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Abgastechnik

Umweltverband fordert Partikelfilter für Ottomotoren

| Redakteur: Jan Rosenow

Noch ist sich die Automobilindustrie sicher, in Pkw mit Ottomotoren auf Partikelfilter verzichten zu können. Doch diese Hoffnung könnte trügen.

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Benzindirekteinspritzer stoßen Ruß aus – aber wie viel, das ist die Frage.
Benzindirekteinspritzer stoßen Ruß aus – aber wie viel, das ist die Frage.
(Foto: Daimler)

Mit der Abgasnorm Euro 6, die ab dem 1. September 2014 für neu typgeprüfte Fahrzeuge gilt, rückt der Partikelausstoß von Ottomotoren ins Blickfeld. Denn Benzindirekteinspritzer produzieren Ruß – ähnlich wie Diesel. In einem ersten Schritt hat die EU die erlaubte Partikelanzahl für Benziner auf einen Wert von 6 x 1012 festgelegt. Ab 2017 soll das Limit mit der Euro 6b auf 6 x 1011 sinken – der gleiche Wert wie beim Diesel.

Umweltverbände haben deshalb den Otto als Rußschleuder zum neuen Feindbild auserkoren. Doch die Automobilindustrie ficht das einstweilen nicht an. „Das Interesse der OEM an Partikelfiltern für Ottomotoren ist relativ gering. Sie wollen die Euro-6-Werte durch innermotorische Maßnahmen erreichen“, hatte ein Vertreter des französischen Abgastechnikspezialisten Faurecia auf der IAA im Gespräch mit der Automobil-Industrie-Schwesterzeitschrift »kfz-betrieb« erklärt. So oder ähnlich berichten es auch andere Zulieferer.

OEMs wollen den Filter nicht

Die Motivation der Autohersteller ist klar: Sie wollen den Filter unbedingt vermeiden, weil er nicht nur die Autos verteuert, sondern auch handfeste technische Nachteile aufweist: Der Abgasgegendruck steigt und damit die Pumparbeit, die der Motor beim Lastwechsel leisten muss. Das erhöht die CO2-Emission – kontraproduktiv für die Autohersteller, die ja gleichzeitig immer strengere CO2-Limits einhalten müssen.

Der DUH geht es ums Prinzip

Doch diese Einstellung ähnelt fatal der früheren Position der deutschen Industrie, beim Diesel auf einen Partikelfilter verzichten zu können, weil man die geltenden Abgaslimits auch ohne ihn einhalten könne. Öffentlicher Druck führte sehr schnell dazu, dass Daimler, VW und Co. hektisch nachrüsten mussten – eine peinliche Niederlage, die nun beim Ottomotor erneut droht. Denn längst haben die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und andere Interessenverbände den Fremdzünder aufs Korn genommen. „Benzinmotoren mit Direkteinspritzung sind gefährlicher für Umwelt und Gesundheit als bislang angenommen“, heißt es in einer Pressemitteilung der DUH. Bei der Abgasprüfstelle der Fachhochschule Bern hat die Organisation erstmals unter realen Fahrbedingungen nachgemessen. Das Ergebnis: Der Ausstoß von Nanopartikeln und anderen Schadstoffen steigt auf der Straße im Vergleich zu den Ergebnissen auf dem Rollenprüfstand „massiv“ an (genaue Zahlenwerte wurden allerdings nicht genannt).

Nach Meinung der DUH verstößt das gegen EU-Recht, weswegen sie rechtliche Schritte prüft, um die Typzulassung von DI-Fahrzeugen ohne Partikelfilter zu verhindern. Ob die Organisation damit durchkommt, ist fraglich, denn die sogenannten Off-cycle-Emissionen sind in der Euro 6 gar nicht berücksichtigt. Doch allein die Ankündigung zeigt, dass es ums Prinzip geht: kein Direkteinspritzer ohne Filter.

Euro 6b bereits ohne Filter möglich

Dabei zeigen die in Bern ermittelten Messwerte, dass die Autoindustrie schon heute die strengen Werte der Euro 6b ohne Filter einhalten kann. Während der getestete VW Golf 1,4 TSI im NEFZ-Zyklus sowohl die ab 2014 als auch ab 2017 geltenden Grenzwerte für Partikelanzahl einhielt, blieb der Hyundai i30 1,6 GDI immerhin unter den Grenzwerten für 2014 – und das, obwohl er nur nach Euro 5 homologiert ist.

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