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Historische Fahrzeuge Techno-Classica 2016: Glänzende Parallelwelt

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Christoph Seyerlein

Die Techno-Classica als größte Oldtimermesse der Welt zeigte es im April eindrucksvoll: Der automobile Klassikbereich boomt wie nie zuvor. Ein Rundgang durch eine Parallelwelt.

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2.500 angebotene Fahrzeuge, 1.250 Aussteller und mehr als zwei Dutzend internationale Autohersteller – die Techno-Classica ist die größte Oldtimermesse der Welt.
2.500 angebotene Fahrzeuge, 1.250 Aussteller und mehr als zwei Dutzend internationale Autohersteller – die Techno-Classica ist die größte Oldtimermesse der Welt.
(Foto: press-inform)

Der tiefgrüne Bentley 4,5 Litre Blower aus dem Baujahr 1930 steht in Halle 11 der Gruga-Messe etwas am Rande. Trotz aufgeklappter Motorhaube und Bestzustand gehen die meisten Besucher an dem legendären Vorkriegsmodell mit Le-Mans-Historie ohne größere Beachtung vorbei. Ein paar Meter weiter sieht das ganz anders aus. Ein weißer Porsche 911 S, ein gelbes T-Modell gleicher Basis, ein Aston Martin DB5 und ein Lancia Delta Integrale erfreuen sich größter Beliebtheit. Kameras klicken, Verkleidungen werden angehoben und der Köpfe entrückt fachsimpelnd in die Motorräume gesteckt. Die meisten Messestände sehen aus, als wären sie im Stile von Schuhgeschäften aus den 60ern inszeniert worden. Jeder Zentimeter wird ausgenutzt; kaum etwas lässt sich genau beurteilen – geschweige denn eine Fahrzeugtür sich öffnen. Halle an Halle auf der Techno Classica 2016 wirkt wie eine historische Automobilorgie – man lebt im Überfluss und suhlt sich allzu wohlig darin. 2.500 angebotene Fahrzeuge, 1.250 Aussteller und mehr als zwei Dutzend Autohersteller aus der ganzen Welt – das bietet weltweit keine andere Klassikveranstaltung. Selbst in den Oldtimer-Wolkenkucksheimen in Pebble Beach, am Comer See oder Amelia Island kennt man die Techno-Classica in Essen – auch wenn kaum einer auch nur annähernd weiß, wo das Herz des Ruhrgebiets liegen könnte.

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Von Jahr zu Jahr wird der Luftballon aus phantastischen Wertsteigerungen größer. Klassiker, die einst mit 20.000, 40.000 oder 60.000 Euro bereits stramme Verkaufspreise erzielten, sind längst in sechsstellige Sphären entschwunden. Die Gründe für den anhaltenden Young- und Oldtimerboom liegen weltweit auf der Hand: Zum einen haben klassische Fahrzeuge die Menschen schon immer begeistert. Zum anderen locken manche Oldtimer nach wie vor mit Wertsteigerungen, die zum Jahrtausendwechsel allenfalls kühne Aktienpakete offerierten. Und dann ist da der emotionslose Markt der aktuellen Autos. Hier dreht sich zunehmend alles um intelligente Fahrerassistenzsysteme, das rechte Downsizing, hohe Sitzpositionen oder das autonome Fahren. Politisch inkorrektes PS-Geprotze ist out und die Autohersteller kämpfen mit Regulierungsbehörden sowieso um die letzten Gramm CO2.

Als die Autowelt noch in Ordnung war

Kein Wunder, dass Autos hierdurch zunehmend unsexy werden. Der Anteil der Dienstwagenfahrer wird immer größer und so mancher möchte am Wochenende eben doch nicht mit einem silbernen VW Passat Variant 2.0 TDI Bluemotion oder einem dunklen BMW 318d xdrive Touring durch die Gegend kutschieren. Da besinnt man sich nur allzu gern seiner Kindheit, als die automobile Welt zumindest aus der verklärten Retrospektive noch in bester aller Ordnungen war. Netter Nebeneffekt: es gibt sowieso keine Zinsen auf dem Tagesgeldkonto und da kommt ein Klassiker auf dem Sprung zum H-Kennzeichen doch gerade Recht. Wohin so etwas führen kann, ist in den prall gefüllten 21 Hallen an der Gruga (Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung) bestens zu sehen. Auf den meisten Messeständen kann man kaum einen Schritt vor den anderen setzen, weil sich Young- und Oldtimer dichter als dicht aneinanderdrücken. Die Informationsschilder in den Windschutzscheiben weisen Preise aus, dass einem nicht nur in den ersten Hallen der Atem stockt.

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Über den Autor

 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist