Connectivity Vodafone: „Wir bieten Ende-zu-Ende Lösungen für das vernetzte Auto“

Autor: Christian Otto

Erik Brenneis, Director M2M bei Vodafone, spricht im Interview über die Erfahrungen seines Unternehmens in der Automobilindustrie, die erfolgreiche Akquisition der Cobra Gruppe und die künftige Mobilfunkgeneration 5G als Basis für das autonome Fahren.

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Erik Brenneis sieht in 5G einen Game-Changer, der vor allem für das autonome Fahren nötig wird.
Erik Brenneis sieht in 5G einen Game-Changer, der vor allem für das autonome Fahren nötig wird.
(Foto: Vodafone)

Herr Brenneis, Sie bieten 26 eigene und 55 Partnernetze sowie Roaming in allen übrigen Ländern der Welt. Sind Sie damit führender Anbieter oder wollen Sie hier noch wachsen?

Mit unserem internationalen Footprint sind wir im Mobilfunkbereich weltweit führend. Neben dieser hochleistungsfähigen Netzinfrastruktur bieten wir aber auch seit Jahren ein umfangreiches Portfolio im Bereich Machine-to-Machine (M2M) Kommunikation an. Dieses reicht von Lösungen zur Fernüberwachung und -wartung über Energiedatenmanagement und Telemedizin bis zum vernetzten Auto.

Mit dem Zukauf von Cobra Automotive ist Vodafone zum Komplettanbieter für das vernetzte Auto gewachsen. Was bieten sie konkret an?

Durch unsere Übernahme von Cobra Automotive im vergangenen Jahr können wir unseren Automobilkunden heute Ende-zu-Ende-Lösungen für das vernetzte Fahrzeug anbieten. Unser Angebot reicht von der eigenen Hardware in Form von Telematikboxen, über die Mobilfunkinfrastruktur und M2M-Plattform bis zur Applikationssoftware und Servicezentren. So betreiben wir etwa eigene Servicezentren, die nach automatischer Benachrichtigung durch das Fahrzeug im Falle eines Unfalls oder Diebstahls entsprechende Maßnahmen einleiten können. Dabei ist unser Angebot modular aufgebaut, so dass die OEMs sowohl einzelne Komponenten als auch Komplettlösungen bei uns erhalten. Dies ist zum Beispiel für kleinere asiatische Anbieter attraktiv, die ihre Fahrzeuge nach Europa exportieren und keine eigene kostenintensive Infrastruktur vor Ort aufbauen können oder wollen.

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Zur Person

Erik Brenneis ist seit 2009 als Group Director Machine-to-Machine für das weltweite M2M- Geschäft von Vodafone verantwortlich. Dazu gehört auch das im vergangenen Jahr erworbene Vodafone Automotive Business, vormals Cobra Automotive Technologies. Zuvor war er in verschiedenen Managementpositionen in der Industrie und bei Technologieunternehmen tätig, unter anderem bei der Siemens AG und dem Schweizer Unternehmen Landis & Gyr, einem der weltweit führenden Anbieter von integrierten Energiemanagement-Lösungen.

Brenneis hat an der Universität Karlsruhe Elektroingenieurswesen studiert und verfügt zudem über einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre.

Inwieweit hat Ihnen dieser Zukauf bei der Kundenakquise geholfen?

Die ehemalige Cobra Gruppe verfügt über 40 Jahre Erfahrung im Automobilzuliefererbereich und hat bereits langjährige Geschäftsbeziehungen zu Herstellern in nahezu allen wichtigen Märkten. Das hilft uns natürlich in unserem Automotive-Geschäft und öffnet zusätzliche Türen. Aber auch schon vor der Übernahme waren wir als Vodafone sehr erfolgreich im Bereich Connected Car unterwegs, mit Kunden wie Audi, BMW, Kia oder Volkswagen. In Summe sind wir durch den Zukauf noch schlagkräftiger geworden und haben uns breiter aufgestellt.

Auch als klassischer Telko-Zulieferer sind sie einer der führenden Anbieter im Automotive-Markt. Helfen Ihnen diese Kontakte, um bei den OEMs auch in den anderen Bereichen ihr Produkte einzubringen?

Absolut, es gibt viele Synergien zwischen dem klassischen Geschäft für Telefonie und Datentarife sowie unserem Machine-to-Machine-Geschäft samt Automotive. Allerdings werden wir mit unseren M2M-Lösungen ein Teil des Produktes unserer Kunden. So bekommen wir eine Nähe zu den Firmen, die eher einer Partnerschaft gleich kommt als dem klassischen Zulieferergeschäft für Smartphones oder Telefondienste. Zusätzlich hilft uns im Automobilgeschäft, dass wir uns als Vodafone auch in vielen anderen industriellen Bereichen Kompetenzen aufgebaut haben.

