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Wirtschaft

Strategie 2025: Volkswagen stellt sich neu auf

| Redakteur: Thomas Günnel

Volkswagen hat sein Zukunftsprogramm „Strategie 2025“ vorgestellt, mit dem sich der Konzern umfassend neu aufstellen will. Die Schwerpunkte sind das neu auszurichtende Komponentengeschäft und der Fokus auf die Elektromobilität.

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Volkswagen hat sein Zukunftsprogramm „Strategie 2025“ vorgestellt. Konzernchef Matthias Müller erklärte am 16. Juni der Presse dessen Inhalte.
Volkswagen hat sein Zukunftsprogramm „Strategie 2025“ vorgestellt. Konzernchef Matthias Müller erklärte am 16. Juni der Presse dessen Inhalte.
(Bild: Volkswagen)

Einen „tiefgreifenden Umbau des automobilen Kerngeschäfts“ verkündete Volkswagen heute (16. Juni) vor der Presse in Wolfsburg. Konkreter: Volkswagen baut sein Komponentengeschäft um, zudem hat der Konzern die Elektromobilität fest im Blick: Insgesamt sollen in den kommenden zehn Jahren mehr als 30 rein batterieelektrische Fahrzeuge auf den Markt kommen. Deren Absatz im Jahr 2025 prognostiziert VW mit zwei bis drei Millionen Einheiten – entsprechend einem Anteil von und 20 bis 25 Prozent am dann erwarteten Gesamtabsatz. Entsprechend verdichten sich die Anzeichen für eine eigene Batterieproduktion – es wäre ein weiteres Kompetenzfeld, das VW erschließen will. Konzernchef Müller will eine Batteriezellfertigung indes nicht bestätigen, man prüfe aber alle Opionen: „Wir setzen uns mit der gesamten Wertschöpfungskette der Batterietechnik auseinander. Das beginnt beim Rohmaterial und endet beim fertigen Auto. Und da müssen wir uns die einzelnen Prozessschritte anschauen und entscheiden, in welche Prozessschritte wir investieren.“ Hier zeigt sich Müller offen für Kooperationen: „Derzeit gehen und analysieren wir bei der Batterietechnik alleine. Was unter dem Strich dabei rauskommt, müssen wir sehen. Das Thema Partner würde ich aber ausdrücklich nicht nur auf die Automobilindustrie beschränken.“

Neu aufgestelltes Komponentengeschäft

Das Komponentengeschäft mit derzeit zirka 67.000 Mitarbeitern an 26 Standorten will der Konzern neu aufstellen – die entsprechenden Aktivitäten über alle Marken hinweg bündeln und neu ausrichten. Das Ziel dahinter: eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit und maßgebliche Beiträge etwa für die Elektromobilität. Zu den Hintergründen erklärte VW-Chef Matthias Müller: „Wir gründen ein eigenes Unternehmen, das zunächst den Bedarf des Volkswagenkonzerns befriedigt. Wir halten uns die Option offen, inwieweit wir im Markt tätig werden.“ Es sei aber noch zu früh, um konkrete Pläne zu verkünden: „Das Thema Komponente ist erstmal ein Beschluss, wir lösen es aus der Marke VW heraus. Wie das organisatorisch abläuft, erarbeiten wir in den nächsten Wochen. Der Standort wird sicherlich in Wolfsburg oder in der Nähe sein. Die Absicht ist, das gesamte Geschäft innerhalb des Konzerns profitabler zu machen und zu gegebener Zeit auch extern für den Wettbewerb. Der Grundsatzbeschluss Komponente steht, aber die Ausführungsbestimmungen dazu erarbeiten wir erst und entscheiden sie ebenfalls im Herbst dieses Jahres final mit allen Parametern“, sagte Müller. Das neue Unternehmen könnte somit entsprechend außerhalb des Konzerntarifs agieren – und damit günstiger. Einen ähnlichen Weg gingen vor Volkswagen schon Ford mit Visteon und GM mit Delphi.

Geschäftsfeld für Mobilitätslösungen

Dritter Schwerpunkt der Konzernstrategie ist der Aufbau eines markenübergreifenden Geschäftsfelds für Mobilitätslösungen. Die neue Einheit soll am Kundenbedarf orientierte Angebote selbst aufbauen und zukaufen – mit der Vermittlung von Fahrdienstleistungen auf Abruf, dem sogenannten „Ride Hailing", als Kern- und Startthema. Später sollen weitere Dienste wie Robotaxis, Carsharing oder Transport-On-Demand entstehen. Im Bereich Ride Hailing hat der Volkswagen-Konzern bereits Ende Mai sein erstes Engagement auf den Weg gebracht: eine strategische Partnerschaft mit dem On-Demand-Mobilitätsunternehmen Gett. Thomas Sedran, Leiter Volkswagen-Konzernstrategie: „Wir wollen unter den führenden Anbietern nachhaltiger Mobilität sein. Wir sind dazu anders vorgegangen als unsere Mitbewerber, die sich zum Teil nur mit einem kleinen Anteil bei den großen Amerikanern (Toyota bei Uber, Anm. d. Red.) eingekauft haben. Durch die Beteiligung bei Gett haben wir mehr Einfluss auf das, was da passiert. Wir verstehen besser, wie wir selber daraus Gewinn herausschlagen können.“ Das detaillierte Programm will Volkswagen bis Jahresende präsentieren. Es schließt dann auch den „Zukunftspakt" für die Marke Volkswagen ein, an dem Markenvorstand und Betriebsrat seit Anfang Juni arbeiten. Dabei geht es um eine substanzielle Steigerung von Effizienz, Produktivität und Profitabilität. Neue Kompetenzfelder sind ein weiterer Punkt auf der Agenda. So will der Konzern bei den Zukunftsthemen autonomes Fahren und künstliche Intelligenz ein selbstentwickeltes, wettbewerbsfähiges Konzept eines „ self driving system“ bis zum Ende der Dekade bereitstellen. Außerdem forciert VW die Digitalisierung in allen Bereichen und Marken. Zugleich setzt das Unternehmen künftig stärker als bisher auf Partnerschaften, Zukäufe und Venture-Capital-Investments. Die Auswahl der Engagements erfolgt künftig zentral.

Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich

Für sein Nutzfahrzeuggeschäft, das derzeit die Marken Scania, MAN und Volkswagen Nutzfahrzeuge umfasst, plant Volkswagen einen „globalen Champion“: Volkswagen Truck & Bus soll als Mehr-Marken-Anbieter über den Zyklus hinweg zum profitabelsten Unternehmen der Branche werden, mit einer signifikanten Präsenz in allen wichtigen Weltregionen. Die Expansions- und Investitionspläne des Unternehmens für Nordamerika und China bleiben bestehen. Das Economy-Segment, also das etwa für Asien besonders relevante Segment preiswerter Basisprodukte, will Volkswagen dabei gemeinsam mit Partnern aus der Region erschließen. Gespräche dazu sind laut Unternehmen fortgeschritten. Auch das Thema Budgetcar verschärft der OEM in Asien mit Partnern wieder. Hier seien die Gespräche schon weit vorangeschritten. Neben den bestehenden Joint-Venture-Partnern spreche man mit weiteren Unternehmen.

Für Zukunftsthemen veranschlagt Volkswagen im Rahmen der „Strategie 2025" konzernweit Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich. Für deren Finanzierung will der Konzern deutlich effizienter werden – von der Produktentstehung über den Einkauf und die Produktion bis zum Vertrieb. Konkret soll bis zum Jahr 2025 die Quote der Sachinvestitionen im Verhältnis zum Umsatz im Automobilgeschäft sechs Prozent betragen. Auch die Effizienz der Forschungs- und Entwicklungsausgaben soll sich signifikant verbessern, die entsprechende Quote im Gegenzug auf sechs Prozent sinken. Zudem sollen die in den vergangenen Jahren im Verhältnis zum Umsatz deutlich gestiegenen allgemeinen Vertriebs- und Verwaltungskosten auf unter zwölf Prozent sinken. „Fahrzeuge zu entwickeln, zu bauen und zu vertreiben wird einschließlich der damit verbundenen Finanzdienstleistungen auch künftig essenziell für den Volkswagen-Konzern sein. Mit der heute eingeleiteten Transformation verändern wir jedoch das Gesicht unseres Kerngeschäfts. Ein so tiefgreifender Wandel, wie wir ihn vorhaben, kann nur gemeinsam gelingen“, sagte Vorstandschef Müller.

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