Fahrbericht Toyota RAV4 2,2 D: Der Letzte seiner Art

Autor / Redakteur: Wolfgang Sievernich / Wolfgang Sievernich

Toyota geht mit dem RAV4 konsequent den Kompromiss aus Offroader und SUV; statt wie sonst üblich SUV und bestenfalls einem Feldweg. Das verändert aber auch die Fahreigenschaften, weswegen wir der 2,2 Liter Turbodiesel-Variante einmal genau unter die Haube schauten.

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Der Toyota RAV4 2,2 Diesel ist ein Kompromiss aus Geländewagen und SUV und überzeugt mut Bodenfreiheit und komfortablem Fahrverhalten.
Der Toyota RAV4 2,2 Diesel ist ein Kompromiss aus Geländewagen und SUV und überzeugt mut Bodenfreiheit und komfortablem Fahrverhalten.
(Foto: Toyota)

Im Jahr 1994 kam der erste RAV4 von Toyota auf den Markt und gilt bis heute als einer der wichtigsten Wegbereiter der SUV-Welle in Europa. Noch anfangs eckig und kantig designt, kamen die späteren Generationen im regelmäßigen Sechsjahresturnus deutlich runder und größer daher. Mittlerweile hat der japanische Automobilhersteller seit 2013 die vierte Generation auf dem Markt. Gute Gelegenheit dem Urenkel des Wegbereiters unter die Haube zu schauen. Die Wettbewerber kommen von Nissan mit dem Qashqai, dem Ford Kuga, oder dem Mazda CX5.

Kein Dieselmotor mehr im Angebot

Wir testeten die noch erhältliche 2,2 Liter Turbodieselversion mit 150 PS, die der japanische Automobilhersteller im kommenden Jahr vom Markt nehmen will. Grund dafür ist die Philosophie, in Zukunft verstärkt auf die Benzin-Hybridtechnik zu setzen, anstatt weiterhin auf den, bei Toyota, so ungeliebten Diesel. Im Gegensatz zu früheren Versionen ist der heutige SUV nur noch als Fünftürer erhältlich. Von außen sieht der kleine Geländewagen schmal und langgezogen aus und erinnert ein wenig an den Wettbewerber Mitsubishi Outlander. Auffällig sind große Radhäuser, schlanke Türen und ein stimmiges, wenn auch eckiges Heck. Statt dem Designtrend vieler Wettbewerber zu folgen, aus SUV nur noch hochgebockte Versionen normaler Modelle zu machen, hat Toyota den RAV4 tatsächlich für leichteres Gelände entwickelt. Mit 18,7 Zentimeter Bodenfreiheit ist man durchaus am oberen Rand der SUV-Skala unterwegs, ohne schon als Geländewagen gezählt zu werden.

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Einfaches Multimedia-System

Der Blick in den Innenraum offenbart eine japanisch designte Cockpitlandschaft, die einerseits funktionell ist und andererseits einen Hauch an Eleganz verströmt. Dafür verantwortlich sind Leder und edlere Kunststoffe im Sichtbereich der Instrumententafel und des Lenkrads, sowie des Schaltknaufs. Die Sitzposition geht für großgewachsene Fahrer so gerade noch in Ordnung. Bei dem langgestreckten Fahrzeug hätte man durchaus längere Sitzschienen vermutet. Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand und gefällt mit einfachen Bedientasten für das Menü, das Radio und die Freisprechanlage. Beherrscht wird die Instrumententafel von einem Multimedia-System mit Touchscreen-Interface und 6,1 Zoll großem Display.

Die Bedienung ist mit ein wenig Eingewöhnung durchaus als einfach zu bezeichnen. Das Audiosystem umfasst einen RDS-Tuner, einen MP3-kompatiblen CD-Player, Bluetooth und USB-Port. Das Cockpit gefällt durch eine übersichtliche Anordnung von Schaltern und Tastern, die beim RAV4 noch physisch zu drücken sind und noch nicht in den Menüs der heute üblichen Touchscreens untergebracht wurden.

Riesiger Kofferraum

Der Blick in den Kofferraum gefällt: Hier kommt die Länge des SUV zum Tragen. 506 Liter trotz vollwertigen Reserverads gibt Toyota bis zur Fensterkante für den Kofferraum an. Nutzt man das ebenfalls zur Verfügung stehende Reparaturset oder ein Notrad sind es sogar 547 Liter und besitzt schon fast Van-Verhältnisse. Natürlich kann man die hinteren Sitze auch umlegen und vergrößert das Volumen dann auf Umzugsfreundliche 1.167 Liter.

Mehr Geländewagen als SUV

Kommen wir zum Fahrgefühl: Hier fällt auf, dass der RAV4 doch kein reiner SUV, sondern eher ein kleiner Geländewagen ist. Nicht nur die erhöhte Bodenfreiheit, sondern insbesondere ein auffallendes Wankverhalten zeigt, dass die Japaner den RAV4 eher für ausgefahrene Feld- und Waldwege, als für die Kurvenhatz entwickelt haben. Eher komfortabel als ausgerechnet sportlich sind Motor, das Sechsgang-Schaltgetriebe und das Fahrwerk zu charakterisieren. Statt des konventionellen Allradantriebs verwendet Toyota beim RAV4 das integrierte Fahrdynamik-System IDDS (Integrated Dynamic Drive System). Hierbei wird an die Antriebsachsen dynamisch das Drehmoment verteilt. Weiterhin verbaut sind das Fahrzeugstabilitätsprogramm VSC und eine elektrische Servolenkung.

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Hohe Reichweite

Der Motor leistet 150 PS/110 kW bei 3.600/min und liefert ein maximales Drehmoment von 340 Newtonmeter zwischen 2.000 und 2.800 Umdrehungen pro Minute. Diesel-typisch läuft der Motor sonor und zieht souverän durch. Ob Toyota diese Arbeitsweise in Zukunft auch mit dem Benzin-Hybrid erreichen kann, muss abgewartet werden.

Der Hersteller gibt einen Verbrauchswert von 5,6 Liter (NEFZ) auf 100 Kilometer an, unser Testwagen verbrauchte rund einen Liter mehr. Mit dem verbauten 60 Liter Tank und normaler Beladung begeistert der RAV4 trotz Allradantrieb mit einer ausgeprägten Reichweite. Das Leergewicht unserer handgeschalteten Version liegt bei 1.605 Kilogramm; die Zuladung beträgt satte 615 Kilogramm und reicht für fünf Passagiere und Gepäck.

Fazit

In der Gesamtbetrachtung gefällt der RAV4, auch wenn er die sportlichen Attribute vieler Wettbewerber nicht für sich verbuchen kann. Seine Stärken liegen woanders: Im Gelände und auf unebenem Terrain fühlt sich der RAV4-Vertreter wohl. Aber auch auf Autobahn, Landstraße und selbst in der Stadt ist man mit dem Fahrzeug gut unterwegs. Den Dieselmotor aus dem Programm zu nehmen, wird der Automobilhersteller in Deutschland voraussichtlich bei den Zulassungszahlen bemerken.

Für uns ist er zu Recht der Letzte seiner Art. Der Trend zu immer sportlicheren Geländegängern mit und ohne Allradantrieb wird Fahrzeuge wie den RAV4 in Zukunft in die Minderheit drängen. Umso besser, dass es ihn noch gibt.

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