Strategie „Vorsprung 2030“ Verbrenner-Aus bei Audi: „Wir hatten gar keine andere Wahl“

Autor: Christoph Seyerlein

In wenigen Jahren entwickelt Audi keine Verbrenner mehr. Eine neue Strategie soll dafür sorgen, dass die Ingolstädter dennoch besser verdienen denn je. Wie das funktionieren soll.

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„Vorsprung 2030“ heißt die neue Strategie, für die Audi unter CEO Markus Duesmann stehen soll.
„Vorsprung 2030“ heißt die neue Strategie, für die Audi unter CEO Markus Duesmann stehen soll.
(Bild: Audi)

2025 will Audi seinen letzten neuen Verbrenner vorstellen, 2033 soll der Verkauf von nicht-elektrischen Modellen dann auslaufen. Mit eventueller Ausnahme in China. So weit, so bekannt. Aktuell erläutern die Ingolstädter nun Schritt für Schritt, wie sie künftig trotz der Transformation profitabler agieren wollen. Ein Rendite von mehr als elf Prozent (2020: 5,5 %) ist das Ziel des Vorstandsteams um CEO Markus Duesmann. Der Strategie dafür hat Audi den Namen „Vorsprung 2030“ verliehen.

Aus Kunden unserer Produkte werden künftig User.

John Newman, Audi

Zum Verbrenner-Ausstieg sagte Duesmann: „Wir hatten gar keine andere Wahl. Und doch handeln wir aus größter Überzeugung.“ Finanzvorstand Jürgen Rittersberger ergänzte: „Nachhaltigkeit ist ein Muss – für unsere Kunden und unsere Belegschaft. Wir wollen dem Unternehmen einen Sinn und Zweck geben.“

„Am Produktportfolio werden wir nicht sparen“

Wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltiges Engagement sollen bei Audi künftig Hand in Hand gehen. Dabei orientiert sich der Hersteller an den Kriterien Environment, Social und Governance (ESG). Diese umfassen unter anderem Klimaschutz und den Schutz von endlichen Ressourcen, Sicherheit und Gesundheit der Belegschaft, gesellschaftliche Verantwortung und Unternehmenssteuerung beim Compliance- und Risikomanagement.

Um die Finanzen ist Rittersberger dabei nicht bange. Individualmobilität habe weiter einen sehr hohen Stellenwert. Darüber hinaus eröffne die Digitalisierung einerseits neue Geschäftsfelder und ermögliche andererseits Einsparpotenziale. Der Finanzvorstand stellte aber klar: „Am Produktportfolio werden wir nicht sparen.“

Audi: Keine Brennstoffzelle

Beim Antrieb konzentriert sich Audi dabei voll auf die Batterie, Wasserstoff im Pkw erteilte der Hersteller erneut eine Absage. Das soll sich schnell auszahlen. „In zwei bis drei Jahren werden E-Fahrzeuge in etwa so profitabel sein wie Verbrenner. Der Q4 E-Tron ist schon heute in Europa in etwa so profitabel wie die Q3-Familie weltweit“, erklärte Rittersberger.

Um an neue Erlösquellen heranzukommen, setzen die Ingolstädter beispielsweise auf Functions on Demand, also nachträglich buchbare Services. John Newman, Head of Digitalization, sagte: „Wir müssen uns stark auf die Geschäfte fokussieren, die nach dem Verkauf unserer Autos passieren.“ Neue Geschäftsmodelle seien deutlich stärker softwareorientiert. Deshalb müsse man einen Schritt vollziehen: „Aus Kunden unserer Produkte werden künftig User.“

Künftig wolle man stärker mit neuen Mobilitätsangeboten agieren. Erfahrungen hat die VW-Tochter dabei schon mit Audi on Demand gesammelt. Kurz vor dem Launch steht nun beispielsweise eine Mobilitäts-App, die die Audi Denkwerkstatt in Berlin entwickelt hat. User sollen damit auf „spielerische Art und Weise ihr Mobilitätsverhalten verstehen und nachhaltiger gestalten können“, kündigte Finanzvorstand Rittersberger an.

Autonomes Fahren Mitte des Jahrzehnts erwartet

Besonders stark wird sich der User-Ansatz wohl ausprägen, wenn die Fahrzeuge autonomer werden. Bis Mitte des Jahrzehnts rechnet Audi dabei mit signifikanten Sprüngen. Eine entscheidende Rolle soll dabei das Projekt Artemis spielen. Das erste Artemis-Modell wird 2025 erwartet. „Damit werden wir die Luxusklasse neu definieren“, zeigt sich Finanzvorstand Rittersberger selbstbewusst.

Elektrisch, autonom, nachhaltig und digital – auf diese Kernelement fokussiert die neue Audi-Strategie. Chefstrategien Silja Pieh schilderte, dass man diese erstmals komplett inhouse entwickelt habe. Rund 500 Audi-Mitarbeiter aller Hierarchiestufen hätten sich eingebracht, die Hälfte davon Tarif-Beschäftigte.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility / Entwicklungsredakteur