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Brasilien VDA kritisiert Importsteuer

| Redakteur: Christoph Baeuchle

Brasilien hat die Industriesteuer erhöht: Seit Donnerstag (15.12.) müssen auf importierte Produkte 30 Prozent mehr Abgaben bezahlt werden. VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig hat scharfe Kritik am Verhalten Brasiliens geübt und die Europäische Kommission aufgefordert, dagegen vorzugehen.

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Die erhöhte Steuer trifft die Automobilhersteller, die nicht vor Ort produzieren. Ausgenommen sind lediglich Fahrzeuge, die in einem Land der südamerikanischen Freihandelszone Mercosur oder Brasilien selbst produziert wurden und einen Local Content von mindestens 65 Prozent haben.

Die Konsequenz ist klar: Die Preise für die ohnehin teueren Fahrzeuge steigen weiter, zum Teil um knapp 30 Prozent. Ein Mittelklassefahrzeug kostete zuvor bereits etwa das Doppelte wie in Deutschland.

„Wachsemder Protektionismus“

„Die Steuerpolitik Brasiliens schränkt den Marktzugang für unsere Unternehmen spürbar ein. Diese Handelsschranke ist leider ein weiteres Beispiel für den wachsenden Protektionismus, den wir seit einiger Zeit in manchen Schwellenländern beobachten“, sagte Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA), gegenüber »Automobil Industrie«.

Der Verband betrachtet die Entwicklung mit Sorge. „Die Europäische Kommission ist aufgefordert, gegen solche Handelsbarrieren vorzugehen. Wir wollen eine enge Zusammenarbeit mit Brasilien und dem gesamten Mercosur mit dem Ziel eines Freihandelsabkommens. Handelsbarrieren müssen deshalb ab- und nicht aufgebaut werden.“

Wichtiger Markt Brasilien

Für die deutschen Hersteller und Zulieferer ist Brasilien ein wichtiger Markt: Jeder fünfte Neuwagen, der in Brasilien zugelassen wird, ist eine deutsche Konzernmarke. Auch der Import boomt: So hat die deutsche Zulieferindustrie im vergangenen Jahr Kfz-Teile und Zubehör im Wert von mehr als 840 Millionen Euro nach Brasilien exportiert. Im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 35,8 Prozent.

Im laufenden Jahr 2011 wird der brasilianische Light-Vehicles-Markt um etwa fünf Prozent auf 3,5 Millionen Pkw und Light Vehicles zulegen. „Auch für das kommende Jahr ist mit Wachstum zu rechnen“, so Bräunig. „Allerdings wird die Geschwindigkeit etwas zurückgenommen.“ Für 2012 rechnet der Verband mit einem Plus von drei Prozent.

Über die Entwicklung der Automobilindustrie in Brasilien berichtet »Automobil Industrie« in der Ausgabe 1-2/2012 (Erscheinungstermin: 1. Februar 2012).

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