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Wirtschaft Sorgen in der bayerischen Autoindustrie: Auch BMW muss sparen

| Autor/ Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Zwar setzt BMW den Rotstift nicht so drastisch wie die Konkurrenz aus Ingolstadt an. Trotzdem müssen Mitarbeiter mit weniger Geld rechnen.

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Auch BMW muss sparen.
Auch BMW muss sparen.
(Bild: BMW)

Die Sparrunde in der Autoindustrie geht weiter: Einen Tag nach Audi hat auch BMW eine Einigung mit seinen Mitarbeitern verkündet. Anders als der Konkurrent aus Ingolstadt kommen die Münchner aber ohne weitreichenden Jobabbau aus, allerdings sinkt die Erfolgsbeteiligung, wie das Unternehmen am Mittwoch (27. November) mitteilte.

„Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat eine solidarische Lösung erzielt. Damit können wir auf drastische Maßnahmen verzichten, die andere gerade ergreifen, um ihre Kosten zu senken“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse. Bei Audi spürt man die Krise der Automobilindustrie deutlich stärker. „Dieser Abbau von mehreren 1.000 Arbeitsplätzen in Ingolstadt ist ein schwerer Schlag für die Region“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

BMW spart bei der Erfolgsbeteiligung

Bei BMW soll die von 2020 an geltende Einigung nach Konzernangaben einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr einsparen. Bei der Erfolgsbeteiligung fällt der sogenannte Dividendenfaktor weg. Nach der neuen Formel hätte ein typischer Bandarbeiter der Tarifstufe ERA 5 laut BMW für das vergangene Jahr nicht mehr 9.100, sondern 7.600 Euro bekommen. Auch damit läge BMW aber noch deutlich über dem Branchendurchschnitt.

Zudem reduziert BMW bei Mitarbeitern, die freiwillig 40 statt 35 Stunden arbeiten, das Weihnachtsgeld und die Erfolgsbeteiligung. Eine pauschale Senkung der 40-Stunden-Vereinbarungen, die zwischenzeitlich im Gespräch war, soll es aber nicht geben. Mehr Geld gibt es für die Altersvorsorge. Künftig sollen pro Cent Dividende 2,40 Euro in die Altersvorsorge der Mitarbeiter fließen, maximal aber 1.200 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.

Stellenabbau von Audi trifft die Region hart

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger kündigte vor allem mit Blick auf Audi an, der Freistaat tue „alles, um die Arbeitsplätze in der Automobilbranche zukunftsfähig zu machen“. Der Chef der Agentur für Arbeit Ingolstadt, Johannes Kolb, sagte zwar, er erwarte kurzfristig keine großen Veränderungen bei der Arbeitslosigkeit. Gelinge es aber nicht, „den strukturellen Wandel und die veränderten Anforderungen an die Arbeitnehmer und ihre Qualifizierungen zu managen“, drohe mittel- und langfristig ein deutlicher Anstieg. Im Oktober lag die Arbeitslosenquote in Ingolstadt laut Kolb bei 1,9 Prozent.

Auch im Umland herrscht Sorge angesichts des angekündigten Stellenabbaus. „Er trifft die gesamte Region und damit auch den Landkreis Pfaffenhofen hart bei Arbeitnehmern und Zuliefererbetrieben“, sagte Landrat Martin Wolf (CSU).

Mitarbeiter demonstrieren in Schweinfurt

Dabei hätte es noch deutlich schlimmer kommen können, wie aus einem Schreiben des Betriebsrates an die Beschäftigten hervorgeht, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Die „Giftliste“ des Vorstands war lang“, heißt es darin. So sei unter anderem zunächst der Abbau von 14.000 Jobs geplant gewesen. Das Unternehmen wollte keine Details des Verhandlungsverlaufs kommentieren. Ein Sprecher betonte aber: „Wir haben einen guten Abschluss gefunden.“

In Schweinfurt demonstrierten am Mittwoch Tausende Mitarbeiter von Autozulieferern unter dem Motto „Sicherheit in unsicheren Zeiten“ für ihre Arbeitsplätze. Sie folgten einem Aufruf der Gewerkschaft IG Metall. Die Gewerkschaft sprach von 3.500 Teilnehmern, die Polizei von etwa 3.000.

Schweinfurt ist ein Schwerpunkt der Autozuliefer-Industrie in der Region. Bei den vier Werken der Unternehmen SKF, Schaeffler, ZF und Bosch-Rexroth sind nach Angaben der IG Metall mehr als 22.000 Mitarbeiter beschäftigt.

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