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Wirtschaft Volkswagen: „2022 dürften wir wieder auf Vorkrisenniveau sein“

Autor / Redakteur: dpa / Jens Scheiner

Im kommenden Jahr rechnet Volkswagen mit einem Übergangsjahr, in dem sich die aktuelle Lage schon spürbar entspannt. 2022 will Konzernchef Herbert Diess das Kapitel Corona auch wirtschaftlich endgültig schließen.

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„Ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr ordentlich abschließen“, erklärte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Montag.
„Ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr ordentlich abschließen“, erklärte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Montag.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen will sich von der Corona-Krise nicht aus der Bahn werfen lassen und hält an seinen wichtigsten Finanzzielen bis 2025 fest. Der weltgrößte Autobauer bleibt nach der Planungsrunde für die kommenden fünf Jahre trotz der Pandemie-Belastungen auch bei seiner Geschäftsstrategie, wie das Top-Management am Montag betonte.

„Ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr ordentlich abschließen“, sagte VW-Chef Herbert Diess in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „2022 dürften wir dann wieder auf Vorkrisenniveau sein.“ Das Jahr 2021 werde ein „Übergangsjahr“ mit deutlicher Erholung bei Auslieferungen und Umsatz gegenüber dem laufenden Jahr, sagte Finanzchef Frank Witter. Die Folgen der Krise blieben für die gesamte Branche eine Herausforderung. „Aber wir werden nicht von der Klippe stürzen.“

Sieben bis acht Prozent Rendite bis 2025

Konkret erwartet VW im Jahr 2025 einen Anteil des Betriebsergebnisses am Umsatz von sieben bis acht Prozent, wenn Sondereinflüsse herausgerechnet werden. In einem Zwischenschritt 2022 dürften es sechs bis sieben Prozent sein, so Witter. Vor der Corona-Krise hatte VW schon für das laufende Jahr 6,5 bis 7,5 Prozent in Aussicht gestellt. Da Investitionen in neue Technologien nicht vernachlässigt werden sollen, werde die F&E-Quote bis 2022 höher sein als geplant. VW habe in den kommenden Jahren mit bedeutend weniger Umsatz zu kämpfen als in der vergangenen Fünfjahresplanung avisiert, sagte Witter.

Seit längerem strebt VW schon eine Ausschüttungsquote von mehr als 30 Prozent des Nettogewinns an – für dieses Jahr könnte sie wegen des zu erwartenden niedrigeren Gewinns über der Marke liegen, sagte der Finanzvorstand. Für das kommende Jahr sollte sie sich dann zwischen 25 und 30 Prozent einpendeln.

VW wird CO2-Ziele knapp verfehlen

Am Freitag (13. November) hatte der Konzern seine aktualisierte Ausgabenverteilung beschlossen. Angesichts der konjunkturellen Unsicherheit stagnieren die Gesamtinvestitionen bis 2025 bei rund 150 Milliarden Euro – es gibt aber weitere Aufstockungen der Anteile für alternative Antriebe und Digitales. Diess sagte am Montag, in der kommenden Planungsrunde werde die Produktion von Verbrennern noch stärker an Einzelstandorten zusammengezogen. Im Jahr 2023 etwa wandert der Passat von Emden nach Bratislava.

Sehr eng wird es für den Konzern in diesem Jahr mit der Einhaltung der verschärften CO2-Ziele der EU. „Es wird hart“, sagte Diess. „Wir werden das Ziel wahrscheinlich knapp verfehlen, aber wir sind sehr dicht dran. Nächstes Jahr sollte es einfacher werden.“ VW baut den Anteil der E-Autos aus, 2021 soll er auf sechs bis acht Prozent der Verkäufe steigen. Sollte der „Green Deal“ der EU mit nochmals strikteren Klimavorgaben kommen, sei bei der nächste Runde eine „Neuplanung“ nötig. Grundsätzlich steht der Konzern aber hinter den CO2-Zielen.

Trotz Spardruck sind Übernahmen in Vorbereitung

„Wir machen auch auf der Software-Seite Fortschritte“, sagte Diess. Etwa die Hälfte der Investitionen gehe in die Weiterentwicklung von Technologien zum autonomen Fahren. „Bestimmte Übernahmen“ seien in Vorbereitung – der Konzern peile aber vor allem eine höhere eigene IT-Wertschöpfung, eigene Software und ein eigenes Auto-Betriebssystem an.

Laut Witter bleibt der Spardruck im Konzern hoch: „Wir sind entschlossen, den Stift in allen Geschäftsbereichen anzuspitzen.“ Während man in klassischen Bereichen Jobs abbaue, bekämen Zukunftssektoren mehr Personal. Vor allem die fixen Kosten seien derzeit noch „nicht wettbewerbsfähig“, räumte Witter ein. Der Konzern wolle deshalb auch noch mehr Ausstattungsvarianten einzelner Modelle streichen.

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