „Iglidur on tour“-Reise geben.

Die Umbaumaßnahmen: Die „Plastination“ des Kleinwagens

Voraussetzung für den ambitionierten Praxistest war die Umrüstung des Autos durch ein Team der Fachhochschule Köln unter Leitung von Herrn Johannes Thomé und dem Igus-Gleitlager-Entwickler Michael Krug. Dabei galt das Prinzip, alles durch Kunststoffe von Igus zu ersetzen, was technisch und gemäß den TÜV-Vorschriften möglich ist.

Die Metalllager am Bremspedal, beim Scheibenwischer und Fensterheber, im Schaltmodul, in der Sitzkonsole, an der Handbremse, am Startgenerator, an der Drosselklappe und beim Verdeck wurden durch reine Polymerlager ersetzt. Viele Module mussten bis in die Einzelteile zerlegt und wieder werks- und funktionsgetreu zusammengebaut werden. Häufig konnten Standardgleitlager verwendet werden.

Zum Teil mussten aber auch mit CAD-Modellen passgenaue Ersatzstücke erarbeitet und dann aus Iglidur-Halbzeug die entsprechenden Komponenten gefräst oder gedreht werden. Eine Reihe der 45 unterschiedlichen Iglidur-Katalogwerkstoffe sind dabei zum Einsatz gekommen.

Selbst auf die optische Gleichartigkeit wurde dabei wie im Fall der Sitzarretierung geachtet. Alle Modifikationen am Kleinwagen sind nun erfolgreich abgeschlossen. Das Team aus Fahrzeugtechnikern und Kunststoffentwicklern freut sich darauf, das Ergebnis ihrer Arbeit „vom Stapel“ in die Welt zu lassen.

Reibungsoptimierte Kunststoffe: Potenziale für die Automobilindustrie

Immer mehr Hersteller entdecken die Qualitäten kostengünstiger und leistungsstarker Komponenten aus Tribopolymeren. Sogenannte motion plastics werden in zahlreichen Modulen eingesetzt, von Sitz- und Verdecksystemen über Mehrlenkerscharniere und Komponenten im Motorraum bis hin zu Fahrwerksanwendungen. Dieser Trend wird sich in der Zukunft noch verstärken. Denn Kunststofflager, die keine externe Schmierung benötigen, wartungs- und korrosionsfrei sind und zudem siebenmal leichter als metallisch gerollte Lager sind, sprechen für sich. Sie schonen die Umwelt und das Budget, da sie die Produktionskosten verringern und aufgrund ihrer Verschleißfestigkeit die Lebensdauer erhöhen.

Im Innenraum eignen sie sich hervorragend, um Geräuschentwicklungen zu dämpfen. Ihre Robustheit und Belastbarkeit prädestinieren sie aber gleichermaßen für den Außeneinsatz, was nicht zuletzt der Einsatz bei Wind und Wetter, Höhenkilometer und Straßenverhältnisse auf der Reise erweisen wird. Das Feld der Anwendungsmöglichkeiten ist bei weitem noch nicht abgesteckt, vielleicht wird die Demonstrationsfahrt des Kunststoff-Kleinwagens über den Globus noch manchen Entwickler zu interessanten Ideen und neuen Konzepten anregen.

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Jedes zweite Gleitlager für die Automotive-Branche

Auf dem Event blickte Gerhard Baus, Prokurist Gleitlager bei der Igus GmbH, auf die Entwicklung der Gleitlagerprodukte in den vergangenen 30 Jahren zurück. „Durch unsere eigene Forschung sind die Werkstoffe der Polymer-Gleitlager im Laufe der Jahre im Hinblick auf Verschleiß und Reibung immer weiter optimiert worden“, machte Baus deutlich. „Mittlerweile gibt es rund 100 verschiedene Rezepturen, davon 45 sofort bestellbare Katalogwerkstoffe. Dabei gibt es für fast jedes Anwendungsgebiet ein spezielles Lager, das genau die passenden Anforderungen mitbringt.“ In allen Kunststoffgleitlagern von Igus seien Millionen winzig kleiner Festschmierstoffe enthalten, die eine externe Schmierung überflüssig machen, wodurch sich kein Schmutz an den Lagern festsetzen soll.

Markus Feth, Branchenmanager Automotive bei Igus, zeigte den Stellenwert für den Kunststoffspezialisten auf: „Jedes zweite Gleitlager, das wir herstellen, wird in Automobilen eingesetzt. Die Teile sind hier immer genau auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt, sodass neben den Standardprodukten eine Vielzahl von Sonderlösungen eingesetzt wird.“

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