Ukraine-Konflikt VDA: „Die Auswirkungen sind begrenzt“

Von jr/dpa

Der Krieg in der Ukraine wird spürbare Folgen für die deutsche Autoindustrie haben. Die VDA-Präsidentin äußerte sich aber zunächst zurückhaltend. Verständlich – ökonomische Fragen stünden aktuell im Hintergrund.

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Wladimir Putin bei der Eröffnung des Volkswagen-Werkes im russischen Kaluga 2009.
Wladimir Putin bei der Eröffnung des Volkswagen-Werkes im russischen Kaluga 2009.
(Bild: picture-alliance/dpa)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält die aktuellen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine für begrenzt. Im vergangenen Jahr hätten die deutschen Hersteller knapp 40.000 Fahrzeuge nach Russland und in die Ukraine exportiert – 1,7 Prozent aller aus Deutschland ausgeführten Autos. „Die Folgen für die Unternehmen und ihre Arbeitnehmer sind derzeit noch nicht konkret absehbar“, sagte Verbandspräsidentin Hildegard Müller.

Der VDA zählt aber auch auf, dass die Branche insgesamt 49 Fertigungsstandorte von Zulieferern und Herstellern in Russland und der Ukraine unterhält. Darunter das Volkswagen-Werk in Kaluga – 170 Kilometer südwestlich von Moskau. Dort wurden vergangenes Jahr rund 118.000 Tiguan-, Polo- und Rapid-Einheiten sowie Q7- und Q8-Modelle auf Semi-Knocked-Down (SKD)-Basis gefertigt.

Krisenstab bei VW

Wolfsburg äußerte sich am Donnerstag entsprechend vorsichtig: „Der Grad der Auswirkungen auf unsere Geschäftstätigkeit in den betroffenen Ländern wird fortlaufend durch einen Krisenstab ermittelt“, so die offizielle Verlautbarung. Bei allen Aktivitäten vor Ort stehe die Sicherheit und Unversehrtheit der Mitarbeiter an erster Stelle.

„Russland wird lange Zeit als wichtiger Absatzmarkt und Produktionsstandort für die Automobilindustrie ausfallen“, schätzte Prof. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach am Donnerstag die Lage ein. Die Automobilindustrie werde für viele Jahre keine relevanten Investitionen in Russland tätigen. „Allerdings ist auch mit erheblichen indirekten Folgen für die Automobilbranche in Deutschland und Europa zu rechnen“, so der Experte weiter. In den kommenden Jahren würden nicht zuletzt aufgrund der Verteuerung der Energie- und Mineralölpreise die Kosten für die Automobilproduktion und auch für die Autonutzung steigen.

Renault-Nissan-Mitsubishi am stärksten betroffen

Die zu erwartenden wirtschaftlichen Sanktionen treffen nach Einschätzung von Stefan Bratzel neben dem Hyundai-Konzern die Renault-Nissan-Mitsubishi-Kooperation sowie Volkswagen am stärksten. Da die Marktrelevanz von Russland für Wolfsburg – gemessen am weltweiten Volkswagenabsatz – nur bei zwei Prozent liege, seien die negativen direkten Vertriebseffekte ähnlich wie bei BMW und Mercedes als moderat einzuschätzen. „Renault-Nissan-Mitsubishi ist dagegen aufgrund der hohen Absatzanteile der Gruppe sowie des russischen Tochterunternehmen Avtovaz wirtschaftlich am stärksten betroffen.“

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