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Historische Fahrzeuge

Techno-Classica 2016: Glänzende Parallelwelt

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Porsche 911er so weit das Auge reicht

Die unüberschaubare Armee der Porsche 911 jeglicher Ausgestaltung ist nicht nur in ihrer Vielzahl beängstigend. So tummeln sich rund um den weißen Porsche 911 T 2.2 von 1970 für 96.900 Euro auf dem Freigelände vor Halle 7 genauso viele Schaulustige, wie um den grellgrünen 911 Carrera 2.7 RS, für den aus dem stimmungsvollen Jahr 1973 in Halle 7 stramme 749.000 Euro aufgerufen werden. Da nimmt man eine Alfa Romeo Giulietta 1.6 der Serie I aus dem Jahre 1980 für 7.000 Euro mit einem ebenso zufriedenen Nicken zur Kenntnis wie den Renault 5 GTL, einen Citroen DS 21 oder den beigen Ford Granada 2.3 GL von 1981. Die Schar der Mercedes 300 SL Flügeltürer wird überrestauriert wie eh und je immer kleiner. Stattdessen fahren sich immer mehr 220er und 190 SL Versionen in die finanzstarke Öffentlichkeit. Das weiße Mercedes 220 Cabriolet soll dem niederländischen Händler 145.000 Euro bringen und der unrestaurierte 190 SL in schwarz-weiß von 1960 trägt ein stattliches Preisschild: 124.900 Euro. Einen Lamborghini Countach der letzten Generation wollten vor Jahren allenfalls eingefleischte Stier-Fans mit gedanklichem Lebensmittelpunkt Santa Agata in der Garage haben – heute kostet so ein Modell an der Ruhr lockere 590.000 Euro.

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Für den orangefarbenen BMW 2002 tii von 1975 ruft der schwedische Händler 55.000 Euro auf. Der dynamische Bayer ist einer der zahllosen Jubilare auf der größten Klassikmesse der Welt. Der 02er feiert 2016 ebenso einen runden (40.) Geburtstag, wie die W 140er-Baureihe der Mercedes S-Klasse (25 Jahre), der Jensen Interceptor (50 Jahre), Lamborghini Miura (50 Jahre) oder der längst zum Klassiker gewordenen VW Golf GTI, der ebenfalls seinen 40. Jahrestag zelebriert. Gerade die jüngeren Oldtimer und Youngtimer stehen in Essen deutlich mehr im Vordergrund als noch vor Jahren. Dazu geben die Europäer, vor allem Modelle aus Deutschland, England und Italien, klar den Ton an, während sich auf dem Markt der Amerikaner abgesehen von den ungebrochen solide gepreisten Muscle Cars wenig tut. Nach wie vor kaum existent sind historische Japaner, von denen auf der Techno-Classica nur ein paar Handvoll sportlicher Versionen und Toyota Land Cruiser nennenswerte Aufmerksamkeit bekommen.

Vorkriegsmodelle sind out

Klar auf dem absteigenden Ast in den Gruga-Hallen: die meisten Vorkriegsmodelle, von denen allenfalls ein BMW 328 oder einen Alfa Romeo 6C aus der schwächelnden Verkaufsmasse heraussticht. Was das für die Marktpreise bedeutet, wird man schnell bei den internationalen Oldtimerversteigerungen und den Preisverleihungen sehen. Doch die Messe in Essen lebt nicht von den gleißend hellen Ständen der Autohersteller, die die historische Leistungsschau längst zu einer ertrag- und imageträchtigen Marketingplattform entdeckt haben oder den zahllosen Klassikhändlern mit ihren astromischen Verkaufserwartungen. Wenn sich etwas auf der Techno-Classica nicht geändert hat, dann sind es die hunderte von Teilehändlern, die von einem Blinkerhebel für einen Heinkel über Fußmatten für den Jaguar E-Type bis zum Kofferset für den Citroen 2CV alles anbieten, was nur annähernd etwas mit klassischen Autos zu tun haben könnte. Dazu die kaum kleinere Anzahl von Devotionalien-Tandlern, bei denen es weit mehr zu entdecken gibt, als großformatige Steve McQueen Poster, die mittlerweile eine ähnlich hohe Auflage wie Siebdrucke von Roy Lichtenstein haben dürften.

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