Gemeinsamer Brief Umweltorganisationen fordern Ende des Verbrennungsmotors bis 2030

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Einen Verkaufsstopp für Verbrennerfahrzeuge inklusive Hybride fordern mehrere Umweltverbände. Die Automobilhersteller sollten sich stattdessen auf „effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge“ konzentrieren.

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Mehrere Umweltverbände fordern ein Ende von Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2030.
Mehrere Umweltverbände fordern ein Ende von Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2030.
(Bild: BMW)

In einem gemeinsamen Brief fordern mehrere Umweltverbände die deutschen Autohersteller auf, bis spätestens 2030 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. Hersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW müssten ihre Produktion stattdessen auf „effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge ausrichten“, heißt es in einem Brief, den unter anderen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Germanwatch und die Deutsche Umwelthilfe unterschrieben haben.

Für Hybrid-Fahrzeuge gelte die Forderung nach einem Verkaufsstopp gleichermaßen. „Die angekündigten SUV-Modelle sind ein klimapolitischer Irrweg“, schreiben die Verbände, die auch synthetischen Kraftstoffen und Kraftstoffen aus Biomasse im Straßenverkehr eine Absage erteilen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte erst vor wenigen Tagen ein Ende des fossilen Verbrenners bis 2035 in Aussicht gestellt. Anders als von Umweltverbänden gefordert, will der CSU-Politiker aber auf synthetische Kraftstoffe setzen. Lediglich der klassische Verbrenner, der mit Benzin oder Diesel angetrieben wird, solle innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, sagte der CSU-Politiker der „Welt am Sonntag“.

Verband plädiert für synthetische Kraftstoffe

Auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau plädierte für den verstärkten Einsatz synthetischer Kraftstoffe. „Nicht der Verbrennungsmotor ist das Problem, sondern die fossilen Brennstoffe“, sagte VDMA-Präsident Karl Haeusgen dem Berliner „Tagesspiegel“ (22. März). Allein mit Blick auf den riesigen Bestand an Autos sei „völlig klar, dass wir für den Bestand auch synthetische Kraftstoffe brauchen, um weniger CO2 zu emittieren“. Diese könnten etwa mit grünem Wasserstoff hergestellt werden.

Es werde aber niemand entsprechende Raffinerien bauen und in die Weiterentwicklung der Technologien investieren, wenn es heißt, 2035 ist Schluss. „Ich bin dagegen, einen Motor zu verbieten. Es verkürzt die Diskussion und wäre sogar klimaschädlich, weil man klimanützlichen Technologien, die mit dem Kolbenmotor verbunden sind, den Massenmarkt abschneiden würde“, sagte Haeusgen der Zeitung.

Der Verkehrssektor – insbesondere der Straßenverkehr – ist für einen großen Teil der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die ausgestoßene Menge lag im Jahr 2020 nach Angaben des Umweltbundesamts bei 146 Millionen Tonnen. Die Reduktion um 19 Millionen Tonnen Treibhausgase im Vergleich zum Vorjahr führen Experten zum Teil auf weniger Mobilität während der Corona-Pandemie zurück.

Neue Abgasgrenzwerte könnten Verbrenner-Ende einläuten

Die EU-Kommission will Ende 2021 neue und ehrgeizigere Schadstoff-Grenzwerte für Autos und Vans vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. Die Automobilbranche befürchtet dadurch ein vorzeitiges Ende des klassischen Verbrennungsmotors – also genau das, was Umweltverbände nun mit Nachdruck fordern.

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