Verbrennungsmotor Start-up Namx entwickelt Wasserstoff-Verbrenner mit Wechsel-Tanks

Quelle: sp-x

Das Start-up Namx hat ein SUV entwickelt, dessen Motor Wasserstoff direkt verbrennt. Zusätzliche Reichweite sollen wechselbare Kraftstoffkapseln bringen.

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Das marokkanisch-französische Start-up Namx hat das Wasserstoff-Verbrenner-SUV „HUV“ entwickelt, das Hydrogen Utility Vehicle.
Das marokkanisch-französische Start-up Namx hat das Wasserstoff-Verbrenner-SUV „HUV“ entwickelt, das Hydrogen Utility Vehicle.
(Bild: Pininfarina)

Eine große Batterie im Unterboden oder eine Brennstoffzelle, in der aus Wasserstoff der zum Fahren nötige Strom erzeugt wird: So geht gemeinhin die Elektromobilität heute. „Kein guter Plan“, sagt Faouzi Annajah, einer der Gründer des jungen, noch weithin unbekannten marokkanisch-französischen Unternehmens NAMX. Seine Antwort auf den weltweiten Elektrohype dreht sich im grellen Scheinwerferlicht in einer karg möblierten Halle im Hauptquartier der italienischen Traditionsfirma Pininfarina. Diese hat sich vor allem mit dem Design weltberühmter Auto-Ikonen einen Namen gemacht und ist jetzt Teil des Teams, das die Autowelt wieder einmal verändern will.

Das Modell ist ein dickes SUV, gut fünf Meter lang, dessen kuppelförmiges Dach oberhalb der recht schmalen Seitenfenster zum Heck hin sanft abfällt. Ein Auto im Stil der trendigen Crossover, wie diese Mischung aus grobschlächtigem SUV und smartem Coupé getauft wurde. Nichts Ungewöhnliches also, Autos dieser Art bieten viele Hersteller. Die meisten Neuerscheinungen der letzten Monate haben natürlich eine große Batterie unterm Blech, fahren also rein elektrisch.

Ein Trend, dem sich Annajah und sein Team widersetzen wollen. Unter der schnörkellosen, aber klassischen Haube arbeitet ein Verbrennungsmotor, der alles andere als klassisch ist. Sein Kraftstoff ist reiner Wasserstoff, natürlich „grün“ erzeugt, zum Beispiel mit der Kraft der Sonne im Heimatland des Unternehmens, in Marokko oder anderen Anrainerstaaten des Mittelmeers.

„HUV“ statt „SUV“

„HUV“ nennt Faouzi Annajah sein neues Modell, was für „Hydrogen Utility Vehicle“ steht und das Abkürzungs-Alphabet um eine Variante erweitert. Namx will mit dem Wasserstoff aber keine Brennstoffzelle betreiben, die dann Strom erzeugt und über diesen Umweg das Auto zum E-Auto macht. Er geht lieber den kurzen Weg, bei dem der Motor den Wasserstoff direkt und vor allem schadstofffrei verbrennt.

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Zwei Versionen sollen spätestens im vierten Quartal 2025 auf den Markt kommen: eine mit Hinterradantrieb und 220 kW/300 PS, einer abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, einem Spurt auf Tempo 100 in 6,5 Sekunden und einem Preis je nach Ausstattung ab 65.000 Euro. Besser kann es der 405 kW/550 PS starke Namx mit zwei Motoren und Allradantrieb, 250 km/h, 4,5 Sekunden auf 100 km/h, der dann ab 95.000 Euro zu haben sein soll.

Wechselbare Kraftstoff-Kapseln

Beide Varianten haben eine Technik an Bord, die dem Namx zur Alltagstauglichkeit verhelfen sollen. Da das Netz von Wasserstoff-Tankstellen überall sehr dünn gestrickt ist, kommt eine Art von Reichweiten-Verlängerung zum Einsatz. Unter einer Klappe oberhalb des hinteren Stoßfängers sind sechs Gebilde sichtbar, die an verchromte Endrohre heutiger Fahrzeuge erinnern, aber eine Art Griff darstellen. Damit kann eine längliche Kapsel aus dem Heck gezogen werden; ein kleiner Wasserstofftank mit einem Fassungsvermögen von acht Kilogramm.

Da es sechs dieser Kapseln gibt, ergeben sich 48 Kilogramm. Die Tanks stehen unter hohem Druck, deshalb reicht die Energie der Kapseln zusammen mit dem Haupttank, dessen Fassungsvermögen noch unbekannt ist, für die angekündigte Reichweite von 800 Kilometern.

Tauschsystem für Wasserstoffkapseln

Namx will ein Verteilungssystem aufbauen, an dem leere gegen gefüllte Kapseln getauscht werden können. Dazu sicht das Start-up Partner, zum Beispiel Werkstätten, Tankstellen oder Baumärkte. Der Austausch einer Kapsel ist in rund 30 Sekunden erledigt. Das System ähnelt dem für die Gasflaschen, mit denen der Gartengrill betrieben wird.

Noch gibt es viele offene Fragen, die in den nächsten drei Jahren beantwortet werden müssen. So ist noch unklar, von wem und wo das Namx produziert werden soll, welcher große Autohersteller bereit ist, die afrikanisch-europäische Idee auf die Straße zu bringen. Es soll aber derzeit namentlich nicht benannte Interessenten für diesen Auftrag geben. Mitgründer Annajah räumt ein, dass viele Teile der HUV von bekannten Zulieferern kommen werden und auch noch nicht klar ist, wie das Innenleben gestaltet wird. „Wir tendieren mehr zu klassischen Armaturen und nicht zur virtuellen Welt, die die Autos zu rollenden Tablets oder Computer-Arbeitsplätzen macht“.

Klar ist dagegen die Gestaltung der Außenhaut, die von Namx und Pininfarina enthüllt wurde. Zentrales Thema ist der Buchstabe X, den die LED-Leuchten an Front und Bug nachzeichnen und der ein Erkennungsmerkmal werden soll. In gleicher Logik zeigt sich die Seitenpartie, deren durch Karosserielinien entstehendes „X“ sich genau an der Trennlinie der Türen schneidet. Die Publikumspremiere des Modells wird ab dem 17. Oktober auf dem Pariser Autosalon sein.

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