Fahrbericht Nio ET5: „Bleiben Sie konzentriert!“

Von Thomas Günnel Lesedauer: 3 min |

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Der chinesische Autohersteller Nio kommt in diesem Jahr mit drei Modellen auf den deutschen Markt. Wir haben die Mittelklasse-Limousine ET5 getestet. Spoiler: Ist gut geworden.

Der Nio ET5 fährt in der Mittelklasse vor – und kann einigen Konkurrenzen zeigen, wo es lang geht.
Der Nio ET5 fährt in der Mittelklasse vor – und kann einigen Konkurrenzen zeigen, wo es lang geht.
(Bild: Thomas Günnel/Automobil Industrie)

Nio hat die Limousine ET5 auf den europäischen Markt gebracht. Sie konkurriert hier der Größe nach mit Audi A6 und BMW 5er. Muss sich Nio deswegen sorgen? Nein. Optik, Verarbeitung, Materialanmutung: Alles am ET5 wirkt hochwertig und fühlt sich auch so an. Unterschiede zu europäischen Herstellern: marginal oder nicht wahrnehmbar. Soft-close-Türen und ausfahrende Türgriffe tragen zum guten ersten Eindruck bei. Die Sitze sind sehr gut, beheizt, belüftet und mit Massagefunktion – und selbst mit knapp zwei Metern Körpergröße gab es auch nach stundenlanger Fahrt keine Probleme.

Die Reichweite mit dem großen Akku mit 100 Kilowattstunden Kapazität beträgt realistische 450 Kilometer, mit Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn. Laden lässt sich die Limousine mit bis zu 130 Kilowatt. Optional kann der abonnierte Akku an automatisierten Stationen getauscht werden. Das dauert unter zehn Minuten. Aktuell gibt es in Deutschland sieben davon. Weitere 15 sind laut Nio aber geplant. Bis zum Jahr 2025 sollen sie „in strategisch sehr guten Lagen“ entstehen.

Rakete und Cruiser

Die Fahrwerte des ET5 sind sehr gut. Wenn es sein muss geht es in vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Entspannt funktioniert aber auch. Das Fahrwerk ist straff, aber komfortabel genug, um lange Strecken entspannt zurückzulegen. Merkwürdig ist die Einstellung der Lenkung in den unterschiedlichen Modi. „Sport“ führt zu einer recht leichtgängigen Lenkung. Der Modus „Eco“ dazu, dass die Lenkung so straff reagiert, wie wir es uns in „Sport“ wünschen würden. Aufgefallen ist außerdem die Verkehrszeichenerkennung, die nicht immer zuverlässig funktionierte – hier helfen hoffentlich die OTA-Updates, die es geben wird.

Für den Vortrieb sorgen ein 150-kW-Asynchronmotor an der Vorderachse und ein 210-kW-Synchronmotor an der Hinterachse. Gemeinsam leisten sie 360 Kilowatt und haben ein Drehmoment von 700 Newtonmetern.

Lernende Sprachassistenz

Beim Infotainment kommt Nios Sprachassistentin „Nomi“ in Spiel. Der Name leitet sich ab von „Know Me“ – und ist als Hinweis zu verstehen, dass die schwarze Kugel mit Augen mittig auf dem Cockpit mehr kann als gesprochene Befehle entgegenzunehmen und dann das Fenster zu öffnen, die Klimatisierung einzustellen oder den nächsten Musiktitel zu spielen.

Ein sehr natürliches „Guten Abend!“ beim Einsteigen ins Auto und ein Blick aus zwei digitalen Augen in Richtung Fahrer heben die Stimmung vor der Fahrt. Dass wir während des Tests zweimal zurück gegrüßt haben, spricht wohl für die Authentizität des Systems. Den gleichen psychologischen Effekt nutzt Nio für die Fahrerassistenz. Bleibt der Blick während der Fahrt zu lange am großen Display in der Fahrzeugmitte hängen, mahnt Nomi mit einem freundlichen aber bestimmten „Bleiben Sie konzentriert!“.

Wir hatten in der Redaktion schon viele Testautos und kennen das Gepiepse, Geklingel, Vibrieren – all die Aktionen die die Systeme unternehmen, um den Fahrer an seine Fahraufgabe zu erinnern. Alle ließen sich recht gut ignorieren – die Stimme nicht. Ich will doch keinen Ärger mit der KI des Autos. Alle Funktionen sind auch per Touchbefehl steuerbar. Das Menü auf dem großen Display ist verständlich aufgebaut und intuitiv nutzbar.

Künstliche Intelligenz im Cockpit

Klappt mal ein Sprachkommando nicht, kommentiert Nomi: „Das habe ich leider nicht verstanden. Aber ich höre nicht auf zu lernen.“ Das ist der Kern. Künstliche Intelligenz soll dafür sorgen, dass das Auto seinen Nutzer kennenlernt: Benutzerpräferenzen, Einstellungen, Tagesabläufe, Reisemuster. Apropos Gepiepse: Anders als andere asiatische Marken hält Nio sich mit Warnungen vor „gleich könnte etwas passieren“ zurück. Zurückhaltend ist Nio auch bei Ablagen: Ein Handschuhfach gibt es nicht. Dafür eine große Ablage in der Mittelkonsole und ein Fach unter der Armlehne.

Fazit: Ein sehr gelungenes Auto. Viel Platz, ordentliche Fahrwerte, durchdachtes Infotainment – aber eben auch ein Einstiegspreis von 47.500 Euro ohne Akku. Der kostet 12.000 Euro mit 75 Kilowattstunden Kapazität, beziehungsweise 21.000 Euro mit 100 Kilowattstunden. Im Akku-Abo werden 169 Euro beziehungsweise 289 Euro monatlich fällig.

Details gibt´s in der Bildergalerie.

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