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Elektromobilität Studie: Tesla ungeschlagen, China holt auf

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Alix Partners präsentiert den neuen Elektrifizierungsindex – und bewertet einzelne Autobauer nach ihrem Erfolg in puncto E-Mobility. Die Ergebnisse zeigen unter anderem ein starkes China; BMW hat eine große Dynamik in der Elektrifizierung entwickelt.

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(Bild: Auto-Medienportal.Net/BMW )

Das Rennen um die Elektrifizierung des Antriebsstrangs hat in der globalen Autoindustrie Fahrt aufgenommen. Deshalb ermittelt der „Alix Partners Automotive Electrification Index“ quartalsweise die elektrische Reichweite der verkauften Fahrzeuge nach Weltwirtschaftsregionen, Ländern und Autoherstellern. Zusätzlich ausgewertet wird der Elektrifizierungsgrad der verkauften Gesamtfahrzeugflotte.

Was zeigen die ersten Ergebnisse? – Die regionalen Unterschiede sind deutlich, die Autobauer scheinen die Elektrifizierung ihrer Flotten mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten voranzutreiben und Tesla spielt weiterhin in einer eigenen Liga.

Elektrifizierungsgrad hat sich verfünffacht

Marktanteil und Anzahl der weltweit verkauften batteriebetriebenen Fahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge und Plug-in-Hybride haben sich seit dem ersten Quartal 2013 bis zum zweiten Quartal 2017 ungefähr versechsfacht. Die Anzahl der verkauften Elektrofahrzeuge wuchs von 41.023 (Q1/2013) auf 260.411 (Q2/2017). Mehr als versechsfacht hat sich laut des Index analog dazu auch die insgesamt verkaufte elektrische Reichweite aller Fahrzeuge.

Der zusätzlich in der Alix-Partners-Analyse erhobene Elektrifizierungsgrad der verkauften Fahrzeugflotte hält damit nicht ganz Schritt. Er hat sich etwas mehr als verfünffacht. Auch wenn der Trend in beiden Fällen deutlich nach oben weist, ist die Volatilität hoch; Rückgänge in Einzelquartalen sind durchaus möglich. Alix Partners führt den Einbruch in beiden Analysen im ersten Quartal 2017 auf das vorübergehende Aussetzen staatlicher Anreizprogramme in China zurück.

China vom Schlusslicht zur Spitzenposition

Mit Blick auf die großen Weltwirtschaftsräume China, Europa, Nordamerika und Japan/Korea – die gemeinsam 86,3 Prozent (Q2/2017) des weltweiten Kfz-Absatzmarktes ausmachen – sticht besonders Chinas Stärke ins Auge. Denn: Im zweiten Quartal 2017 wurden dort laut Index Fahrzeuge mit insgesamt rund 22,5 Millionen Kilometern an elektrischer Reichweite abgesetzt, in Europa mit circa 12,6 Millionen Kilometern kaum mehr als die Hälfte. Nordamerika folgt mit rund 10 Millionen, der Wirtschaftsraum Japan/ Korea mit 2 Millionen Kilometern. Dieselbe Reihenfolge zeigt der Elektrifizierungsgrad der verkauften Fahrzeugflotte, auch wenn die Abstände zwischen den Weltwirtschaftsräumen weniger groß sind.

China vollzieht dabei eine rasante Entwicklung. „Sowohl der europäische als auch der nordamerikanische und der japanisch-koreanische Absatzmarkt drohen bei der Elektrifizierung hinter China zurückzufallen. Das ist eine große Herausforderung nicht nur für die Automobilindustrie, sondern auch für die Regierungen vieler Staaten, die voraussichtlich noch stärker über Anreiz- und Infrastrukturprogramme nachdenken werden“, sagt Marcus Kleinfeld, Director bei Alix Partners.

Top-Position von kleinen europäischen Ländern mit hoher Kaufkraft

Regulationen und staatliche Anreizprogramme können die Fortschritte der Elektrifizierung beschleunigen. Sehen kann man dies an einzelnen Staaten – sie liefern ein differenzierteres Bild als die weltwirtschaftlichen Großräume. Zwar kann sich die Volksrepublik China mit knapp 22,5 Millionen verkauften Elektrokilometern (Q2/2017) auch im Länder-Ranking des Index den Spitzenplatz sichern. Beim Elektrifizierungsgrad der Gesamtflotte liegen aber weltweit ganz andere Staaten vorne. So belegen mit Norwegen, Island, den Niederlanden, Österreich, Schweden und der Schweiz eher kleine, europäische Länder, die eine vergleichsweise hohe Kaufkraft aufweisen und zum Teil umfangreiche staatliche Anreiz- und Infrastrukturprogramme aufgelegt haben, die ersten sechs Plätze im globalen Ranking.

Der Elektrifizierungsgrad der in Norwegen im zweiten Quartal 2017 verkauften Autos war mit 11,86 Prozent absolute Spitze. China belegt in diesem Ranking lediglich den neunten Platz, liegt damit aber noch vor den USA (Rang 14) und Deutschland (Rang 15).

Tesla spielt in eigener Liga, chinesische Hersteller holen auf

Im Ranking der Hersteller besetzt Tesla unangefochten Platz Eins – mit über 10 Millionen verkauften elektrischen Kilometern im zweiten Quartal 2017 hält der Hersteller einen globalen Marktanteil von mehr als 22 Prozent. Auch beim Elektrifizierungsgrad ist Tesla führend und erreicht mit seiner voll elektrifizierten Modellpalette in den untersuchten Quartalen immer wieder die Einhundertprozentmarke.

Unter die Top Ten der Autohersteller haben sich mit BYD, BAIC, Geely, Zhidou und Jianghuai gleich fünf chinesische Produzenten geschoben. Punkten können auch die Großen unter den Europäern, US-Amerikanern, Japanern und Koreanern. Renault-Nissan, weltweit drittgrößter Autohersteller, kommt mit 6 Millionen verkauften Kilometern auf Platz 2, General Motors auf Platz 5 (2,64 Millionen Kilometer), Volkswagen als weltweit größter Automobilhersteller folgt auf Platz 11. Beim Elektrifizierungsgrad der verkauften Autos fallen die Fortschritte chinesischer Hersteller noch stärker auf. Unter den Top Ten sind mit Zhidou, BYD, Zotye, BAIC, Chery, Jianghuai, Jiangling und Geely gleich acht chinesische Hersteller vertreten.

BMW stark in den letzten Quartalen

In puncto Elektrifizierungsfortschritte der europäischen Hersteller ist das Bild geteilt: Eine Seitwärtsentwicklung mit einem leichten Wachstum zeigt etwa PSA, Daimler wächst leicht, bei Volkswagen ist eine stärkere Zunahme der verkauften elektrischen Reichweite zu beobachten. Angeführt wird das Feld der Europäer von Renault-Nissan. Insgesamt ist ein eher ruhiges Fortschreiten der europäischen Autohersteller zu beobachten – wovon nur die Entwicklung bei BMW abzuweichen scheint. Die von BMW verkaufte elektrische Reichweite hat sich in den letzten Quartalen vervielfacht und erreichte im zweiten Quartal 2017 mit 2,03 Millionen Kilometern Rang 2 unter den Europäern. Dass BMW eine Sonderrolle einnimmt, wird im Blick auf den Elektrifizierungsgrad der verkauften Flotte nochmals deutlicher: Hier verdrängte BMW sogar den europäischen Spitzenreiter Renault-Nissan im dritten Quartal 2016 und liegt seitdem auf den ersten Platz.

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