Game-Changer 5G

Die Netzabdeckung ist in Deutschland im globalen Vergleich noch ein Knackpunkt. Spüren Sie einen erhöhten Druck von Seiten der Hersteller hier nachzuschärfen, um die vernetzten Anwendungen flächendeckend abzusichern?

Die Netzabdeckung ist in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern sehr gut. So versorgen wir 99 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit dem Mobilfunkstandard GSM, 83 Prozent mit UMTS und bieten auf 78 Prozent der Fläche Deutschlands bereits LTE, den neuesten und derzeit schnellsten Mobilfunkstandard mit Geschwindigkeiten von bis zu 225 Mbit/s. Und wir modernisieren und bauen unsere Netze kontinuierlich aus. Als Vodafone-Gruppe investieren wir alleine zwischen 2014 und 2016 rund 23 Milliarden Euro in unsere Netze. Dabei wird auch der LTE-Ausbau in ganz Europa vorangetrieben. Und wenn wir auf das Thema autonomes Fahren blicken, dann sprechen wir über die nächste Mobilfunkgeneration 5G. Denn selbst wenn das heutige LTE-Netz komplett ausgebaut wäre, benötigt man für Echtzeit-Anwendungen ein komplett neues und anderes Netz. Ein Beispiel: Soll bei einem Unfall in Echtzeit das eigene Fahrzeug die anderen Fahrzeuge in der Nähe warnen, wäre die Latenz bei LTE zu hoch, um einen weiteren Unfall zu vermeiden. Dies wird erst 5G mit einer Verzögerungszeit von einer Millisekunde leisten, also Internet nahezu in Echtzeit.

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Zur Person

Erik Brenneis ist seit 2009 als Group Director Machine-to-Machine für das weltweite M2M- Geschäft von Vodafone verantwortlich. Dazu gehört auch das im vergangenen Jahr erworbene Vodafone Automotive Business, vormals Cobra Automotive Technologies. Zuvor war er in verschiedenen Managementpositionen in der Industrie und bei Technologieunternehmen tätig, unter anderem bei der Siemens AG und dem Schweizer Unternehmen Landis & Gyr, einem der weltweit führenden Anbieter von integrierten Energiemanagement-Lösungen.

Brenneis hat an der Universität Karlsruhe Elektroingenieurswesen studiert und verfügt zudem über einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre.

In ungefähr fünf Jahren soll 5G auf dem deutschen Markt starten. Ist das dann flächendeckend oder wie bei den meisten Systemen der Vergangenheit zuerst nur in Ballungszentren?

Derzeit befinden wir uns noch in einem frühen Stadium und arbeiten gemeinsam mit der TU Dresden und führenden Forschern an der Entwicklung des neuen Standards. 5G ist nicht nur ein Thema für die Automobilbranche sondern insgesamt für den gesamten Telekommunikationsmarkt ein Game-Changer. Eine wichtige Voraussetzung für die Verfügbarkeit von 5G sind ausreichend Frequenzen: Tiefe Frequenzen für die ländlichen Gebiete einerseits und hohe Frequenzen für Gebiete mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Mit den vor kurzem erst ersteigerten Frequenzen haben wir hier beste Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen. Wir rechnen damit, dass wir ab 2020 mit 5G starten.

Wollen Sie im Automotive Bereich noch Kompetenzen hinzugewinnen? Sind dafür auch weitere Zukäufe angedacht?

Heute sind wir im Automobilbereich sehr gut aufgestellt, da wir sowohl für die Hard- und Software als auch für die Netzinfrastruktur das passende Portfolio und die entsprechenden Kompetenzen im eigenen Haus haben. Unser Ziel ist es, den Wachstumskurs der vergangenen Jahre weiter voranzutreiben und das Internet im Auto mit den entsprechenden Services flächendeckend einzuführen. In Europa sind wir bereits Marktführer und Lieferant von rund 80 Prozent der Automobilhersteller in den Bereichen elektronische Systeme, Telematik-Lösungen oder Konnektivität. Zudem wollen wir mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G das autonome Fahren voranbringen. Hier werden wir weitere Partnerschaften eingehen.

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Über den Autor

 Christian Otto

Christian Otto

stellvertretender Chefredakteur, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE