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Automatisiertes Fahren Studie: Deutsche zurückhaltend bei autonomen Autos

| Redakteur: Wolfgang Sievernich

Eine Studie der Commerzbank sieht in China das größte Interesse am vollautomatisierten Fahrzeug. USA und erst dann Europa folgen auf den Plätzen.

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Auch wenn die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner beim autonomen Fahren entspannt, sind die Deutschen im Grundsatz eher skeptisch aufgelegt.
Auch wenn die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner beim autonomen Fahren entspannt, sind die Deutschen im Grundsatz eher skeptisch aufgelegt.
(Bild: Audi)

Laut einer Studie der Commerzbank sieht die Zukunft des fahrerlosen Autos eigentlich vielversprechend aus – weltweit betrachtet. Für die Studie wurden 8.500 Verbraucher in 15 Ländern befragt, die in den letzten fünf Jahren ein Auto gekauft haben. Auch wenn zwei von drei Deutschen (67 Prozent) glauben, dass autonome Fahrzeuge realistisch werden, so sind die USA (75 Prozent) und vor allem China (92 Prozent) deutlich überzeugter.

Mobilität der Gesellschaft verändert sich

Die Deutschen geben das Lenkrad ungern aus der Hand. Nicht umsonst wird die „Freude am Fahren“ bei BMW als Markenclaim groß geschrieben. Nur 44 Prozent der Deutschen sind an der Nutzung eines autonomen Autos interessiert und liegen damit deutlich hinter dem weltweiten Durchschnitt von 55 Prozent. Ganz anders in China: dort wollen satte 91 Prozent der Chinesen ein autonomes Fahrzeug nutzen. Die Verkehrsfülle, tägliche Staus und Smog in den Großstädten schaffen Interesse an der fahrerlosen Fortbewegung. Und noch mehr spricht für den maschinellen Chauffeur: der Verzicht auf den Führerschein und dennoch die Fortbewegung quer durch das Land. „"Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel in Europa verändert das fahrerlose Auto die Mobilität der älter werdenden Gesellschaft."

Technische Rückschläge sorgen in USA für Skepsis

Während die Industrie genau abschätzen kann, wann das autonome Fahrzeug auf den Markt kommen könnte, fallen die Prognosen der Verbraucher unterschiedlich aus. Besonders euphorisch sind die Schwellenländer: Mit 36 Prozent steht Mexiko an der Spitze, während klassische Autonationen wie Deutschland, England und die USA skeptisch bleiben. So glaubt nur knapp jeder dritte US-Amerikaner (32 Prozent), dass er in weniger als fünf Jahren Besitzer eines autonomen Autos sein könnte. Die Analysten sehen hier die öffentlichkeitswirksamen technischen Rückschläge der selbstfahrenden Google und Apple-Fahrzeuge als Gründe für das wachsende Desinteresse der Amerikaner.

Prognose: vollautonom erst in zehn Jahren

Auch in Deutschland denken sieben von zehn Verbrauchern (70 Prozent), dass sie erst nach 2020 ein autonomes Auto besitzen werden. Dr. Volker Lüdemann, Professor für Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht an der Hochschule Osnabrück, ist noch vorsichtiger: "Es werden sicherlich noch mindestens zehn Jahre vergehen, bis wir vollautonom unterwegs sind. Selbstfahrende Autos werden sich dabei voraussichtlich schrittweise durchsetzen. Zunächst auf der Autobahn. Dort ist der Verkehr weniger komplex, weil daran keine Fußgänger und Radfahrer beteiligt sind."

Positive Aussichten gibt es dagegen auf dem Arbeitsmarkt: 27 Prozent der Deutschen glauben, dass sich die Entwicklung des vernetzten Autos als Vorstufe des autonomen Fahrens zusätzliche Arbeitsplätze schaffen wird. Weltweit sind es sogar 34 Prozent.

OEMs contra Software Unternehmen

Während die Chinesen bei der Entwicklung automatisierter und autonomer Fahrzeuge verstärkt auf Software-Firmen mit Sitz in Silicon Valley setzen, so sehen die Deutschen (74 Prozent) die traditionellen Automobilhersteller an der Spitze der Entwickler. Allerdings: obwohl die Deutschen den etablierten Autoherstellern treu bleiben, würden 33 Prozent auch ein selbstfahrendes Auto von Google oder Apple kaufen.

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