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Audi Q5 Straßenräuber - Technik, Lieferanten, Marktchancen

| Redakteur: Jürgen Goroncy / Hartmut Hammer

Ab Oktober mischt auch Audi in einem der am schnellsten wachsenden Segmente mit: bei den Kompakt-SUV. Allerdings ist der Q5 eine sehr straßenlastige Version.

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Der Audi Q5 ist ganz klar der Sportwagen unter den SUV. Er hat die Fahrdynamik einer Sportlimousine“, beschreibt Michael Dick, Vorstand Technische Entwicklung der Audi AG, den neuesten Spross. Er ist länger, breiter und flacher als die direkten Wettbewerber BMW X3 und Mercedes-Benz GLK. Der lange Radstand und kurze Überhänge machen ihn optisch „schnell“ und rücken ihn fast schon etwas zu nah an den Audi A4 Avant. Dagegen die Wettbewerber: Der X3 gibt optisch den stämmigen Naturburschen, der GLK wird als Typ mit Ecken und Kanten positioniert, in direkter Abstammung vom Offroad-Methusalem Mercedes-Benz G-Klasse.

„Die Straße ist sein wichtigstes Revier.“

Wenngleich sich auch X3 und GLK auf Asphalt sehr wohlfühlen, ist der Q5 konzeptionell wohl am konsequentesten für die Straße ausgelegt. „Der Q5 sieht aus wie ein hochgelegter Avant und fährt auch so“, sagt Christoph Stürmer, Automobilexperte beim Marktforschungsunternehmen Global Insight. Audi-Cheftechniker Michael Dick will dem nicht widersprechen: „Die Straße ist sein wichtigstes Revier.“ Dennoch sollen mit dem Quattro-Allradantrieb und den umfangreichen ESP-Funktionen auch Ausflüge in losen Untergrund möglich sein.

Für die Entwicklung des Q5 war übrigens die spanische Tochter Seat verantwortlich. Das Projekt verlief reibungslos, wie aus Entwicklerkreisen zu hören ist. An externe Dienstleister wurden diesmal relativ wenige Umfänge vergeben. Wer beim Q5 am Steuer sitzt, hat Audi zumindest für den europäischen Markt klar umrissen: vorwiegend männlich, im Schnitt etwa 45 Jahre alt, überwiegend verheiratet und mit einer hohen Affinität zu Technik und Design. Dick ist aber überzeugt, dass der Q5 auch das bietet, was sich viele Frauen wünschen: souveräne Sitzposition, ein Sicherheitsgefühl, kompakte Abmessungen und leichtfüßiges Fahren. „Meine Frau wartet schon auf ihn, weil sie die gute Übersicht bei kompakten Abmessungen schätzt.“

China als zweiter Heimatmarkt

Als wichtige Zielmärkte nennt Audi Deutschland, Großbritannien und die USA. Auch Osteuropa und Asien hat man im Visier. Von daher dürfte die Präsentation des Q5 im April 2008 in Peking kein Zufall gewesen sein. „Audi hat beschlossen, dass China zu einem zweiten Heimatmarkt wird“, gab Rupert Stadler, Audi-Vorstandsvorsitzender, auf der Auto China die Richtung vor. „Deshalb wollen wir hier auch ab und zu ein Auto als Weltpremiere vorstellen.“ Insgeheim wollte man bei Audi aber wohl dem Wettbewerber Mercedes-Benz das Feld nicht kampflos überlassen. Denn die Schwaben stellten just zum gleichen Zeitpunkt ihren GLK der Weltöffentlichkeit vor. Die Markteinführung des Q5 in China wird voraussichtlich Mitte 2009 sein – geplant ist eine lokale Fertigung im chinesischen Werk Changchun.

Kannibalisierungsgefahr für den Q7 sieht Audi nicht. Zum einen werde man 2009 einen besonders sparsamen Q7 3.0 TDI anbieten. Zum anderen betrachtet man den Q5 ganz klar als eine Art „Einstiegsdroge“ für wechselwillige Fahrer anderer Marken. Dass der Q5 aber nicht ohne Einfluss auf den Q7 bleibt, zeigt die Ankündigung, den ersten Serien-Hybridantrieb von Audi doch nicht im Q7, sondern ab 2009 im Q5 anzubieten. Begründung: Vom Kompakt-SUV erwarte man höhere Verkaufszahlen.

Das bestätigen auch die Analysten. Dabei dürfte sich der Q5 in den nächsten Jahren vor allem in Asien und Europa besser als der GLK verkaufen, während der Mercedes wohl in Nordamerika die Nase vorn haben wird. An den BMW X3 werden beide Neulinge noch eine ganze Weile nicht heranreichen. Dieser profitiert von seiner langen Marktpräsenz und der damit verbundenen hohen Typenvielfalt. Preislich liegt Audi mit dem Q5-Einstiegsmodell 2,0 TDI und 38 300 Euro etwas über einem vergleichbaren X3 (37 900 Euro) und deutlich unter einem entsprechenden GLK (40 300 Euro). Wesentlich günstiger gibt es den VW Tiguan (ab 27 200 Euro) und den Ford Kuga (ab 26 500 Euro).

So will Audi den Wettbewerb ärgern

7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, 6-Zylinder-Dieselmotor, 5 Sitzplätze, 4 angetriebene Räder, 3 Motoren bei Modellstart, 2 Lenksysteme und 1 Ziel: Mit dem Q5 bekommen der BMW X3 und Mercedes-Benz GLK nun erstmalig echte Konkurrenz.

Stilistisch und konzeptionell ist der Q5 eine Taschenausgabe des Q7. Technisch ist der neue Kompakt-SUV jedoch den Mittelklasse-Modellen A4 und A5 weit näher. So nah, dass A4, A4 Avant und Q5 in Ingolstadt auf dem gleichen Band gefertigt werden. Zwar sind die Abmessungen weitgehend unterschiedlich, Audi hat den Q5 aber systemgleich zu A4 und A5 ausgelegt. Das heißt: nahezu identische Fügeverfahren und Karosseriewerkstoffe, einheitliche Aufnahmepunkte für den Bauteiltransport sowie das gleiche Bordnetz und Prüfkonzept.

Allerdings nimmt der Q5 insofern eine Sonderstellung ein, als er in allen drei Motorvarianten nur mit dem Quattro-Allradantrieb erhältlich ist. Sein Grundmoment wird zu 40 Prozent auf die Vorder- und zu 60 Prozent auf die Hinterachse verteilt. In Extremsituationen sind aber auch 65 Prozent der Antriebskräfte an den Vorderrädern und bis zu 85 Prozent an den Hinterrädern darstellbar. Der 2,0-l-TDI-Motor überträgt seine Kraft mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe an die Räder. Ungewöhnlich an der Schaltbox ist das Magnesiumgehäuse. Weitaus bemerkenswerter ist jedoch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe für die Modelle 3,0 TDI und 2,0 TFSI. Es ist ausschließlich für den Allradantrieb konzipiert und wird im VW-Werk Kassel gefertigt.

Der 2,0-l-TFSI-Motor gehört wie der 1,8-l-TFSI-Motor zur 2007 eingeführten neuen Motorenbaureihe EA888. Das Aggregat mit 2,0-l-Hubraum hat die aus dem 2,8-l-FSI-Motor bekannte Valvelift-Technik, hier jedoch nicht an den Einlassventilen, sondern an der Auslassseite. Dabei handelt es sich um axial verschiebbare Nocken mit zwei unterschiedlichen Konturen. Elektromagnetische Aktuatoren verschieben diese Nocken bei Bedarf, sodass die Ventile entweder einen kleinen oder großen Hub ausführen. Zusammen mit der um 60 Grad verstellbaren Einlassnockenwelle sollen sie den Ladungswechsel verbessern und so für mehr Durchzug sorgen.

Hybridantrieb noch in 2009

Die beiden TDI-Motoren weisen eine Common-Rail-Einspritzung mit Piezoinjektoren, Acht-Loch-Düsen und bis zu 1 800 bar Einspritzdruck auf. Bis zu fünf Einspritzungen pro Arbeitstakt und kleinste Mengen von 0,8 Milligramm sind möglich. Verdichtet wird die Luft bei beiden Motoren durch Turbolader mit verstellbaren Leitschaufeln. Für Anfang 2009 hat Audi einen V6-Ottomotor mit 3,2-Liter-Hubraum und direkter Einspritzung angekündigt. Noch im gleichen Jahr soll es den Q5 mit Hybridantrieb geben – als Premiere in einem Audi-Modell. Er wird Anfang 2009 auf der Detroit Motor Show präsentiert und Lithium-Ionen-Batterien des Kooperationspartners Sanyo erhalten. Bis vor Kurzem wurde noch der Q7 als erstes Audi-Hybridfahrzeug genannt. Die für den Q5-Hybrid prognostizierten höheren Verkaufszahlen dürften letztlich ausschlaggebend für den Pferdewechsel gewesen sein.

Beim Fahrwerk wartet der Q5 ähnlich wie seine Schwestermodelle A4 und A5 mit einer Dynamiklenkung und dem adaptiven Regelsystem Drive Select auf. Die dynamische Lenkung verändert abhängig von der Fahrtgeschwindigkeit automatisch ihre Lenkübersetzung. So sind bei schneller Fahrt ein ruhiger Geradeauslauf und in der Stadt sowie auf kurvigeren Straßen ein direkteres Einlenken möglich. Im Verbund mit Drive Select sind die Kennlinien der Dynamiklenkung verstellbar.

Der Fahrer kann per Knopfdruck mit den Betriebsarten Comfort, Auto und Dynamic die Charakteristika von Motor (Fahrpedal-Kennlinie und Lastwechselverhalten), Getriebeautomatik (Drehzahlniveau der Gangwechsel), Dämpfung (Dämpfkraftniveau) und Lenkung (Verlauf der Lenkübersetzung abhängig von der Fahrtgeschwindigkeit) verstellen. Zudem hat er mit einem vierten Menü die Wahl, diese Einstellungen ganz individuell zu konfigurieren – mit insgesamt 24 Einstellmöglichkeiten.

Neu ist das Reifendruck-Kontrollsystem mit einer indirekt messenden, softwarebasierten Lösung des Zulieferers Nira. Es nutzt als Parameter den Abrollumfang und außerdem die Eigenschwingung des Reifens. Aus diesen Daten kann der Algorithmus nicht nur den Druckverlust eines Reifens sensieren, sondern auch einen möglichen Druckverlust gleich aller vier Räder. Damit bietet die Technik ähnliche Funktionalität wie direkt messende Systeme mit Reifensensor, benötigt aber keine Umbauarbeiten.

Neue Wege bei der passiven Sicherheit

Die Karosserie des Q5 besteht aus normal- und hochfesten Stählen (etwa 75 Prozent). An besonders beanspruchten Stellen kommen auch höher- und höchstfeste Qualitäten zur Anwendung. Extrem geforderte Crashelemente wie die B-Säulen, die Längsträger oder die inneren Seitenschweller bestehen aus warmumgeformten Blechen mit Zugfestigkeiten von bis zu 1 600 Megapascal. Diese borlegierten Stahlplatinen werden auf etwa 950 Grad Celsius erhitzt. Anschließend werden sie in einem gekühlten Werkzeug in Form gepresst und gleichzeitig abgeschreckt. Da dieses Verfahren keine Verzinkung zulässt (Schmelzpunkt des Zinks ist 420 Grad Celsius), sind die Bleche feueraluminiert.

Auch bei der passiven Sicherheit geht Audi neue Wege. Sensoren an den Sitzschienen erkennen die Position des Gestühls und berücksichtigen sie beim Auslösen der Rückhaltesysteme. Die beiden Frontairbags sind adaptiv, entfalten sich aber immer voll. Ist der Crash nicht allzu hart oder sitzt der Passagier weit vorn, lassen Ventile sofort wieder einen Teil des Volumens ab. Luxus aus der Oberklasse versprechen die Komfortsitze mit integrierter Belüftung. Kleine Ventilatoren in Sitzfläche und -lehne blasen in sechs Stufen Luft durch den perforierten Lederbezug direkt an den Körper. Neben der serienmäßigen Klimaautomatik kann der Kunde auch eine Dreizonen-Klimatisierung wählen.

Den Wettbewerbern voraus hat der Q5 eine um 100 Millimeter in der Länge verschiebbare Rückbank; diese Funktion ist für den 1/3- und 2/3-Teil unabhängig voneinander gegeben. Soll langes Ladegut transportiert werden, lässt sich gegen Aufpreis auch die Beifahrer-Sitzlehne umklappen. Ebenfalls aus der Oberklasse stammen die Assistenzsysteme des Q5: Das ACC verfügt neben der automatischen Abstandsfunktion über eine Teilbremsfunktion, um den Fahrer durch einen spürbaren Bremsruck zu warnen. Der Sideassist warnt den Fahrer beim Überholen vor Fahrzeugen im toten Winkel, und das Spurhaltesystem gibt ihm beim unbeabsichtigten Verlassen der eigenen Fahrspur einen Hinweis. Schließlich helfen drei Stufen der Einparkhilfe, kleine Rempler zu vermeiden.

Die Neuheiten des Audi Q5

Mit dem Q5 will Audi im SUV-Segment auch unterhalb des Q7 auftrumpfen. Ende 2010 erhält der Wagen als erster Audi einen Hybridantrieb – mit Li-Ionen-Batterien.

Elektronik

- Der elektrische Leitungssatz inklusive einiger Leitungsschächte stammt von Dräxlmaier. Er besteht aus getrennten Leitungssätzen für Cockpit und Innenraum, die sich wiederum aus 55 Modulen zusammensetzen. Er wird individuell konfektioniert und sequenzgenau der Endmontage zugeliefert.

- MMI-Multimediasystem, Dreizo- nen-Klimaautomatik von Behr, Bang & Olufsen-Soundsystem, Digitalradio von Bosch, neue Generation von Navigationsgeräten.

- Das MMI-Bediengerät stammt von Preh.

- Das Bedienelement für den Fahrermodus des Drive Select kommt aus dem Hause TRW.

Fahrwerk

- Serienmäßig mit Quattro-Allradantrieb, optional Fahrdynamiksystem „Drive Select“.

- ZF rüstet den Q5 mit CDC-Stoßdämpfern, einer hydraulischen Servolenkung, der optionalen Dynamiklenkung sowie dem Hinterradgetriebe für den Quattro-Antrieb aus.

- Nira liefert ein indirektes Reifendruck-Kontrollsystem, das neben dem Abrollumfang des Reifens auch dessen Eigenschwingung zur Berechnung des Reifendrucks heranzieht. Dadurch wird auch der gleichzeitige Druckverlust an allen vier Rädern erkannt.

- Die Vorderradbremsen stammen von TRW.

Sicherheits- und Assistenzsysteme

- Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, adaptives Kurvenlicht, Geschwindigkeitsregelung mit Warnbremsung sowie ESPplus von Bosch, Spurwechselassistent von Hella, Spurhalteassistent, Einparkhilfe mit Rückfahrkamera.

- Fahrer- und Beifahrerairbag verfügen über separate Ventile, die bei Bedarf den Gasdruck im Luftsack regeln.

So können z. B. kleinere Passagiere sanfter aufgefangen werden, das Verletzungsrisiko sinkt. Sensoren an den Sitzschienen detektieren die Sitzposition von Fahrer und Beifahrer. Diese Daten fließen in die Rückhaltestrategie ein.

- Autoliv liefert für den Q5 die Kopfairbags sowie die Sicherheitsgurte samt Schlösser im Fond.

Karosserie

- Längsträger in inneren Seitenschwellern bestehen aus warm umgeformten Stählen mit einer Zugfestigkeit von bis zu 1 600 Megapascal.

- Offroad-Paket mit Radhausverbreiterungen, dunklen Stoßfängern, Unterfahrschutz und modifizierten Türaufsatzleisten. Zusätzlich S-Line-Paket.

- Montaplast liefert Säulenverkleidungen, Türleisten, Kotflügelabdeckungen und Heckspoiler für den Q5.

Antrieb/Abgas

- Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist eine Eigenentwicklung des Volkswagen-Konzerns und wird hier erstmals in Verbindung mit einem Allradantrieb in einem Premiumfahrzeug eingesetzt.

- Im 2,0-l-TFSI-Motor kann bei den Ventilen auf der Auslassseite der Hub in zwei Stufen verstellt werden. Die Direkteinspritzsysteme für Benzin- und Dieselmotoren stammen von Bosch, dabei erzeugt etwa die Diesel-Hochdruckpumpe CP 4.2 einen maximalen Einspritzdruck von 1 800 bar.

- Federal Mogul liefert PVD-Kolbenringe, Aluminium-Gusskolben, Gleitlager und Dichtungen.

- Ein motornaher Dieselpartikelfilter mit vorgeschaltetem Oxidationskatalysator sowie die optionale Standheizung stammen von Eberspächer.

- Boysen liefert Katalysatoren, Dieselpartikelfilter und Schalldämpfer für die Q5-Motoren.

- Die Dieselmotoren verfügen über mehrlagige Zylinderkopf- und Flachdichtungen von Victor Reinz.

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