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Klimaschutz Umfrage unter Ingenieuren: Es wird eng fürs Klima

Autor / Redakteur: ampnet/mk / Lena Bromberger

Eine deutliche Mehrheit von Ingenieuren ist der Meinung, dass sowohl politisch als auch privat zu wenig fürs Klima getan wird. Investitionen in erneuerbaren Energien und in energieeffiziente Technologien sind notwendig.

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Wartung an der Hochspannungsleitung.
Wartung an der Hochspannungsleitung.
(Bild: Auto-Medienportal.Net/EnBW)

Rund 145.000 Mitglieder hat der VDI, der Verein Deutscher Ingenieure. Volker Kefer, Präsident des VDI und Harald Bradke, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt, präsentierten nun die Ergebnisse einer Umfrage unter rund 1.500 Ingenieurinnen und Ingenieuren. „Die deutliche Mehrheit ist der Meinung, dass sowohl politisch als auch privat zu wenig getan wird. Das zeigt einmal mehr, dass es eine zügige gesamtgesellschaftliche Anstrengung braucht, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu verwirklichen“, kommentierte Volker Kefer die Aussagen der Befragten.

Die Energiewende kommt zu langsam voran

82 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sehen dabei die Energiewende als vordringlich an. Damit das im Pariser Abkommen festgeschriebene Ziel von einer maximalen Erwärmung von 1,5 Grad bis 2050 eingehalten wird, muss in Deutschland die Energieerzeugung- und Versorgung grundlegend transformiert werden, so die Forderung.

Die Energiewende gehe aber deutlich zu langsam voran, um die Klimaziele zu erreichen, sagen über drei Viertel der Befragten. „Beim Umbau unseres Energiesystems wurden die politisch gesteckten Ziele bisher nicht erreicht. Das geht auch aus dem jährlichen Monitoring der Energiewende der Bundesregierung hervor. Der Transformationsprozess muss also dringend beschleunigt werden“, so der VDI-Präsident.

Klimaschädliche Subventionen abbauen

Dabei sind viele gar nicht der Ansicht, dies alles sei die Aufgabe des Staates, der tue zwar zu wenig, so die Mehrheitsmeinung, doch sind 90 Prozent bereit, mehr Geld etwa für effizientere Haushaltsgeräte oder nachhaltig produzierte Lebensmittel auszugeben. Für Mobilität und Wärmeenergie sollten Windkraft und Fotovoltaik ausgebaut werden, 91 Prozent fordern den Abbau von klimaschädlichen Subventionen, im gleichen Zuge müssten einzelne Industriezweige ihre Prozessabläufe umstrukturieren. Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt nehmen die meisten der Befragten dafür in Kauf.

Einigkeit herrscht laut Umfrage auch darüber, dass es nicht ausreicht allein die Kohlekraftwerke abzuschalten. Dabei ist eine bessere und effizientere Übertragung der Energie von Norden nach Süden für viele wünschenswert.

E-Mobilität ähnlich umweltschädlich wie Verbrennungsmotoren

Bei der Mobilität setzen nahezu alle auf CO2-freie Technologien. Überraschend ist dagegen, dass sich nur die Hälfte der befragten Ingenieurinnen und Ingenieure für das batterieelektrische Automobil ausspricht. Die Mehrheit räumt Fahrzeugen mit Brennstoffzelle wegen der höheren Nachhaltigkeit bessere Chancen ein, unter Umweltaspekten sehen viele den Batteriewagen auf gleichem Niveau wie ein Auto mit Verbrennungsmotor, vor allem wegen der hohen Belastung bei Produktion und Recycling der Batterien.

Zudem sei die Ladeinfrastruktur schwach. Mehr Anreize, in Wasserstoff-Technologie zu investieren, wäre eine wirtschaftliche Chance für unser Land, man müsse eben nicht alle Eier ins gleiche Nest legen, so der VDI-Präsident. Deutschland als exportorientiertes Land brauche Hoch-Technologie und Forschung für die Sicherung der Arbeitsplätze.

Nicht nur CO2 vermeiden, sondern auch Lärm und Staub

Harald Bradke sieht die schnelle und deutliche Reduzierung von Treibhausgasen ebenfalls als unabdingbar und vergleicht die Entwicklung mit einer Pandemie, wie wir sie gerade erleben: „Wenn nicht früh gehandelt wird, kommen weitaus schwerwiegendere Folgen auf uns zu.“ Neben den CO2-Emissionen müsste auch der Ausstoß anderer Schadstoffe deutlich gesenkt werden, auch Lärm- und Stauberzeugung gilt es zu reduzieren. Off- und On-Shore-Windanlagen, Fotovoltaik sowie Wasserkraft wären dabei mehr als hilfreich.

Nach zu schärfen ist nach Ansicht Bradkes auch das Energiemanagement in Deutschland. „Wir exportieren etwa zehn Prozent der Energie ins europäische Ausland nur um Reservekapazitäten für wenige 100 Stunden im Jahr zu schaffen. Energieintensive Industrie wie Aluminium-, Papier oder Zementerzeuger sollten in den Verbrauchstälern, etwa nachts, arbeiten, E-Autos am Wochenende geladen werden.“

Investitionen werden sich für alle auszahlen

„Wenn wir die Energiewende und den Klimaschutz jetzt nicht deutlich ambitionierter voranbringen, werden die späteren Maßnahmen noch viel gravierender ausfallen oder wir werden für viel Geld CO2-Zertifikate im Ausland einkaufen müssen.“ Sinnvoller sei es, dieses Geld in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in energieeffiziente Technologien zu investieren. „Das kurbelt auch die Konjunktur in Deutschland an und kann mehr Arbeitsplätze schaffen“, so Bradke.

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